Die Liste möchte neue Wege gehen – und die Menschen im Dorf einbeziehen. Interessierte äußerten bei einer Veranstaltung am Dienstagabend, was sie vom Gemeinderat erwarten.
Die unabhängige Liste Sigmarszell habe sich bei der letzten Wahl neu gegründet, um alte Probleme zu lösen und neu zu starten, sagte Mitglied Sebastian Seigerschmidt, der durch den Abend führte. „So ganz ist uns das noch nicht gelungen.“
Das soll sich jetzt ändern – mit neuen Kandidatinnen und Kandidaten für das Bürgermeisteramt und den Gemeinderat. „Wir wollen etwas bewegen.“ In den vergangenen Wochen habe die Liste schon einige positive Rückmeldungen bekommen, sagte der ULS-Gemeinderat zum Publikum. Gekommen waren etwa 40 Interessierte – inklusive Gemeinderäte, auch Bürgermeister Jörg Agthe war da.
Am meisten freue er sich, so Seigerschmidt, dass sich jemand bereit erklärt habe, sich zur Bürgermeisterkandidatin aufstellen zu lassen. Dieser Mut habe Respekt verdient.
Wie wir euch bereits berichtet haben, wird Bärbel Schmid, die aktuell noch Seniorenbeauftragte der Gemeinde ist, für die Liste als Bürgermeisterin kandidieren.
Die 56-jährige Betriebswirtin lebt mit ihrem Lebensgefährten in Niederstaufen. Erfahrung in der Politik hat sie bisher keine – wieso sie sich dennoch gut vorstellen kann, Bürgermeisterin zu werden, erzählt sie im Video:
Neue Kandidatinnen für den Gemeinderat
Außerdem stellten sich an dem Abend zwei Frauen vor, die für den Gemeinderat kandidieren wollen: Janine Stumpf und Monika Miller möchten sich bei der Unabhängigen Liste einbringen. „Ich habe in Bösenreutin schon ziemlich gewirbelt und gemerkt, dass man viel erreichen kann“, sagte Janine Stumpf.
Auch Monika Miller, deren Mann Rene Miller den Gemeinderat vor einigen Monaten aus persönlichen Gründen verlassen hat, will sich aufstellen lassen. „Man kann nicht nur meckern, man muss sich auch einbringen“, findet sie.
Gemeinsam mit anderen haben die beiden Frauen in den vergangenen Wochen einige Initiativen in Bösenreutin gestartet. Als „Team Bösenreutin“ haben sie zum Beispiel wieder ein Kinderfest ins Leben gerufen, gerade planen sie ein Jubiläumsfest für September. Mehr dazu steht in diesem Text.
Die aktuellen Gemeinderäte Sebastian Seigerschmidt, Jürgen Hartmann, Norbert Kurzemann und Martin Rädler sagten zu, sich bei der Kommunalwahl 2026 wieder auf die Liste schreiben zu lassen.
Nina Ehrle hingegen möchte nicht mehr Gemeinderätin sein. „Das hat persönliche und private Gründe“, sagte sie im Gespräch mit Kolumna.
Was wünschen sich die Menschen vom Gemeinderat?
Den Abend wollte die ULS auch dazu nutzen, um die Themen der Sigmarszellerinnen und Sigmarszeller zu hören. „Was sind eure Erwartungen an uns?“, fragte Gemeinderat Sebastian Seigerschmidt.
„Ich bin positiv überrascht, dass eine Frau sich zur Wahl stellt“, sagte Tina Hartmann. Ihr liege das Soziale am Herzen. Sie habe sich bei dem Thema Spielplatz häufig an die Gemeinde gewandt und Vorschläge gemacht – allerdings wenig Resonanz bekommen. Einen Sandkasten hätten sie dann auf Eigeninitiative aufgebaut. „Ich würde mir wünschen, dass in der Gemeinde mehr passiert.“
„Ich wünsche mir, dass wir auch Rückmeldungen bekommen über Dinge, die passieren“, sagte Silvia Kastl. Damit sprach sie die Protokolle aus dem Gemeinderat an. Immer wieder gab es dazu Diskussionen, denn Bürgermeister Jörg Agthe ist im Verzug und muss einige Protokolle nacharbeiten.
„Das muss sich ändern“, sagte Sebastian Seigerschmidt. Man müsse es in Zukunft aber auch hinbekommen, die Protokolle „sexy“ zu machen.
„Wir brauchen keinen anderen Bürgermeister“, fand hingegen ein anderer Gast. Man müsse schließlich erstmal jemanden finden, der sich so einsetzt, verteidigte er Jörg Agthe.
„Ich bin 30 und habe viele Sitzungen besucht“, sagte daraufhin Daniel Padberg. Das sei allerdings alles andere als Werbung für den Gemeinderat gewesen. „Es war nicht lösungsorientiert.“ Wie der Gemeinderat nach außen wirkt, sei Teil des Problems.
Liste sucht noch mehr Kandidaten für den Gemeinderat
Um wieder mehr Werbung für den Gemeinderat zu machen, plant die ULS in Zukunft häufiger solche Veranstaltungen, sagte Sebastian Seigerschmidt. „Wir wollen mit den Leuten sprechen, die Interesse haben.“