Die Kreisliga A ist in die neue Spielzeit gestartet. Warum der TSV Schlachters große Ambitionen hat, sich die Spielvereinigung in Demut übt – und wie die anderen Vereine aus unserer Region auf die Saison blicken.
Um die 400, 500 Zuschauerinnen und Zuschauer – das ist in den Fußballstadien rund um Lindau längst keine Seltenheit mehr. Und diese Saison wird es besonders spannend, denn alle ersten Mannschaften aus dem Kolumna-Gebiet treffen sich in der Kreisliga A, Bodenseestaffel 2.
Ein Derby jagt das nächste.
Die erste Niederlage musste der TSV Schlachters bereits einstecken, ausgerechnet gegen den Derby-Gegner Spielvereinigung Lindau. „Die Vorzeichen standen nicht optimal“, sagt Trainer Michael Pelko. Die Vorbereitung sei nicht so gelaufen, wie sie hätte laufen können. „Die Gemeinde Sigmarszell hatte viele Festivitäten, in die die Fußballer eingebunden waren.“
Ein solcher Zusammenhalt im Dorf sei zwar schön, habe aber eben nicht zu optimalen Trainingsbedingungen geführt.
Beim Heimspiel vor voller Zuschauertribüne gab’s dann mit einem 2:4 gegen die Spielvereinigung die Quittung. Zu Beginn habe der TSV zwar noch geführt. „Wir hatten aber nie groß das Heft in der Hand“, gibt Pelko zu. Schlussendlich habe schlicht die nötige Power gefehlt, um das Spiel zu gewinnen.
Doch die Saison hat erst begonnen, und das Ziel des TSV Schlachters ist klar. „Wir haben uns committed, dass wir aufsteigen wollen.“ Zuletzt hatte sich die Mannschaft mit einem frustrierenden zweiten Platz zufrieden geben müssen.
Viele neue Spieler aus Vorarlberg
Die Euphorie bei der Spielvereinigung dürfte nach ihrem Sieg am ersten Spieltag groß sein.
Vergangene Saison wollte die Mannschaft um die Meisterschaft spielen. Geworden ist es schließlich Platz 6.
Ein Teil der Spieler hatte die Mannschaft vorzeitig verlassen. „Es hat sich gezeigt, dass die Chemie nicht passt“, sagt Dirk Schirra, Vorsitzender der Spielvereinigung. „Viele haben ihr Ego über die Mannschaft gestellt.“ Gegen Ende der Saison habe man dem ein oder anderen dann „nahegelegt“, dass er nicht mehr kommen müsse.
Ehrenpräsident und Mäzen Werner Mang hatte es deutlicher formuliert. Er sprach von einer „Söldnertruppe“, in die viel Geld investiert worden sei, der aber der Teamgeist gefehlt habe.
Prämien gebe es diese Saison nur noch für gewonnene Spiele, sagt Schirra.
Mehr als ein Dutzend neue Spieler wurden für die erste Mannschaft verpflichtet, zusammengesucht aus der ganzen Region, wie Schirra sagt. Ein großer Teil von ihnen kommt wie der neue Trainer Nedim Turan aus Vorarlberg. Von der alten Mannschaft sind nur noch sieben junge Männer übrig, fünf davon wohnen in Lindau.
Aus den eigenen Reihen fehle schlicht der Nachwuchs, sagt Roland Freiberg, zweiter Vorsitzender und Pressesprecher der Spielvereinigung.
Zwar sei es das Ziel der Spielvereinigung, die Jugend wieder so aufzubauen, dass wieder eine erste Mannschaft aus Liondauern gebildet werden kann. „Bis dahin müssen wir aber die Lücke schließen“, so Freiberg.
Schon in dieser Saison würden vier A-Jugend-Spieler entweder in der ersten oder in der zweiten Mannschaft mitspielen.
Was die Ziele angeht, will sich niemand mehr zu weit aus dem Fenster lehnen. Jetzt gehe es erst einmal darum, guten Fußball zu spielen, so Freiberg und Schirra.
Kleiner Dämpfer nach der absoluten Traumsaison
Eine Traumsaison hat der TSV Oberreitnau hinter sich. In der Kreisliga B hatte die Mannschaft alle Spiele bis auf ein Unentschieden gewonnen und stieg zum ersten Mal nach 15 Jahren in die Kreisliga A auf. Wie es bei der Meisterschaftsfeier abging, kann man sich vorstellen.
Ein bisschen von dieser Euphorie ist noch übrig, sagt Fußball-Abteilungsleiter Bernd Heuter. Einen kleinen Dämpfer gab’s allerdings direkt am ersten Spieltag, als der TSV gegen Amtzell eine Niederlage einfuhr.
„In der Kreisliga A geht es einfach anders zur Sache, und das haben wir gegen Amtzell zu spüren bekommen“, sagt Heuter. „Deswegen stecken wir aber den Kopf nicht in den Sand.“
Das große Ziel: nicht wieder absteigen und im guten Mittelfeld mitspielen.
Stetig verbessern
Am kommenden Wochenende steht gegen die Spielgemeinschaft Hergensweiler‑Achberg‑Neuravensburg direkt ein Derby an. Die hat am ersten Spieltag gegen Lindenberg mit einem Sieg bereits drei Punkte geholt und möchte das am Wochenende gern wiederholen, wie Trainer Kevin Bosio sagt.
Vergangene Saison landete die Spielgemeinschaft auf Platz 4. „Dieses Jahr wollen wir uns auf jeden Fall verbessern“, sagt Bosio, der allerdings auch weiß, dass das nicht einfach wird. Denn die Mannschaften, die jetzt in der Kreisliga A aufeinandertreffen, seien alle ähnlich stark. Dementsprechend eng lagen sie in der vergangenen Saison punktemäßig beieinander.
Ein, zwei unglückliche Spiele können da schon alles ändern.
Die Gallionsfiguren fehlen
Die Spielgemeinschaft Hege-Nonnenhorn-Bodolz hatte in der vergangenen Saison Glück: Ihr Abstieg war schon besiegelt, dann gab’s die große Überraschung: Die dritte Mannschaft von Berg hatte auf ihren Aufstieg verzichtet, HeNoBo konnte bleiben.
„Das Ziel muss ganz klar der Klassenerhalt sein“, sagt Trainer Achim Glückler. Am ersten Spieltag lief’s allerdings nicht besonders gut. HeNoBo verlor gegen Leutkicht mit 2:8 Toren.
Der Mannschaft fehlen Gallionsfiguren wie Yanick Minge, Yannick Glaser und Leon Costa, die nach dem vermeintlichen Abstieg entweder zu anderen Mannschaften gewechselt sind oder ihre aktive Laufbahn ganz an den Nagel gehängt haben.
Damit die Mannschaft funktioniert, müssen drei, vier gute A-Jugend-Spieler ins kalte Wasser springen. Dass der Klassenerhalt zu schaffen ist, davon ist Glückler überzeugt.
Davon, dass es eine Herausforderung wird, auch. „Die Klasse ist sehr ausgeglichen“, sagt er. „Da sind viele Mannschaften, die hervorragend spielen, aber eben auch mal einen schlechten Tag haben können.“
Für die Zuschauerinnen und Zuschauer bedeutet das hauptsächlich eins: viel Spannung am Spielfeldrand.
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