Wie ein Dorf ein verlorenes Heiliges Grab wieder zum Leben erweckt

Herbert Gottschalk (links) und Wolfgang Sutter gehörten zu der Gruppe, die sich seit zwei Jahren um das Heilige Grab gekümmert haben. Gemeinsam bieten sie am 31. März und am 7. April Führungen an. Fotos: Olaf Winkler

Jahrzehntelang verschwunden, dann auf einem Dachboden gefunden: In Niederstaufen wurde ein historisches Heiliges Grab aufwendig rekonstruiert.

Als das verloren geglaubte Heilige Grab von Niederstaufen 2024 wieder aufgetaucht ist, gab es ein Problem. Es glich einem ungelösten Puzzle. Niemand wusste mehr, wie sich die Einzelteile zusammenfügen lassen. Ortsheimatpfleger Wolfgang Sutter und einige ältere Dorfbewohner wollten das Rätsel lösen – und haben es geschafft.

Wolfgang Sutter kann sich noch daran erinnern, wie das Heilige Grab früher in der Pfarrkirche zu sehen war. In seiner Anfangszeit war die Konstruktion mit Öllampen und Kerzen beleuchtet, wohl nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte die Umrüstung auf elektrische Lampen, hat der Ortsheimatpfleger herausgefunden.

Im vorigen Jahrhundert gab es unzählige „Heilige Gräber“. Und so hat auch die Pfarrgemeinde in Niederstaufen eine solche Nachbildung angeschafft. Geliefert hat sie die Firma Kraft aus Freising im Jahr 1880. Die Anlieferung erfolgte über den Bahnhof Schlachters.

Immer zu Ostern wurde es aufgebaut. Wohl nach dem Einbau eines neuen Bodens in der Kirche 1964 erfolgte kein Aufbau des Heiligen Grabes mehr.

Die Bestandteile lagerten zunächst im alten Messnerhaus, das jedoch vor rund 30 Jahren abgerissen wurde. Seither galt das Heilige Grab als verschollen. Doch 2024 tauchte es wieder auf – auf dem Dachboden des Pfarrhofes.

Als die Einzelteile des Grabs 2024 wieder aufgetaucht sind, wusste keiner, wie sie zusammenpassen.

7000 Euro und Dorfbewohner halfen beim Wiederaufbau

Dann kamen neue Rätsel auf: „Niemand wusste, wie man die 30 Bestandteile richtig zusammensetzt“, erinnert sich Herbert Gottschalk, der mit zu jener siebenköpfigen Gruppe gehörte, die sich im Ort mit dem Heiligen Grab beschäftigten.

Sparkasse, Volksbank und die Regionalentwicklung Westallgäu-Bodensee spendeten insgesamt über 7000 Euro, um die Restaurierung zu finanzieren.

Kirchenmalerin Melanie Maurer reinigte und stabilisierte die Leinwände, Norbert Höß restaurierte die Holzkonstruktion. Die Verwendung der alten Lampenfassungen war möglich. Die alten Stromkabel galt es zu ersetzen. Und schließlich musste der wurmbefallene Sockel von Schädlingen befreit werden.

Wer hat das Rätsel gelöst?

Was blieb, war die Frage, wie die Teile zusammenzusetzen sind, damit die Mechanik funktioniert. Denn zunächst ist Jesus im Grab zu sehen, dann – nach der Auferstehung in der Osternacht – steigt er an die Spitze der insgesamt sieben Meter hohen Konstruktion empor. Letztlich geholfen hat die Diözese Augsburg.

Dort fand eine Mitarbeiterin heraus, in welchen Pfarrkirchen sich ebenfalls Heilige Gräber der Firma aus Freising befinden. Und in Biberach bei Roggenburg (Landkreis Neu-Ulm) fand die Gruppe aus Niederstaufen dann ein nahezu baugleiches Modell vor. Hier gab es auch das Wissen um das Zusammensetzen, das inzwischen probeweise auf dem Dachboden des Pfarrhofes erfolgte. Einzig der die Konstruktion krönende Jesus ließ sich hier nicht einsetzen, da die Höhe nicht ausreichte.

Am Montag, 30. März, erfolgt nun der Aufbau in der Pfarrkirche. Und in zwei Führungen zeigen Wolfgang Sutter und Herbert Gottschalk Interessierten das Heilige Grab und die Technik dahinter.

Sie finden am 31. März und am 7. April jeweils um 17 Uhr in der Pfarrkirche statt. Zudem ist das Heilige Grab während des Gottesdienstes an Karfreitag um 15 Uhr und in der Osternacht am 4. April ab 21 Uhr zu sehen.

Auch in den kommenden Jahren soll das Heilige Grab wieder regelmäßig an Ostern in der Pfarrkirche zu sehen sein.

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