Zahlreiche Besucher schauen hinter sonst verschlossene Türen

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Lindau
Dorothea Hagen gewährtw den Denkmalfreunden einen Blick um und in die Villa Elena.
Foto: Isabel de Placido

Nach vier Jahren Pause kommen viele Besucherinnen und Besucher zum Tag des offenen Denkmals. Mindestens genauso spannend wie die Gebäude der Stadt sind aber die in privater Hand. Wir nehmen euch mit.

Viele, viele Besucher haben am Tag des offenen Denkmals die Gelegenheit genutzt, einen Blick hinter die sonst verschlossenen Türen der Lindauer Baugeschichte zu werfen. Insgesamt neun Denkmale gab es in diesem Jahr zu besichtigen.

Doch nicht nur Stadt, Fördervereine und die Lindau Tourismus- und Kongress GmbH (LTK) führten durch den Cavazzen, Torggel, Hoyerbergschlössle, Lindenhofpark, Mang- und Leuchtturm. Auch viele Privatpersonen öffneten ihre Häuser.

Nach vier Jahren Pause hat sich Lindau erstmalig wieder am bundesweiten Tag des Denkmals beteiligt. Wie der Ansturm auf die Baudenkmäler zeigte, war diese Gelegenheit heiß ersehnt.

Bei ihrer Eröffnungsrede im Cavazzen hatte Oberbürgermeisterin Claudia Alfons davon berichtet, dass es in den Pausenjahren immer wieder Nachfragen gegeben habe. Allerdings habe die Veranstaltung erst wegen der Corona-Pandemie, dann wegen „Kapazitätenmangels“ in der Bauverwaltung nicht stattfinden können.

Nachfahrin wohnt zusammen mit weiteren Erben in der Villa Elena

Von nun an werde Lindau jedoch wieder regelmäßig dabei sein, versprach sie und sagte, dass die meisten angebotenen Führungen innerhalb kürzester Zeit ausgebucht waren, allen voran jene in der Villa Elena in Bad Schachen.

Und tatsächlich. Weit mehr als die 15 zugelassenen Teilnehmer waren es, die sich von Dorothea Hagen durch die imposante Villa am Schachener Ufer führen ließen. Erbauen ließ sie 1881 Richard Seutter von Lötzen, der einer alten Lindauer Patrizierfamilie entstammte und sein Vermögen in Sumatra gemacht hatte.

Die charmante ältere Dame ist eine Nachfahrin und bewohnt zusammen mit weiteren Erben die Villa, die der Bauherr einst als ganzjährig zu bewohnendes Einfamilienhaus für seine Familie bauen ließ. Mit ein Grund, warum das Gebäude schon damals mit einer Heizung ausgestattet war, die immerhin hundert Jahre hielt, wie Dorothea Hagen erzählt.

Die Besucher dürfen einen Blick in das „Damenzimmer“ der Villa Elena werfen.
Foto: isa
Unter dem Glasdach der Villa Elena zeigt ein imposanter Bildzyklus Szenen aus der Familiengeschichte.
Foto: Isa

Bei einem Rundgang um das Haus erfahren die Denkmalfreunde, dass der Bauherr die Villa nach seiner Ehefrau Helene benannt hatte und der Architekt Eugen Drollinger zahlreiche Motive der Renaissancearchitektur verarbeitet hat. Ein spezielles Merkmal sind die überstehenden Sparrendächer, die an italienische Stadtpaläste erinnern.

Während sich im Erdgeschoss die Nutzräume, wie etwa die Küche, befinden, wurde in der „Bel Etage“ in repräsentativen und vier Meter hohen Zimmern, wie etwa dem Damenzimmer im Rokkokostil, gelebt. Im Geschoss darüber befanden sich damals die Schlafzimmer, unterm Dach die Dienstbotenzimmer und das Mädchenzimmer, in dem die sechs Töchter des Hausherren untergebracht waren.

Heute, so erzählt Dorothea Hagen, ist die Villa in sechs Wohnungen und drei Einzelzimmer aufgeteilt. Die ehemaligen Ländereien hinter dem Haus wurden unter weiteren Erben aufgeteilt, andere haben ideelle Anteile am parkartigen Garten – alle Erben haben ein Baderecht.

Imposanter Bilderzyklus zeigt die Familiengeschichte

Organisiert ist die Erbengemeinschaft in einem Familienverein, der an fünf Wochenenden im Jahr in Haus und Garten arbeitet. Dass die Villa trotz aller Schwierigkeiten immer noch komplett in Familienhand ist, „ist ein Verdienst unserer Mütter“, sagt Dorothea Hagen.

Mittlerweile ist die immer größer werdende Gruppe am Nebeneingang der Villa angelangt, die Hausherrin öffnet die Türe und lässt die Besucher in die zwei Stockwerke umfassende Treppenhalle eintreten. Möbel und Teppiche aus vergangenen Zeiten, Bücher und Instrumente machen deutlich, dass die Familie hier noch heute zusammenkommt.

Unter dem Glasdach zeigt ein imposanter Bildzyklus Szenen aus der Familiengeschichte. Trotz der großen Besucherzahl öffnet Dorothea Hagen die Tür des ehemaligen Damenzimmers, lässt die begeisterten Besucher in das Foyer des Haupteingangs schauen und vom herrlichen Balkon über der „Bel Etage“ einen weiten Blick über den See zur Insel werfen.

Weitaus größer als die angemeldeten 15 Teilnehmer war auch die Zahl der Besucher des Wankel-Instituts, dessen Türen Frank Obrist geöffnet hatte. Stadtbaumeister Kay Koschka führte in das Leben des Erfinders Felix Wankel und in die Architektur des von ihm erbauten Forschungsinstituts ein. Und Frank Obrist spann den Bogen zur heutigen Zeit, in denen er mit seiner Firma das Gebäude wieder zu Forschungszwecken nutzt.

Das Wankelinstitut.
Eine NSU Ro 80 Limousine.
Foto: Isa

Ein Highlight für die Besucher war sicherlich der Gang durch die große Versuchshalle mit seinen modularen Schrankwänden. Dort wurden zu Wankels Zeiten Autos getestet. Außerdem ging es durch den Besprechungsraum samt abhörsicherer Telefonzelle, das gläserne Treppenhaus und das Büro des Motorenerfinders mit Blick auf den See.

Die NSU Ro 80er, die Mitglieder des Ro 80 Clubs dekorativ vor das Gebäude geparkt hatten, rundeten die Besichtigung ab. Schließlich hatte das Auto, das bis 1977 produziert wurde, einen Wankelmotor, durch den die damals neue, aerodynamische Karosserieform, erst möglich war.

Als drittes historisches Gebäude in privater Hand öffnete Eva Rudolph die Türen der Grub 3 und führte die Interessierten bis ins Dachgeschoss. Die Architektin will in dem ehemaligen Bürgerhaus sieben Zimmer, ein Frühstückszimmer und die Rezeption als Erweiterung ihres benachbarten Hotels Adara einrichten – kein einfaches Unterfangen.

Architektin und Bauherrin Eva Rudolph führt durch das ehemalige Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert.

Wie sie den Besuchern erklärte, musste sie das Gebäude quasi vor dem Einsturz retten und dabei den Denkmalschutz beachten. Bisher habe das im 16. Jahrhundert erbaute Haus 1,7 Millionen Euro verschlungen. Warum sie das alles macht? „Ich bin halt infiziert. Ich will es für die Nachwelt erhalten.“

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