Es tropft von der Decke, im Dachstuhl steht das Wasser: Regen und Sturm haben am Freitag dafür gesorgt, dass es in die Wasserburger geregnet hat. Die provisorisch aufgehängten Planen haben aber nur teilweise geholfen.
„Das hat wieder die Dringlichkeit der Maßnahme gezeigt“, sagt Dekan Ralf Gührer. Nicht nur das Dach der Kirche auf der Halbinsel muss saniert werden, auch die Friedhofsmauer ist dringend reparaturbedürftig.
Der trockene Sommer habe bei ihm „leise Zweifel“ geweckt, ob die Kirchengemeinde tatsächlich rund 800.000 Euro für die Erneuerung des Dachs ausgeben müsse. Nach dem Sturm am Freitag ist Gührer davon wieder überzeugt. „Jetzt sieht man, warum wir das machen müssen.“

Nach langem Warten sollen die Arbeiten nun tatsächlich beginnen. Bereits Anfang September wollen die Dachdecker mit dem Abdecken der Ziegel und dem Einziehen eines Unterdachs starten.
Dabei soll nicht das gesamte Dach auf einmal geöffnet werden. Die Handwerker arbeiten sich von Westen aus in Streifen von jeweils etwa fünf Metern vor. Zunächst werden die Ziegel abgedeckt, anschließend wird das Unterdach eingezogen und die Fläche wieder gesichert.
Das soll verhindern, dass die Kirche während der Arbeiten bei einem Sturm noch stärker gefährdet ist als ohnehin schon. „Früher deckte man einmal ab und dann machte man sich an die nächste Arbeit“, sagt Gührer. Angesichts des zunehmend unberechenbaren Wetters sei dieses Vorgehen heute nicht mehr vertretbar.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte das Dach innerhalb von etwa acht Wochen fertig sein.
Bauvorschriften aus Sicht des Dekans nicht auf den Klimawandel eingestellt
Dass die Kirche überhaupt erneut so umfangreich saniert werden muss, ärgert Gührer. Erst vor rund zwölf Jahren war das Gotteshaus renoviert worden. Seitdem traten jedoch immer wieder Probleme mit dem Dach auf. „Damals hätte man es gleich richtig machen können“, sagt der Dekan.
Aus seiner Sicht haben sich die Anforderungen durch den Klimawandel verändert, die Bauvorschriften aber nicht ausreichend mitentwickelt. Die Lage der Kirche verschärfe das Problem zusätzlich: Auf der Wasserburger Halbinsel treffe der Wind das Gebäude häufig nahezu ungebremst.
Bei der vergangenen Renovierung habe die Versicherung verlangt, dass die Dachziegel DIN-konform geklammert werden. Auf ein Unterdach wurde damals verzichtet. Genau dieses soll nun nachgerüstet werden.
Die Vorschriften hätten sich seitdem allerdings nicht geändert, kritisiert Gührer.
Was unter dem Dach noch zum Vorschein kommt, ist unklar
Ganz ohne Überraschungen dürfte die Sanierung nicht ablaufen. So gibt es an der Südseite des Turms einen bislang schwer einsehbaren Riss. „Der ist hoffentlich nur im Putz und nicht im Mauerwerk“, sagt Gührer. Erst wenn das Gerüst steht, werde sich zeigen, welche Auswirkungen der Riss tatsächlich hat.
Auch die Friedhofsmauer soll saniert werden. An ihr bröckeln bereits Teile ab. Die Arbeiten könnten ebenfalls bald beginnen.
Insgesamt beläuft sich die geplante Sanierung von Dach und Friedhofsmauer auf rund 1,5 Millionen Euro. 60 Prozent der Kosten übernimmt die Diözese. Die verbleibenden 40 Prozent muss die Wasserburger Kirchenstiftung aufbringen.
Die Kosten für die Restaurierung der Kirchendecke seien nicht mit eingerechnet – die müsse die Kirchenverwaltung unter Umständen zur Gänze bezahlen.
Seit Monaten sammelt die Kirchengemeinde deshalb Spenden. Unterstützt wird das Vorhaben neben den Aktionen der Kirchengemeinde auch durch den Freistaat Bayern, die Regierung von Schwaben und der Wasserburger Gemeinde.
Eine Finanzierungslücke besteht dennoch weiterhin. Wie groß sie letztlich sein wird, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Die Spendenaktion laufe noch bis Ende der Maßnahme weiter. Alle Infos dazu findet ihr hier.

Auch bei der Friedhofsmauer soll es bald losgehen. Seit Anfang August liege der Bescheid vor, sagt Gührer. „Wir können Anfang Oktober schon beginnen.“



