100 Jahre und voll auf Kurs: Dieses Segelboot ist der Star auf dem Bodensee

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Lindau
Die Bayern II ist eine der ältesten Boote der Lindauer Segler. Sie war bei der ersten Rund Um 1951 dabei.
Archiv: Roland Tröster

Zehn historische Segelboote gehen zum 75. Geburtstag der „Rund Um“ vor Lindau an den Start. Dahinter steckt monatelange Recherche – und viel Leidenschaft für die Segelgeschichte.

Manche von ihnen sind längst dem See zum Opfer gefallen, andere rotten auf Dachböden oder in alten Hallen vor sich hin. Doch zehn Boote, die vor 75 Jahren bei der ersten „Rund Um“ an den Start gegangen sind, konnte Roland Tröster vom Lindauer Seglerclub für die historische Regatta am kommenden Donnerstag ausfindig machen.

Wochenlang hat er dafür recherchiert, seine Kontakte in der Seglerszene spielen lassen, Broschüren gewälzt und unzählige E-Mails geschrieben.

Viele der Boote sind mehr als 100 Jahre alt. „Sie kommen aus Bregenz, Konstanz oder anderswo her“, erzählt der Lindenberger. Um ein Segelboot so lange zu erhalten, brauche es entweder einen gut gefüllten Geldbeutel oder handwerkliches Geschick. Die Segel müssen gepflegt, das Holz regelmäßig lackiert und das Boot fachgerecht gelagert werden. „Wichtig ist auch der Segel-Enthusiasmus.“

Für den Star der historischen Regatta am Donnerstag musste Roland Tröster nicht lange suchen: Die Bayern II liegt im Lindauer Hafen. „Es ist eines der schönsten Boote“, findet der Lindenberger. Das Clubschiff des LSC wurde 1911 gebaut und ist damit mehr als 100 Jahre alt. Es war einst auf Ost- und Nordsee unterwegs und befindet sich seit 1937 im Besitz der Lindauer Segler.

Roland Tröster beim Segeln auf dem Bodensee. Foto privat

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Franzosen die Bayern II und brachten sie nach Langenargen. 1949 kaufte der LSC das Boot zurück. Seither gilt es als Flaggschiff des Vereins.

Die allererste „Rund Um“ im Jahr 1951 gewann – wer auch sonst – die Bayern II. Damals war die Konkurrenz noch überschaubar: Nur 21 Skipper mit ihren Crews gingen an den Start.

Zum Vergleich: In diesem Jahr werden rund 270 Segelboote erwartet, in den Hochzeiten der Rund Um waren es sogar etwa 500.

Wie es zur ersten Rund Um gekommen ist

Wettfahrten auf dem Bodensee waren 1951 nichts Neues. Schon seit 1909 haben sich in Lindau und Bregenz Segler getroffen und regatierten bei der Bodenseewoche, weiß Tröster. „Das war damals etwas Besonderes.“

Das Segeln habe am Bodensee schon immer eine verbindende Rolle gespielt, sagt Roland Tröster. Als die Einreise in die Schweiz auf dem Landweg noch deutlich aufwendiger gewesen sei als heute, hätten sich Segler über den See hinweg regelmäßig gegenseitig besucht.

Mit dem Zweiten Weltkrieg war es aber erst einmal vorbei mit dem Segeln. 1951 habe sich dann die erste Gelegenheit geboten, wieder im Rahmen einer Wettfahrt in See zu stechen. Die Rund Um war geboren.

Viele Skipper von der ersten Rund Um dürften heute nicht mehr leben. Roland Tröster hat aber ein Crewmitglied ausfindig machen können. Ein 92-jähriger ehemaliger Segler kommt am Donnerstag zum Zuschauen zur historischen Regatta.

Die Bayern II hat 1951 und 1970 die Rund Um gewonnen. Archiv: Roland Tröster

 

Zunächst zeigen sie ihre Schönheit auf dem Wasser bei einer Parade. Gäste können die historischen Segelschiffe auch von der MS Altenrhein und der DS Felicitas beobachten. (Mehr dazu hier)

Danach treten die historischen Boote in einem sportlichen Wettkampf gegeneinander an. Sie nehmen Kurs vom Lindauer Hafen aus in Richtung Zech und fahren in einer Schleife wieder zurück.

Die alten Schiffe stehen den modernen kaum nach, weiß Roland Tröster. In ihrer Bauweise unterschieden sie sich fast nicht. Vor allem die verwendeten Materialien haben sich verändert. Bestanden die Segel früher aus Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen, werden heute synthetische Materialien verwendet. So behalten sie ihre Form besser und sind langlebiger.

Während Boote früher aus Holz gebaut wurden, werden sie heute aus Kunststoffen gefertigt. Holzboote müssen mehr gepflegt werden, können aber bei guter Wartung lange halten. Wer sich gut um sein Boot gekümmert hat, wird sich bei der historischen Regatta zeigen.

Rahmenprogramm der Segler rund um die Segelregatta

Noch vor der historischen Parade am Donnerstag, 4. Juni, um 13 Uhr und der Regatta mit den alten Booten (14 bis etwa 18 Uhr) wird die „Rund Um“ um 10.30 Uhr feierlich mit Ehrengästen, Seglern und Legenden eröffnet. Am Abend ist dann die „Warm-up-Night“ mit „DieJ und the Whass Band“.

 

Stand up
Stand-up-Paddling zum Auftakt der 75. Rund Um.

 

Der zweite Tag (Freitag, 5. Juni) beginnt mit einer weiteren Besonderheit: einer Stand-up-Paddle-Regatta. Bisher haben sich zwar lediglich zwischen zehn und 15 Paddler angemeldet, aber der LSC hofft auf noch mehr Teilnehmende, sagt Organisator Egon Bretzler. Ab 8 Uhr werden die Startnummern verteilt, los geht’s um 9.40 Uhr. Die SUPler paddeln zur Reutiner Bucht und wieder zurück. Nach der Siegerehrung am frühen Nachmittag machen sich langsam alle für den großen Start der Rund Um bereit.

Beim letzten Wetterbriefing und dem Warm-up steigt dann die Spannung bis zum Start der ersten Gruppe um 16 Uhr. Mehr zum sportlichen Aspekt der Rund Um könnt ihr hier nachlesen.

Je nach Wetter und Wind kommen die ersten Segler entweder noch am Abend, in der Nacht oder am nächsten Morgen nach ihrer Runde um den Bodensee wieder in Lindau an. Am Samstagabend, 7. Juni, findet dann die Siegerehrung statt. Mehr Details zum Programm findet ihr hier.

Programm am Seehafen ohne Flohmarkt

Die Stadt Lindau begleitet die Rund Um wieder mit einem dreitägigen Hafenfest. Rund um den Rüberplatz wird es Essens- und Getränkestände, eine Bar, Kinderkarussell, einen Süßwarenstand und eine kleine Bühne geben. An allen drei Tagen ist dort entspannte DJ-Musik zu hören.

Am Donnerstag sorgt DJ-Sound für lockere Wohlfühlmusik, am Abend übernehmen „Funkmaster Bernhard & Friends“ mit einem DJ-Set.

Die Bands „Alice Brown & Company“ sowie „BlueBecca“ (Soul, Funk & Rock) spielen am Freitagabend, am Samstag gibt es ein Weißwurstfrühstück mit Huigartemusik und am Abend spielt „Rooftop Community“ live (Jazz, Soul & Funk).

Den traditionellen Flohmarkt wird es nicht geben. Er wurde bereits vergangenes Jahr gestrichen. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass das Interesse (bei Verkaufenden und Besuchern und Besucherinnen) abgenommen hat, schreibt Stefanie Bernhardt-Lenz, Sprecherin des Kulturamts, auf unsere Nachfrage.

Der finanzielle und personelle Aufwand für die Organisation sei unverhältnismäßig groß gewesen. „Darum wurde der Flohmarkt (bis auf Weiteres) aus dem Programm genommen.“

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