Jürgen Spieler (links) und Alexander Linke, beide im Vorstand des Kleinbrennerverbandes im Kreis Lindau, stossen auf das 75. Bestehen des Verbandes an.
Mit speziellen Edelbränden behaupten sich die rund 300 Mitglieder des Kleinbrennerverbands im Kreis Lindau auf dem Markt der hochprozentigen Produkte. Sie setzen auf die Qualität ihrer Destillate. Jetzt feiern sie ihr 75. Bestehen.
„Wer Hochprozentiges produziert, muss auch hochprozentige Qualität liefern“, stellt Jürgen Spieler fest. Er und Alexander Linke vom Vorstand des Kleinbrennerverbands im Kreis Lindau sind überzeugt, dass sich ein guter Schnaps nur gut verkaufen lässt, wenn er auch ein gutes Aroma bietet und mit Obst von Streuobstwiesen und Obstanlagen aus der Region produziert wird. „Wir stehen mit unseren Produkten für Edelbrände und feine Destillate“, erklärt Alexander Linke die bewusste Bezeichnung, die dem Verbraucher hohe Qualität signalisieren soll.
Dieses Versprechen möchten die beiden Experten für Hochprozentiges gerne beweisen: Sie laden am späten Vormittag zu einer kleinen Kostprobe bei „Spieler Edelbrände“ in Oberried bei Heimenkirch ein.
Eine modern eingerichtete Probierstube, im Hintergrund steht die kupferne Brennereianlage. Wir sitzen sozusagen an der Schnapsquelle, obwohl heute nicht produziert wird. Kleine, bauchige Gläser, gefüllt mit einem „Willi“, einem Williamsbirnen-Destillat, stehen auf dem Tisch.
Feines Birnenaroma steigt in die Nase, ein kleiner Schluck sorgt schon für großen Genuss. Der Edelbrand fühlt sich am Gaumen angenehm rund an, entwickelt im Mund sein starkes Aroma. Ein feines Destillat solle nicht unbedingt scharf, sondern müsse mild und aromatisch im Abgang sein, erklären die beiden Männer.
Obstbauer brennen für Bayern
„Wer für Bayern brennt“, so heißt es in der Werbebroschüre des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, der muss schon ganz tief in die Welt der Brennereien einsteigen, viel fachliches Wissen mitbringen und auch verstehen, warum Schnapsbrennen nicht ganz einfach ist. Der Zoll schaut genau und kontrolliert, was durch die Brennkessel läuft. 300 Liter darf jeder Kleinbrenner oder jede Kleinbrennerin pro Jahr produzieren.
Die Zahl der Kleinbrennereien hat sich halbiert
Die Lindauer Kleinbrenner können auf eine lange Tradition zurückblicken. Vor 75 Jahren gründete sich der Verband. Der Krieg war vorbei, die Wirtschaft war im Aufschwung, die Menschen konnten sich wieder den schönen Genüssen des Lebens widmen.
Heute feiert der Kleinbrennerverband des Kreises Lindau sein Jubiläum – und zwar am kommenden Freitag auf dem Obsthof Strodel in Weißensberg, wo auch feine Destillate entstehen.
Sie wollen im Kreise der Mitglieder und Experten das Glas erheben und bei dieser Gelegenheit auch auf den Start im Jahr 1950 zurückblicken: 139 Mitglieder waren bei der Gründung dabei. Bis vor 20 Jahren stieg die Zahl der Mitglieder im gesamten Kreis Lindau auf 600, inzwischen „brennt nur noch die Hälfte für Bayern. Viele Kolleginnen und Kollegen haben ihre Brennrechte zurückgegeben“, erzählt der Vorsitzende Jürgen Spieler. Viele Betriebe haben die Produktion aufgegeben oder andere Schwerpunkte in der Obstwirtschaft gesetzt.
Rund 300 Kleinbrenner stehen noch auf der Mitgliedsliste des Lindauer Verbands, dessen Einzugsbereich vom Bayerischen Bodensee bis ins Westallgäu reicht. Betriebe in Lindau, in Nonnenhorn und Wasserburg sind ebenfalls Mitglied. In Deutschland gebe es noch insgesamt 24.000 angemeldete Betriebe, berichtet Spieler. Nur 40 Prozent davon, so der Vorsitzende, produzieren tatsächlich noch Schnäpse und Spirituosen. Viele Großbetriebe haben mittlerweile die Produktion von Hochprozentigem übernommen.
Verbraucher trinken weniger Alkohol
Das Geschäft mit Edelbränden ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück, so ist aus dem Verband zu hören. Vom Konsumverzicht alkoholischer Getränke sind demnach nicht nur Bier- und Weinhersteller betroffen, auch die Brennereibetriebe verzeichnen weniger Umsatz.
Die Kleinbrenner wollen anlässlich ihres Jubiläums auf ihre edlen Produkte aufmerksam machen. Auch darauf, dass ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Landschaft und der ökologisch wertvollen Streuobstwiesen im Lindauer Umland leistet.
Alexander Linke hat sich, wie einige seiner Kollegen im Verband, auf alte Apfel- und Birnensorten spezialisiert. Beispielsweise destilliert er die seltene Schweizer Wasserbirne. Er produziert die Edelbrände mit Obst, das er auf seinen Streuobstwiesen in Hergatz erntet. Für ihn ist das ein schöner Nebenerwerb und ein spannendes Hobby – verbunden auch mit dem guten Gewissen, dass er mit seiner Arbeit einen Teil zum Erhalt der Kulturlandschaft im Allgäu beiträgt.
Ausgefallene Edelbrände im Angebot
Alexander Linke ist zudem einer von zwölf ausgezeichneten Brennern, die zu den Preisträgern bei der Bayern-Brand-Prämierung gehören, die das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft alle zwei Jahre veranstaltet.
Schaut man sich die Liste genauer an, wird deutlich, mit welcher Vielfalt die Kleinbrenner des Lindauer Verbands auf dem Markt sind: Edelbrände aus Apfel- und Birne sind meistens dabei, aber auch ausgefallene Sorten wie Heu- und Vogelbeergeist. Interessant ist auch, dass die Lindauer Brennerinnen und Brenner ganz gut beim Gin- und Whisky-Boom mithalten und auch in dieser Kategorie als Preisträger ordentlich abgeräumt haben.
Mittlerweile gibt es auch Edelbrand-Sommeliere. Sie empfehlen, was zu Käse, Kaffee oder Schokolade an Hochprozentigem passen könnte. „Edelbrände sind ganz einfach Genuss“, sagt Jürgen Spieler und macht deutlich, dass ein sortenreines Destillat nicht nur, wie bisher üblich, den Abschluss eines feinen Essens bedeutet. „Bei einem Sechs-Gänge-Menü kann durchaus zu jedem Gang der passende Edelbrand serviert werden.“
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