Eine verpasste Verabredung brachte eine Schülerin auf eine ungewöhnliche Idee. Ihr Vater machte daraus eine App. Inzwischen sagt die „Schrankenprognose“ voraus, wann sich Bahnübergänge schließen und wieder öffnen – auch am Lotzbeckweg in Lindau.
Sie hatte einen wichtigen Termin mit ihrer neuen Fußballmannschaft. Doch dann kam Emilia Fetzberger an der Bahnschranke nicht weiter. Sie schaffte es zwar noch rechtzeitig zu ihrer Mannschaft – aber noch einmal wollte sie sich auf ihr Glück nicht verlassen.
„Von da an fing sie an, die Fahrpläne zu studieren, und konnte irgendwann mit einer gewissen Trefferquote die Schranke vorhersagen“, sagt ihr Vater Marius Fetzberger, der mit seiner Tochter in Südhessen lebt und sich an Kolumna gewandt hat.
Nach und nach habe Emilia gelernt, anhand der Zugverbindungen mit einer gewissen Trefferquote vorherzusagen, wann sich die Schranke schließen würde.
Ihr Vater baute ihr eine App, die ihr die Rechnerei abnehmen sollte. Statt zwischen verschiedenen Fahrplänen hin und her zu wechseln, sollte sie auf einen Blick sehen können, wann sich die Schranke voraussichtlich schließt und wieder öffnet. So entstand die „Schrankenprognose“.
Fetzberger teilte die Internetseite anschließend in einer WhatsApp-Gruppe der Nachbarschaft.
Dann ging die Idee viral.
Seit dem Start im Februar hätten insgesamt rund 40.000 Menschen die Seiten des Projekts besucht und mehr als 70.000 Rückmeldungen – sogenannte Votes – abgegeben. Täglich würden inzwischen etwa 200 bis 400 Menschen die Schrankenprognose nutzen.
„Wir sind nach wie vor total überwältigt.“ Besonders in Dreieich-Buchschlag, der Heimat der beiden in Südhessen, sei die Resonanz groß gewesen. „Von Schokolade im Briefkasten bis zu Menschen, die die Schranke seit 1960 kennen, war wirklich alles dabei.“
Schon mehr als 46 Bahnübergänge in ganz Deutschland seien in der Anwendung erfasst.
Auch der Bahnübergang am Lotzbeckweg in Lindau gehört inzwischen dazu. Ein Anwohner aus Lindau habe sich an die Familie gewandt und vorgeschlagen, ihn aufzunehmen. Er habe nach dessen Angaben auch vorgeschlagen, Flyer zu verteilen und so weitere Menschen zum Mitmachen zu bewegen.
Wie funktioniert die App?
Auf Schrankenprognose.de können Nutzerinnen und Nutzer sehen, wann sich die Schranke voraussichtlich schließt und wieder öffnet. Gleichzeitig können sie selbst angeben, ob die Schranke gerade offen oder geschlossen ist.
Die Rückmeldungen sind für das Projekt entscheidend, sagt Fetzberger. Denn die App arbeitet nicht mit Echtzeitdaten der Deutschen Bahn. Mit dem Unternehmen gebe es keine Zusammenarbeit. Die Schrankenprognose sei ein privates Hobbyprojekt und greife auf öffentlich verfügbare Fahrplandaten zurück.
Aus diesen Daten und den Rückmeldungen der Nutzer versucht das System, die tatsächlichen Abläufe an einem Bahnübergang immer besser abzubilden. Je mehr Menschen vor Ort melden, was sie beobachten, desto besser könne das Modell die örtlichen Besonderheiten berücksichtigen, erklärt Fetzberger.
Nicht jeder Bahnübergang ist gleich
Das ist allerdings nicht ganz einfach. Ein Zug fährt schließlich nicht immer exakt nach Fahrplan. Dazu kommen Güterzüge, Verspätungen und andere Faktoren.
Als besonders kompliziert beschreibt Fetzberger den Übergang in der Heimat von Vater und Tochter. Er ist in Buchschlag, ein Stadtteil von Dreieich im südhessischen Landkreis Offenbach. Dort gebe es im Schnitt rund 300 Zugbewegungen pro Tag, darunter viel Güterverkehr, der in den verwendeten Fahrplandaten nicht vollständig sichtbar sei.
Deshalb könne die App auch keine hundertprozentig zuverlässige Vorhersage liefern, räumt der Entwickler ein. Neben den nicht vollständig verfügbaren Daten spiele auch eine gewisse zeitliche Verzögerung eine Rolle.
Bei weniger komplexen Bahnübergängen erreiche das System dagegen eine sehr hohe Trefferquote, sagt Fetzberger. Wie gut die Prognose am Lotzbeckweg bereits funktioniert, könne er noch nicht beurteilen. Dort gebe es bislang schlicht zu wenige Rückmeldungen von Menschen, die regelmäßig an der Schranke stehen.
Wer den Bahnübergang am Lotzbeckweg passiert, kann auf der Internetseite angeben, ob die Schranke gerade geöffnet oder geschlossen ist. Diese Beobachtungen fließen in die Weiterentwicklung der Prognose ein.
Die App lasse die Bahnschranken zwar nicht verschwinden. „Man versteht, was am Bahnübergang überhaupt passiert, und fühlt sich nicht mehr so hilflos.“
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Interessant, werde ich gleich nal ausprobieren. Wenn das Tool gut gemacht ist und genug Crowdinformationen dke äußerst theoretische Fahrpläne ergänzen, kamm das eine echte Hilfe sein, die Willkür am Lotzbeckpark besser einzuschätzen.
Denn ein Ende der vielen Baustellen ist ja nicht in Sicht, so am Ende wie die Infrastruktur ist.
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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Solange noch überall gebaut wird, werden die Daten verfälscht. Erst wenn alles wieder plan läuft, könnten die Daten passen.
Danke! Eine tolle Idee. Ich werde das gleich ausprobieren und natürlich auch mit den realen Erfahrungen füttern
Interessant, werde ich gleich nal ausprobieren. Wenn das Tool gut gemacht ist und genug Crowdinformationen dke äußerst theoretische Fahrpläne ergänzen, kamm das eine echte Hilfe sein, die Willkür am Lotzbeckpark besser einzuschätzen.
Denn ein Ende der vielen Baustellen ist ja nicht in Sicht, so am Ende wie die Infrastruktur ist.