„Der Wohnmobilstellplatz ist für uns auch eine Investition in die Zukunft“, sagt Alexandra Hanser. Haupteinnahmequelle der Familie sind neben Edelbränden vor allem Feriengäste. „Allein mit dem klassischen Obstbau verdient man heute kein Geld mehr“, sagt Stefan Hanser. „Bei immer mehr Bauern liegen Flächen brach, die keiner mehr will.“
Die Idee, künftig Wohnmobile auf seinem Grundstück zu beherbergen, hatte Stefan Hanser, der für die CSU im Wasserburger Gemeinderat sitzt, schon vor drei oder vier Jahren. Als die Verwaltung ihren Flächennutzungsplan ausarbeitete, konnten sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen. „Außer uns hat keiner einen Antrag für einen Wohnmobilstellplatz eingebracht“, sagt er.
Wasserburgs Bürgermeister Harald Voigt bestätigt das. Trotzdem seien vonseiten der Gemeinde auch alternative Standorte geprüft worden. Insgesamt sieben Stück, unter anderem in Hege, Hattnau, beim Freibad „Aquamarin“ und im Birkenried.
Sie waren alle ungeeignet,
sagt Voigt.
Allerdings war es auch nicht einfach, auf dem Grundstück der Hansers den richtigen Ort für den Stellplatz zu finden. Zweimal musste er in den Plänen versetzt werden, bis das Landratsamt zufrieden war. Jetzt verschwindet der Platz von der Straße aus betrachtet hinter einer Kuppe.
Mittlerweile ist der Flächennutzungsplan für das „Sondergebiet Wohnmobilstellplatz und Reitsportanlage“ beschlossen und von der Behörde genehmigt.
Verschiedene Stellungnahmen bei der Gemeinde eingegangen
Seit einiger Zeit regt sich allerdings Widerstand gegen das Vorhaben, und zwar gleich von mehreren Seiten: Knapp 730 Menschen haben sich an der Online-Petition gegen Reitanlage und Wohnmobilstellplatz beteiligt. Auf einer Unterschriftenliste, die bei der Gemeindeverwaltung abgegeben wurde, stehen knapp 50 Namen.
Aktuell läuft das Verfahren für den Bebauungsplan. Der ist Voraussetzung für eine Baugenehmigung. Behörden, Institutionen und Bürger können sich an dem Verfahren beteiligen. Ein erster Entwurf des Plans lag bis Ende März im Wasserburger Rathaus aus.
Insgesamt sind laut Bürgermeister Voigt neun Stellungnahmen eingegangen. Darunter ist neben dem Bund Naturschutz auch eine Gruppe, die sich selbst als Interessengemeinschaft bezeichnet und sich eigenen Angaben zufolge aus 20 Mitstreiterinnen und Mitstreitern zusammensetzt.
Die Menschen aus Wasserburg und Lindau haben sich zusammengetan, um das Projekt der Hansers zu verhindern. Wenn notwendig, dann auch „auf einem langen und teuren Rechtsweg“, wie sie schreiben. Die Initiatoren wollen anonym bleiben, Kolumna liegen die Namen vor.
Die Kritikpunkte, die von Unterstützern der Online-Petition und Unterschriftenliste, der Interessengemeinschaft und dem Bund Naturschutz vorgetragen werden, decken sich zum großen Teil.
„Durch die Planung verliert Wasserburg touristisch attraktive Landschaftsbestandteile, die sich durch unzerschnittene und unbebaute Grünflächen auszeichnen“, schreibt der Bund Naturschutz, der auch in den geplanten Gebäuden, zum Beispiel für die Reithalle, eine Beeinträchtigung der Landschaft sieht.
Die Naturschützer sowie die Interessengemeinschaft kritisieren zudem, dass ein konkretes Konzept für Regenrückhaltebecken fehle, die aber notwendig seien und zusätzlich Flächen verbrauchten. In der Online-Petition wird zudem das „Missverhältnis von Tourismus und Bedürfnissen der Bewohner“, das in Wasserburg mittlerweile herrsche, moniert.
Großer Knackpunkt ist allerdings der Verkehr. Und da reihen sich auch die Gemeinde Bodolz und die Stadt Lindau in den Kreis der Kritiker ein.
Um zum Hof der Hansers zu kommen, gibt es für Wohnmobile und Pferdetransporter nur zwei Möglichkeiten: Über den Bodolzer Ortsteil Enzisweiler und die Schachener Straße (in der Karte rot) oder über den Wasserburger Ortskern (in der Karte orange).
Ihr könnt die Karte vergrößern, indem ihr auf die Pfeile klickt oder am Handy reinzoomt.