Bauprojekt auf der Steig wird kleiner – Nachbarn fürchten trotzdem zu massive Bebauung

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Lindau
Auf dem Gelände von ehemaliger Steigbrauerei und Kinderfest soll eine neue Siedlung entstehen.
Foto: Christian Flemming

Das Projekt wurde dem Bauausschuss schon mehrfach vorgestellt, in der Zwischenzeit hat die Steig Projekt GmbH umgeplant. Welche Vorteile die Verwaltung darin sieht, was sich die Firma dadurch spart – und was genau die Nachbarn kritisieren.

Für die ersten Entwürfe hatte es im Bauausschuss schon vor drei Jahren viel Lob gegeben. Die Steig Projekt GmbH will auf dem ehemaligen Gelände von Steigbrauerei und Kinderfest eine Siedlung mit Wohnen und Gewerbe entwickeln.

Dafür war ein Wettbewerb ausgelobt worden. Das historische Wohnhaus an der Brauerei soll erhalten bleiben, zusätzlich sollten sieben neue Häuser mit Wohn- und Gewerbeeinheiten, Freiflächen und ein Schankhaus mit Biergarten entstehen. 

Der Bauausschuss hatte bereits Ende 2022 grünes Licht für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans gegeben. Der ist nun allerdings gar nicht mehr nötig. 

Gebäude werden kleiner

Denn die Firma hat umgeplant: Anstelle von 80 sollen auf dem Areal nur noch 56 Wohn- und Gewerbeeinheiten gebaut werden. Dafür wurden fünf der geplanten Neubauten um etwa ein Drittel verkleinert, wie es in der Sitzungsvorlage für den Bauausschuss heißt, der über das Thema am kommenden Dienstag berät.

Aus Sicht des Bauamts ergeben sich daraus Vorteile: Der „städtebauliche Grundgedanke“ sei erhalten geblieben, allerdings ermögliche die Umplanung „mehr Freiraumqualität und Luftigkeit“ und die großen, ortsbildprägenden Bäume könnten stehen bleiben. 

Die Steig Projekt GmbH spart sich dadurch das Erstellen des Bebauungsplans, was Zeit und Geld kostet. Denn aus Sicht des Bauamts sei das Vorhaben jetzt so weit in den bereits bebauten „Innenbereich“ verschoben worden, dass keine Bauleitplanung mehr erforderlich sei. Wie genau das Bauamt das begründet und wie es den Innenbereich definiert, könnt ihr hier nachlesen. 

Das bedeutet auch, dass in dem Neubaugebiet nun keine geförderten Wohnungen mehr gebaut werden oder andere, dem Gemeinwohl dienende Projekte entstehen müssen. Denn im Innenbereich bestehe „grundsätzlich keine Pflicht“ zur sozialgerechten Bodennutzung (Sobon), wie es in der Sitzungsvorlage heißt.

Zudem seien die Fördermittel für einkommensorientiert geförderten Wohnungsbau in Bayern aktuell ohnehin ausgeschöpft. Wie genau die Sobon in Lindau aktuell geregelt ist, könnt ihr hier nachlesen. 

Warum das Bauamt das Projekt positiv sieht

Sowohl der Gestaltungsbeirat als auch der Bauausschuss haben die überarbeiteten Entwürfe bereits vor einem knappen Jahr gesehen und positiv bewertet, heißt es in der Sitzungsvorlage weiter. Auf Empfehlung des Gestaltungsbeirats sei die Planung in den vergangenen Monaten weiterentwickelt und jetzt abgeschlossen worden. Im September habe die Steig Projekt GmbH ihren Bauantrag eingereicht.

„Mit der Entwicklung des ehemaligen Brauereiareals wird eine brachliegende, innerörtliche Fläche für Wohnen und Mischnutzungen aktiviert“, schreibt das Bauamt.

Wettbewerb, frühzeitiges Einbinden von Bauausschuss und Gestaltungsbeirat sowie eine „transparente Umplanung“ sicherten eine „hohe städtebauliche Qualität“. Das Vorhaben füge sich „in die Eigenart der näheren Umgebung“ ein.

Und was Nachbarn kritisieren

Genau das allerdings sehen Nachbarn anders. Sie wollen das Bauvorhaben nicht verhindern, sagen Gabi und Markus Mayer. Doch die Steig Projekt GmbH solle sich „an das halten, woran wir uns auch halten mussten“.

In einem langen Brief hat sich das Ehepaar, das seit knapp 20 Jahren in der Röntgenstraße neben dem geplanten Neubauprojekt wohnt, an die Stadträtinnen und Stadträte gewandt.

Darin kritisieren die Mayers unter anderem, dass das Gebäude, das direkt neben ihrem eigenen Haus geplant ist, deutlich höher ist als die Bebauung dort. Es orientiere sich an der Größe der Brauerei. Doch das sei die falsche Referenz. Denn das Gebäude stehe „in der Reihe der Röntgenstraße, die sich durch Einfamilienhäuser mit einem Viertel des Bauvolumens und mit zwei Stockwerken weniger auszeichnet“, schreiben sie.

Das geplante Bauwerk mit „seiner zu großen und zu hohen Kubatur entfaltet eine erdrückende Wirkung“, so die Mayers. Durch die geplanten Neubauten werde nicht nur das Erscheinungsbild des Wohngebiets Röntgenstraße gestört.

Die Anwohner glauben auch, dass durch den Schatten, den das Haus wirft, die Leistung ihrer Photovoltaikanlage zurückgeht. Zudem fürchten sie eine „massive Bodenversiegelung“ und haben Sorge, dass die Entwässerung nicht funktioniert.

Was das Bauamt zu den Einwänden sagt

Das Bauamt ist in seiner Sitzungsvorlage bereits auf die Einwände der Nachbarn eingegangen. Beim Thema Verschattung seien vor allem die Vorschriften zu den Abstandsflächen relevant, und die seien alle eingehalten, heißt es dort. Zwar seien die Firsthöhen „etwas höher“ als in der Röntgenstraße, von Massivität könne aber keine Rede sein.

Zudem entstehe zwischen den Neubauten und der Bestandsbebauung eine Art „kleiner grüner Puffer“, der für Luft, Licht und Abstand sorge. Die Oberflächenversiegelung werde von rund 5.600 Quadratmetern auf rund 3.800 Quadratmeter reduziert. „Es werden etwa 1.500 Quadratmeter neue Grünflächen geschaffen“, so das Bauamt.

Dass auf dem Gelände der Steigbrauerei nun Mehrfamilienhäuser und nicht Einfamilienhäuser wie in der Röntgenstraße gebaut würden, „entspricht dem Grundsatz der Innenentwicklung, mit begrenztem Boden möglichst viel Wohnraum zu schaffen“. Fachgutachten und geologische Untersuchungen belegten zudem, dass kein Regenwasser in Richtung Nachbargrundstücke fließen könne. 

Die Verwaltung empfiehlt dem Bauausschuss, dem Bauantrag der Steig Projekt GmbH am Dienstag zuzustimmen.

Die Mayers haben sich bereits rechtlichen Beistand gesucht, wie sie schreiben. „Und werden bei dem für uns zu erwartenden Schaden alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ausschöpfen.“

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