Wochenmarkt weckt Erinnerungen: Bewohner des Maria-Martha-Stifts besuchen den Markt jetzt regelmäßig

Die Bewohner des Maria-Martha-Stift besuchen regelmäßig den Wochenmarkt
Foto: Maria-Martha-Stift

„Oh, was für ein Duft“, entfährt es der älteren Dame, als sie die frische Minze direkt unter der Nase hat. Eine Mitarbeiterin des Lindauer Altenheims Maria-Martha-Stift hat sie zwischen den Fingern zerrieben, sodass sich das Aroma stark entfalten kann.

Überhaupt sei der Besuch der Senioren des Stifts eine sinnliche Erfahrung, wie es in einer Mitteilung des Pflegeheims heißt. Denn neben dem Riechen, Lauschen und Schmecken berühre das Treiben zwischen den Ständen die alten Menschen auf besondere Art – ganz egal ob sie im Rollstuhl sitzen, an Demenz erkrankt oder noch rüstig sind, heißt es.

Seit einigen Wochen mache sich immer samstags eine Gruppe zwischen fünf und acht Bewohnerinnen und Bewohnern auf, um in Begleitung von Pflegekräften oder Alltagsbegleitern in die bunte Marktwelt neben der Inselhalle einzutauchen. „Unser Ziel war und ist es immer, die Menschen nach ihrem Einzug ins Heim auch am Leben außerhalb teilhaben zu lassen“, wird Heimleiterin Anke Franke zitiert. „Daran ändern auch die erschwerten Umstände wegen des Umbaus des Maria-Martha-Stifts nichts.“

Es komme zu angeregten Gesprächen zwischen anderen Marktkunden und Marktleuten – und die Bewohner treffen auf alte Bekannte. „Es wird dort aber nicht nur nett eingekauft, sondern auch Erinnerungsarbeit gleistet“, so Franke. An der Freude der Menschen lasse sich gut ablesen, wie durch die Alltäglichkeit eines Marktbesuchs vergangene Zeiten wieder aufblühten.

Die Bewohnerin erlebt Kräuter mit allen Sinnen.
Foto: Maria-Martha-Stift

Durch die Vollversorgung im Maria-Martha-Stift gebe es an sich kein Budget für zusätzliche Einkäufe auf dem Markt, heißt es in der Mitteilung. Aber das Altenheim habe sich erfolgreich an eine Stiftung gewandt, damit die Gruppe tatsächlich auch etwas in den Korb packen kann. „Das, was wir einkaufen, wird dann später auch von den Senioren verarbeitet und wird Teil der Mahlzeit“, erklärt Mitarbeiterin Beatrice Kühne.

So wie die frischen Kräuter, die abends im Quark landeten, oder die Radieschen. Frau Endler, eine besonders fleißige Marktgeherin aus dem Maria-Martha-Stift, drücke es so aus: „Ich finde den Markt so schön übersichtlich und freue mich, dass man bei den netten Marktleuten probieren kann.“

Alte Menschen bewusst in das Leben der Stadt zu integrieren, gehöre zum Konzept der „EDEN-Alternative“, die im Maria-Martha-Stift gelebt werde und ganz gezielt Alltägliches geschehen lasse, auch Spontanes. „Da ist der Wochenmarkt genau das Richtige!“, wird Anke Franke zitiert.

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