Anwohner wehren sich gegen Standort von Feuerwehr-Neubau

Auf dieser Wiese soll das neue Feuerwehrhaus gebaut werden (links). Noch befindet sich das Gebäude der Feuerwehr neben dem Rathaus.
Fotos: Ronja Straub/FFW Weißensberg

Die Weißensberger Feuerwehr braucht dringend ein neues Gebäude. Im März hat der Gemeinderat sich für einen Standort in Rothkreuz, gegenüber des Obsthofs Strodel, entschieden – direkt nebenan ist allerdings eine neue Wohnanlage. Wohnungseigentümer äußern Kritik.

Der Familienvater war auf der Suche nach einer naturnahen und familienfreundlichen Gemeinde für seine Frau, seine zweijährige Tochter und sich, erzählt er. Deshalb habe er sich vor etwa zwei Jahren für Weißensberg entschieden – und eine der neuen Wohnungen am südlichen Ortseingang von Rothkreuz gekauft.

Dort stellte die Lindauer Firma Bpm 2024 ein großes Wohnbauprojekt mit insgesamt 62 Wohnungen, verteilt auf acht Gebäude, fertig. Das Schöne für den Mann: Die Siedlung ist familienorientiert und ruhig. Umso ärgerlicher sei es, dass gerade dort das Feuerwehrhaus gebaut werden soll, sagt er. Seinen Namen will er hier aus beruflichen Gründen nicht lesen.

Von dem geplanten Feuerwehrhaus erfahren habe er erst bei einer Eigentümerversammlung im Juli. Begeistert von dem Projekt sei dort niemand gewesen.

Mehrere Häuser.
Seit vergangenem Jahr sind die Neubauten in Rothkreuz fertig.
Foto: Ronja Straub

Die Kritik: Lärmbelästigung, viel Verkehr, Wertminderung

Seine Argumente hat der Anwohner auch schon in einem Schreiben an Bürgermeister Hans Kern formuliert – außerdem hat er bereits Kontakt zu einem Anwalt aufgenommen.

Die größten Bedenken habe er wegen des Lärms, sagt der Mann und versichert, dass viele seiner Nachbarn das ähnlich sehen. Er befürchtet auch, dass regelmäßige Übungen, Einsätze in der Nacht und Veranstaltungen wie Feuerwehrfeste zur Belästigung werden.

Zudem liege die Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage gegenüber dem geplanten Feuerwehrstandort. Seiner Meinung nach könnte es zu viel Verkehr und unübersichtlichen Situationen kommen. Zudem haben Eigentümerinnen und Eigentümer Sorge, dass der Wert ihrer Immobilie dann sinkt.

Auch Fabian Göhl und seine Schwester sind Eigentümer – gehören aber nicht zu der Eigentümergemeinschaft. Ihre Firma besitzt vier Häuser, bestehend aus 23 Wohn- und einer Gewerbeeinheit.

Göhl, der für die Freie Wählerschaft im Weißensberger Gemeinderat ist, hat trotzdem für den Standort des Feuerwehrhauses gestimmt. „Als Gemeinderat muss ich manche Entscheidungen auch frei von meinen persönlichen Präferenzen treffen“, sagt er. Der Weißensberger, der selbst oberhalb in der Wohnanlage lebt, ist auch bei der freiwilligen Feuerwehr.

Was sagt der Kommandant dazu?

Kommandant Tobias Zenker kann die Bedenken der Anwohner zwar verstehen – glaubt aber auch, dass viele anders denken würden, wenn sie selbst bei der Feuerwehr wären. „Wir sind da nicht Tag und Nacht“, sagt er.

Den Standort hält er für „sehr geeignet“. Zum einen, weil er für einen Großteil der Feuerwehrmänner und -frauen gut erreichbar sei, da viele in der Nähe wohnten.

Außerdem geht er davon aus, dass die Wohnhäuser in Rothkreuz mit dem neuen Standort sogar weniger beschallt werden. Jetzt schalle das Martinshorn häufig direkt in Richtung Rothkreuz. Mit dem neuen Standort „würden wir uns ja eher von dort wegbewegen“.

Zudem hätte die Wehr längst nicht jeden Tag einen Einsatz. 40 bis höchstens 60 seien es laut Zenker im Jahr. „Und nicht jeder Einsatz ist mit Horn.“

Tobias Zenker, Kommandant der Weißensberger Feuerwehr, und seine Wehr brauchen dringend mehr Platz.
Foto: Ronja Straub
Im aktuellen Gebäude der Feuerwehr wird es zu eng.
Foto: FFW Weißensberg

Bei Bürgermeister Hans Kern sind die Beschwerden angekommen. Anfang September wolle er sich mit einem Anwohner treffen, schreibt er. Auf die Frage, wieso die Eigentümer der Wohnungen in Rothkreuz nicht früher informiert wurden, antwortet er nicht.

Schon Ende März hatte der Gemeinderat sich nach Prüfung des Landratsamts für den Standort in Rothkreuzt entschieden. 

Dass die Feuerwehr ein neues Gebäude benötigt, ist unumstritten.

Der Platz, den wir hier zur Verfügung haben, reicht bei weitem nicht mehr aus

, sagt Kommandant Tobias Zenker, während er in dem Feuerwehrhaus neben dem Weißensberger Rathaus steht.

Viele Jacken in einem Feuerwehrhaus
Nicht nur bei der Einsatzkleidung...
Ein Feuerwehrauto
...auch für die Fahrzeuge wird es eng.

Die Fahrzeughallen sind zu klein, sie entsprechen nicht mehr der Norm. „Die Tore müssten breiter sein“, sagt der Kommandant. Die Spinde reichen nicht mehr aus, es gibt nur provisorische Duschen, keine eigens ausgewiesenen Frauentoiletten und auch keine getrennten Umkleidekabinen.

Auch die Lagerung ist ein Problem. Für Schläuche, Ölbindemittel und Schilder ist nicht genügend Fläche. „Man muss Dinge auf die Seite räumen, um an andere heranzukommen“, sagt Zenker. „Wenn man beengt ist, herrscht Chaos.“

Und auch vor dem Haus fehlt Platz. Es gibt nicht genug Parkplätze, beim Rangieren sei es auch schon zu kleineren Unfällen gekommen, so der Kommandant. Außerdem brauche die Wehr dringend eine neue Werkstatt.

Für das neue Feuerwehrhaus wünscht sich der Kommandant unter anderem gemütliche Räume, in denen die Kameradinnen und Kameraden zusammensitzen können.

Wie geht es jetzt weiter?

Bürgermeister Hans Kern verweist auf das Planverfahren. Wie bei Bauprojekten üblich, könnten Bürgerinnen und Bürger noch ihre Einwände anbringen. „Im Rahmen des Bauleitplanverfahrens können die Anwohner ihre Bedenken äußern und Stellung nehmen“, schreibt Kern. Die Kritikpunkte der Anwohner würden dann von Fachbehörden geprüft.

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