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Bund Naturschutz in Lindau fordert „verbindlichen Schutz“ der Landschaftsfinger
In den vergangenen Monaten wurde immer wieder über die sogenannten Landschaftsfinger diskutiert. Jetzt meldet sich die Kreisgruppe Lindau des Bund Naturschutzes dazu – und fordert die Erstellung eines Klimaatlas für das Stadtgebiet und klare Bewertungskriterien der Landschaftsfinger.
Landschaftsfinger seien die fünf Grünschneisen, die sich in Lindau von außen ins Stadtgebiet ziehen, schreibt der BN. Neben dem Beitrag zur Erholung und zum Landschaftsbild seien diese unter anderem wichtig, um Frischluft ins Stadtgebiet zu führen und ein Aufheizen im Sommer zu vermeiden. „Leider wurde in den vergangenen Jahren in einigen Bereichen der fünf Finger einer Erschließung und Bebauung Tür und Tor geöffnet“, schreibt der BN in der Mitteilung.
Zum Beispiel bei Bauprojekten in der Schöngartenstraße, an der Motzacher Halde und im Heuriedweg wurde über die Landschaftsfinger viel diskutiert. Bei Parkplätzen am Hoyerbergschlössle und bei einer Firma in der Robert-Bosch-Straße hingegen hat der Bauausschuss sich erst kürzlich für einen Bau in einem Landschaftsfinger entschieden.
Die Kreisgruppe Lindau des BN bemängelt den Bau in die Finger. „Nicht nur der Verlust der Grünflächen, sondern auch Hitzestau und schlechtere Luftqualität sind mögliche Folgen eines Verlustes der Grünfinger.“
Die Kreisgruppe begrüße die Vorschläge des Lindauer Bauamtes zur Schaffung von Handlungsempfehlungen im Umgang mit dem Landschaftsfingern. Einen Text dazu lest ihr hier.
Der BN bedauert aber, dass die Stadt Lindau ein Jahrzehnt verstreichen ließ, um dem Schutz der Landschaftsfinger einen rechtsverbindlichen Rahmen zu geben, denn dieser ist ein wichtiger Teil der Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, heißt es.
Mit dem Freiflächenkonzept seien bereits vor neun Jahren Ziele und Maßnahmen zum Schutz der Landschaftsfinger vereinbart worden. „Diese klaren Handlungsempfehlungen wurden jedoch bisher nicht in die kommunale Bauleitplanung mit aufgenommen.“ Die vielen Initiativen durch Bürger vor Ort, die sich um den Schutz der Lindauer Freiflächen bemühen, setzten ein starkes Zeichen, heißt es weiter. Der BN sei dankbar über diesen Rückhalt aus der Bevölkerung.
Zu begrüßen sei nach Ansicht des ersten Vorsitzenden der Lindauer BN-Kreisgruppe, Maximilian Schuff, die Aussage des Lindauer Bauamtes, Landschaftsfinger jetzt genau abzugrenzen und zu bewerten. Allerdings sollte man nicht manche Flächen heraus- und andere hineinnehmen, wie es heißt.
Der Kreisgruppenvorsitzende empfiehlt klare Bewertungskriterien der Landschaftsfinger wie etwa Frischluftschneise beziehungsweise Kaltluftentstehungsfläche, ökologische und naturschutzfachliche Relevanz sowie Kriterien des Landschaftsbildes oder Freizeitwertes.
Ein Flächentausch im Sinne dieser Kriterien sei durchaus denkbar, aber es dürfe kein Bauwunsch dahinterstehen, so Schuff. Die Kreisgruppe bietet an, die zur Beurteilung der Landschaftsfinger angekündigte Arbeitsgruppe fachlich zu unterstützen, und würde sich freuen, hier von der Stadt mit ihrer Fachkompetenz beteiligt zu werden, heißt es.
Außerdem schlägt der BN zur Sicherung der Freiflächen einen Zehn-Punkte-Plan vor. Der BN fordert Folgendes:
1. Erstellung eines Klimaatlasses für das Stadtgebiet, um die Bedeutung der Landschaftsfinger zu belegen und hervorzuheben
2. Aktuell kritische Bauprojekte im Bereich der Landschaftsfinger wie zum Beispiel Motzacher Haldenweg, Schöngartenstraße sollten nicht weiterverfolgt werden.
3. Implementierung eines städtischen Programmes zur Entsiegelung von Flächen, insbesondere innerhalb der Landschaftsfinger
4. Wenn sich ein Landschaftsfinger mit den Ausführungen und dem Bereich des Landschaftsplans und dem Flächennutzungsplan deckt, ist ein zukünftiges privates Bauvorhaben abzulehnen.
5. Die Erschließung der Landschaftsfinger zur „Erlebbarkeit“ soll nicht in den Bereichen geschehen, die zu naturschutzfachlichen Konflikten führen.
6. Sollte ein öffentliches Interesse bei einem Bauvorhaben bestehen, sind entsprechende Ausgleichsmaßnahmen im selben Landschaftsfinger durchzuführen oder der Landschaftsfinger ist an anderer geeigneter Stelle zu erweitern.
7. Falls Parzellen aus dem Landschaftsfinger herausgenommen werden sollten, darf dies nur erfolgen, wenn Kaltluftströme und Frischluftschneisen nicht betroffen sind.
8. Rücknahme der Änderung des Flächennutzungsplanes im Bereich „Auffangparkplatz Blauwiese“
9. Vermeidung jeglicher Wohnneubauten südlich der Bahnlinie im Bereich zwischen Campingplatz und Bahnunterführung Bregenzer Straße nach der Devise „Am See Natur statt Beton“.
10. Schaffung von Biotopverbundsystemen stadtweit, um die Anpassungsfähigkeit von Arten an den Klimawandel zu ermöglichen, sowie die Entwicklung zur „Schwammstadt“ als weitere Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel.
Nur durch diese Schritte und eine transparente, fachlich fundierte Bewertung können die Lindauer Landschaftsfinger als wertvolle Freiräume für Natur, Klima und Lebensqualität langfristig erhalten bleiben und Lindau den Herausforderungen des Klimawandels gerecht werden, heißt es.
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