Hier könnte in Bodolz genossenschaftliches Wohnen in Bodolz entstehen – wenn die Gemeinde die Voraussetzungen dafür schafft. Dabei helfen könnte, so Bürgermeister Felix Eisenbach, der Bauturbo. Foto: Isabel de Placido
Die Genossenschaft Quartier 4 sucht schon seit Jahren nach Wohnungen, um ihren Traum zu verwirklichen. Mittlerweile stehen gleich mehrere Grundstücke zur Auswahl, in Bodolz könnte es jetzt konkreter werden.
Am Rande des Ortskerns von Bodolz, einen Steinwurf vom Rathaus entfernt, steht Hildegard Reingrubers Elternhaus. Das Anwesen mit einem großen und zwei kleineren Gebäuden hat die Bodolzerin von ihren Eltern geerbt. Die Landwirtschaft ist längst aufgegeben, das große Haus steht aktuell leer. Dahinter liegt ein großer Garten mit freiem Blick über Wiesen und Obstbäume. Für die Bodolzerin ein schönes, aber auch ein problematisches Erbe mit vielen Fragezeichen.
Seit geraumer Zeit macht sie sich deshalb Gedanken, was sie mit ihrem Erbe anfangen könnte und ist über ein paar Umwege auf die Lindauer Genossenschaft Quartier 4 gestoßen. Schnell war sie begeistert von dem Gedanken des genossenschaftlichen Wohnens und bot den Genossinnen und Genossen ihr Elternhaus an.
Das Elternhaus von Hildegard Reingruber. Foto: Isabel de Placido
„Ich habe zwei Möglichkeiten: Entweder ich verkaufe an einen Bauträger oder an Quartier 4“, schildert Hildegard Reingruber den rund 20 Interessierten, die zu der Auftaktveranstaltung für das anvisierte gemeinschaftliche Wohnprojekt in Bodolz gekommen sind.
Eingeladen dazu hatte Quartier 4. Die Genossenschaft hatte eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigen soll, was auf dem Grundstück möglich ist. Zudem ging es darum, Interessierte für das Projekt zu gewinnen.
Bürgerentscheid hatte der Idee vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht
Neu ist die Genossenschaft und ihr Wunsch nach neuen Wohnformen nicht. Mittlerweile gibt es sie seit sechs Jahren. Entstanden ist die Genossenschaft aus dem in den 1980er Jahren gegründeten Lindauer Verein „Hintere Insel“, bei dem es den Mitgliedern, so erklärte Gründungsmitglied Christian Wollin, darum ging, die hintere Insel lebenswert für die Lindauer zu gestalten.
Nachdem Verwaltung und Stadtrat Pläne zur Bebauung des nördlichen Teils der Hinteren Insel angestoßen hatten, entwickelten Aktive des Vereins Alternativen zum gewinnorientierten Wohnungsbau. 2020 gründeten 20 Personen die Genossenschaft Quartier 4, mit dem Zweck, einer sozial verantwortlichen, wirtschaftlichen, nachhaltigen, sicheren, ökologischen und guten Wohnungsversorgung ihrer Mitglieder, zitiert Christian Wollin die Satzung.
Christian Wollin. Foto: Julia Baumann-Scheyer
Die Bodolzerin Hildegard Reingruber (links) und Kathrin Bäuerle von Quartier 4 stellen Interessierten das Wohnprojekt vor. Foto: Isabel de Placido
Als sich die Lindauer in einem Bürgerentscheid gegen die Bebauung der Hintern Insel ausgesprochen hatten, zerplatzte für die Genossen vorerst der Traum vom Wohnprojekt. Zwar liebäugelt Quartier 4 noch mit einer anderen, kleineren Fläche auf der Hinteren Insel, die vom Entscheid nicht betroffen war. Ob die Genossenschaft das Grundstück, das in Besitz der Stadt ist, bekommt, ist allerdings noch unklar.
Mittlerweile ist die Genossenschaft auf 132 Mitglieder angewachsen. „Wir warten aufs erste Projekt“, sagt Wollin. Derzeit hat sie noch ein Grundstück im Alpengarten am Aeschacher Ufer im Auge. Dazu gibt es bereits eine Machbarkeitsstudie und die Genossenschaft befinde sich derzeit, so Christian Wollin, mit der Stadt in Kaufverhandlung. Möglich wäre genossenschaftliches Wohnen vielleicht auch im Lindauer Zechwaldareal, das in den kommenden Jahren entstehen soll (mehr dazu könnt ihr hier nachlesen).
So könnte das neue Haus der Genossenschaft aussehen
Oder eben Hildegard Reingrubers Elternhaus. Die Machbarkeitsstudie dafür hat zumindest ergeben, dass es funktionieren würde. Dafür müsste das große Wohnhaus abgerissen und ein neues Gebäude gebaut werden. Wie Reinhold Locher vom Bregenzer Architekturbüro Gruber und Locher erklärt, könnten in einem länglichen Baukörper mit Satteldach, einem Gartengeschoss mit Tiefgarage sowie drei Geschossen acht bis neun Wohnungen entstehen.
Die dafür nötigen Parkplätze würden zum Teil in einer Tiefgarage, zum Teil neben dem Gebäude Platz finden. Weil das neue Gebäude aber größer ist als das alte und damit die Baugrenzen überschritten werden, müsste vom 20 Jahre alten Bebauungsplan befreit werden oder aber die Gemeinde lässt einen neuen aufstellen. Eine Chance bietet jedoch der sogenannte „Bauturbo“, der seit vergangenem Herbst das Bauen vereinfachen soll.
Gemeinderat muss einbezogen werden
Doch wie die Gemeinde diesen grundsätzlich gestaltet und ob er überhaupt auf dieses Bauvorhaben angewendet werden soll, darüber müsse, erklärt Bürgermeister Felix Eisenbach auf der Veranstaltung, erst noch der Gemeinderat befinden. Grundsätzlich stehe er dem Bauvorhaben jedoch positiv gegenüber.
Felix Eisenbach, Bürgermeister von Bodolz.
Genossenschaftliches Wohnen sei in Bodolz neu. Denkbar sei es, die Genossenschaft zu einem Bebauungskriterium zu machen. Bodolz könnte so zum Vorreiter werden. „Interessant ist es, Wohnraum zu schaffen und nicht nur auf die Rendite zu achten“, so Eisenbach.
Genossenschaftsmitglied Max Schuh hatte zuvor erklärt, dass die Genossenschaft, einfach gesagt, den Wohnungsbau finanziert und die Mitglieder, die in die Wohnungen einziehen, mittels einer Art Miete diese Kosten abbezahlen. Je länger, desto günstiger die „Miete“. Die jeweilige Wohnung wird dabei nicht zum Eigentum. „Der Besitz ist nur das Wohnrecht, nicht die Wohnung.“
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