Einen Zeitbonus hatte er wegen seiner Behinderung nicht bekommen, auf den zweiten Prüfungsversuch musste er ein Jahr lang warten. Klar habe er sich damals Gedanken gemacht, sagt der 24-Jährige. „Aber dann habe ich mir gedacht: Kopf hoch, weitermachen.“ Und eigentlich, erzählt er, sei er gottfroh gewesen, dass er nur eine Aufgabe nicht bestanden hatte. „Den Kampf hab in dem Moment eher ich gehabt“, gibt Jeschke zu.
Die beiden mussten das Jahr bis zum nächsten Prüfungsversuch irgendwie überbrücken. Also wurde Viktor Sauerborn im Aquamarin als Rettungsschwimmer angestellt. Die Ausbildung dafür hat er schon vor einiger Zeit gemacht, ebenso wie die zum Sanitäter. Als er 2010 mit seinem Bruder und seinem Vater in die Wasserburger Wasserwacht eintrat, war schnell klar, dass das genau das Richtige für ihn ist: „Ich will Menschen helfen“, sagte er damals.
Im Winter arbeitete er in der Wasserburger Verwaltung mit. Die Gemeinde habe Viktor Sauerborn die Ausbildung auch im Sinne einer langfristigen Personalplanung ermöglicht, sagt Bürgermeister Harald Voigt. „Von Anfang an war es mein Ziel, ihn zu unterstützen, weil seine Motivation für diesen Beruf enorm ist und er auch sehr gewissenhaft und dienstleistungsorientiert seine Tätigkeit ausübt.“
Zahl der Badegäste hat sich mehr als verdoppelt
Das Wasserburger Bad wird bei Besucherinnen und Besuchern immer beliebter. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Badegäste mehr als verdoppelt: von rund 60.000 auf rund 150.000. Laut Jeschke liegt das daran, dass die Gemeinde das Bad vor einigen Jahren modernisiert hat, aber auch an der Surfschule, die sein Sohn betreibt und die viele junge Leute anziehe. Zudem kämen die Schülerinnen und Schüler der Schwimmkurse auch nach den Kursen gern weiter ins Bad.
Die Hilfe von Viktor Sauerborn kann der Betriebsleiter im Aquamarin gut gebrauchen. Kurz nach ihm hat mit Axel Schweinberger der zweite Azubi im Bad angefangen. Er konnte die Ausbildung verkürzen und ist im Freibad geblieben.
Vergangenen Juni machte Viktor Sauerborn seinen zweiten Anlauf. In der Zwischenzeit hatte er noch einmal hart trainiert und schaffte das Abschleppen schließlich in der vorgegebenen Zeit. Außerdem durfte er dieses Mal einen etwas anderen Griff anwenden, bei dem er einen Arm nutzen konnte, um seine Beine beim Schwimmen zu unterstützen.
Schwimmkurse und Aquafitness sind nicht so sein Ding
Als Fachangestellter für Bäderbetriebe kann er nun alles, was es braucht, um in einem Bad zu arbeiten. Und dazu gehört noch einiges mehr als Badeaufsicht, Erste Hilfe und Rettungsschwimmen. Er hat auch gelernt, wie man ein Bad verwaltet, und hat Prüfungen in Bädertechnik, Bäderbetriebslehre, medizinischer Fachkunde und Besucherbetreuung abgelegt.
Er kennt sich mit Umwelt- und Arbeitsschutz aus – und er kann Schwimm- und Fitnesskurse geben. Theoretisch zumindest. Denn beides ist nicht so sein Ding. „Schwimmkurse mache ich nur, wenn es unbedingt sein muss“, sagt Viktor. Vom Aquafitness verschont sein Chef ihn freiwillig. „Er hat überhaupt kein Taktgefühl“, sagt Jeschke und lacht.
1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Einfach unglaublich toll- du kannst so stolz auf dich sein!
Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung lieber Viktor! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude bei deinem Tun!
Liebe Grüße Barbara (ich war vor langer Zeit deine Erzieherin im Kindergarten)