Abenteurer gesucht: Dieses Boot verleiht Flügel

Top-Thema
Lindau
Nach zwejähriger Pause Kommt Jörg Leonhardt mit der "Hoppetosse" wieder nach Lindau.
Foto: Christian Fleming

Die Aktion Hoppetosse kommt wieder nach Lindau. Am 3. Juli können Menschen mit Behinderung auf dem Boot des Vereins „Wings for Handicapped“ in See stechen und ein Abenteuer erleben. Was die Aktion ausmacht und wer dahintersteckt.

Spritzende Gischt, strahlende Gesichter und leuchtende Augen – dafür sorgt der Verein „Wings for Handicapped“, der dieses Jahr mit dem Schlauchboot „Hoppetosse“ nach zwei Jahren Pause endlich wieder nach Lindau kommt.

Eine halbe Stunde Freiheit, Abenteuer und Nervenkitzel soll Menschen mit Behinderung auf der „Hoppetosse“ geboten werden. Und damit eine Gelegenheit, die eigene Komfortzone zu verlassen und echte Unbeschwertheit zu erfahren. „Unsere Motivation ist es, die Leute glücklich zu machen“, erklärt Hubert Pröller, Hafenmeister und Geschäftsführer des Wassersportvereins Kleiner See. Er wird das Boot in diesem Jahr wahrscheinlich steuern.

Hubert Pröller wird die „Hoppetosse“ dieses Jahr vermutlich steuern.

„Wings for Handicapped“ macht’s möglich

Eine Woche lang wird die „Hoppetosse“ auf dem Bodensee ihre Runden drehen. Gestartet wird dabei nicht nur aus Lindau, sondern auch aus Konstanz, Friedrichshafen und Bodman-Ludwigshafen. Einige der Touren sind dabei schon beinahe ausgebucht.

Jeweils zehn Personen finden pro Fahrt auf dem Boot Platz. Damit könnten an einem Tag bis zu hundert Menschen von Lindau aus mit Hubert Pröller in See stechen. Bisher angemeldet sind ungefähr 40. Hubert Pröller hofft, dass bis Juli noch ein paar Anmeldungen hereinflattern.

Organisiert wird die Aktion von dem Verein „Wings for Handicapped“ in Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizei Konstanz, dem Wassersportverein Kleiner See Lindau und der Bootsvermietung Lindau.

„Wings for Handicapped“, was auf Deutsch „Flügel für Behinderte“ heißt, ist ein gemeinnütziger Verein. Gegründet wurde dieser von Jörg Leonhardt. Der Gießener tourt mit seinem Boot bereits seit 2004 durch Gewässer in ganz Deutschland und lässt Menschen mit Behinderung über das Wasser fliegen.

Die Idee seines Vereins: Auch mit einer Behinderung ist es möglich, aktiv zu sein und seine Träume zu verwirklichen. Unter dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“ organisiert Leonhardt Rundflüge und Bootstouren für Kinder und Erwachsene mit Behinderung.

Leonhardt ist seit seinem 18. Lebensjahr querschnittsgelähmt. Trotzdem taucht er, macht Fallschirmsprünge, fliegt Leichtflugzeuge und spielt Rollstuhlbasketball.

Seit mehr als zehn Jahren kommt er mit der „Hoppetosse“ bereits nach Lindau. Ursprünglich hat er die Aktion gemeinsam mit Bootsvermieter Daniel Sandau durchgeführt. Doch vor zwei Jahren verstarb dieser überraschend und so musste die Aktion Hoppetosse 2025 ausfallen.

Nun hat Hubert Pröller die Organisation übernommen und auch Familie Abt, die neuen Besitzer der Bootsvermietung sind mit dabei.

Eine halbe Stunde Abenteuer

„Wir fahren so, dass es Spaß macht“, erklärt Hafenmeister Hubert Pröller.

Gestartet wird bei der Bootsvermietung Abt an der Seebrücke, wo die „Hoppetosse“ wartet. Das Schlauchboot ist übrigens nach Ephraim Langstrumpfs Schiff aus der Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf.

Spezielle Sitze sorgen an Bord für die Sicherheit aller Passagiere, ein Team des Wassersportvereins Kleiner See steht bereit, um allen auf das Boot zu helfen. Für den Rest der Gruppe sind während der Wartezeit Snacks und Getränke bereitgestellt.

Nach dem Anlegen der Schwimmwesten geht es dann hinaus auf den See. Eine Runde mit dem Boot dauert etwa eine halbe Stunde.

„Wir fahren in dem Tempo, das die Leute vertragen“, sagt Pröller. Eine wilde Abenteuerfahrt ist ebenso möglich wie eine entspanntere Aussichtstour über den See.

Einmal aus dem Alltag ausbrechen

„Wir machen das, um die Leute mal aus ihrem gewohnten Alltag herauszuholen“, erklärt Pröller.

Mit ordentlich Tempo über die Wellen zu brausen, den Wind im Haar und die Sonne auf dem Gesicht zu spüren, das ist für die Teilnehmer der Aktion ein Erlebnis, was aus einer gewöhnlichen Woche eine ganz besondere macht.

„Auch wenn die Leute nicht sprechen können, man sieht es an ihren Augen“, erzählt der Hafenmeister. Für dieses einfache Glück, diese Begeisterung, dafür gibt es die „Hoppetosse“.

Interessierte Einrichtungen oder Privatpersonen können sich bei Hubert Pröller (hubert@proeller.net) für die Aktion anmelden.

Gesucht werden außerdem noch Helfer und Helferinnen, die Menschen mit Gehbehinderung beim Einstieg ins Boot unterstützen.

Teile diesen Artikel mit deinen Freund*innen

Dir brennt ein Thema auf der Seele? Wir kümmern uns!

Bei Kolumna wollen wir uns um die Themen kümmern, die dir wichtig sind. Schicke uns deine Anregungen oder Recherche-Hinweise über unseren Briefkasten, den wir extra dafür eingerichtet haben.

Das könnte dich auch interessieren