Mit der beginnenden Entwicklung des frühen Industriekapitalismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts musste auch die berufliche Schulbildung auf neu aufgebaut werden. Die Berufsausbildung durch Zünfte und Gilden kam mit der Gründung des Königreiches Bayern durch Napoleons Gnaden 1806 zu ihrem Ende. Hinzu kam das Ende der Lindauer Reichsstadtzeit 1802 sowie dessen Eingliederung in das vergrößerte Bayern Ende des Jahres 1805.
1833 führte das Königreich ein neues und flächendeckendes berufsbildendes Schulsystem ein. In Lindau wurde im November 1869 eine gewerbliche Fortbildungsschule an die bereits existierende Gewerbe- und Handelsschule auf der Insel Lindau angegliedert. Untergebracht wurde die neue Schule in den damaligen Räumen der königlichen Knaben-Realschule an der Kalkhütte südlich des heutigen Stadttheaters.
Für die Mädchen Lindaus und der Umgebung durfte von einem Hilfslehrer an der städtischen Gewerbeschule ab 1862 Unterricht in gewerblicher und häuslicher Buchführung erteilt werden. Von der Pflicht zum Besuch der Sonntagsschule wurden ab 1894 jene Mädchen befreit, welche die „Fortbildungsschule für junge Mädchen“ im Lindauer Maria-Martha-Stift besuchten, damals in der Salzgasse 39.
203 Schüler im früheren Pferdestall samt Heu-Tenne
Der Erste Weltkrieg (1914-1918) machte alle auch beruflichen Schulreformpläne zunichte. Nach der Arbeiter- und Soldatenrevolution vom November 1918 und der daraus hervorgehenden parlamentarischen Weimarer Republik, wurde auch im Freistaat Bayern das Schulsystem sowie das berufliche Bildungssystem neu geordnet.
Am 3. Mai 1921 wurde die neue, finanziell und organisatorisch von der Stadt Lindau getragene „Berufsfortbildungsschule“ in den bisherigen Räumen eröffnet. Am 1. Mai 1926 konnte die Schule mit 203 Schülern in den früheren Pferdestall samt Heu-Tenne, Wagenremise und Personalwohnungen der Villa Toskana, heute die Stadtverwaltung in der Bregenzer Straße 12 umziehen.
Ab 1925 wurden auch weibliche gewerbliche und kaufmännische Lehrlinge und ab 1926 auch hauswirtschaftlich tätige Mädchen in die Schule aufgenommen. Ab 1929 führte diese die Bezeichnung Berufsschule.
Unterricht nach Ende des Zweiten Weltkrieges eingestellt
Ab März 1933 wurde auch der Lindauer Berufsschulunterricht immer stärker auf die NS-Ideologie ausgerichtet, „Rassenlehre“, sonstige Pseudowissenschaften sowie die geistige Ausrichtung der Schülerschaft auf einen kommenden Krieg hielten Einzug. Immer mehr Unterricht fiel kriegsbedingt ab 1940 aus. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde der Unterricht von der französischen Armee vorübergehend völlig eingestellt.
Erst ab Ostern 1946 konnte unter schwierigen Bedingungen zunächst in nur drei Räumen wieder Berufsschulunterricht erteilt werden. Die anwachsende Schülerzahl auf 1.100 Personen führte zum Bau eines neuen Berufsschulgebäudes in der Ecke Bregenzer Straße/Bleicheweg (heute Sparkassenzentrale und Landratsamt) in den Jahren 1952 bis 1963. Diese neue Berufsschule verfügte nun über eine Schülerkapazität von bis zu 2.500 Schülerinnen und Schülern.
Mittlere Reife für Berufstätig
1964/65 wurde eine Berufsaufbauschule angeschlossen, die die Mittlere Reife für bereits Berufstätige vermittelt. 1965/1966 wurde die Berufsschule Lindenberg der Berufsschule Lindau eingegliedert, die über 600 Schüler mehr aufnehmen musste.
Am 31. Dezember1972 endete die Sachträgerschaft der Stadt Lindau, die ihre Berufsschule nach 51 Jahren an den Landkreis Lindau (B) abtrat. Doch die bisherigen Gebäude wiesen inzwischen erhebliche bauliche Mängel auf und das mittlere Gebäude begann sich wegen des wenig stabilen Untergrundes zu senken.
1976 wurde neues Schulzentrum errichtet
Im November 1976 beschloss der Lindauer Kreistag, südlich des Bodensee-Gymnasiums in Lindau ein neues Berufsschulzentrum errichten zu lassen. Am 2. November 1978 begannen die Bauarbeiten. Am 15. September 1981 bezogen Schüler und die Lehrer die neuen Räume.