Auch Lindau braucht eine kommunale Wärmeplanung. Den Anfang macht die Insel mit ihren vielen denkmalgeschützten Gebäuden – darum geht’s in der Stadtratssitzung am Mittwoch genauso wie um die Bahn, um einen Kriterienkatalog für Photovoltaikanlagen und den Stadtbus.
Auch Lindau braucht eine kommunale Wärmeplanung. Den Anfang macht der komplizierteste Stadtteil: die Insel mit ihren vielen denkmalgeschützten Gebäuden. Das Thema beschäftigt Lindau bereits seit Längerem.
Mit mehreren Monaten Verzögerung liegt nun das Quartierskonzept vor. Es wird am Mittwoch, 30. September, im Stadtrat vorgestellt.
Eine wichtige Frage ist: Kann Seethermie dazu beitragen, die Lindauer Insel mit Wärme zu versorgen? Die Experten des beauftragten Büros „Energielenker“ kommen zu einem positiven Ergebnis.
Nach Einschätzung des Büros könne so das historische Stadtbild erhalten werden, auch finanziell sei die Lösung nach ersten Schätzungen grundsätzlich machbar. Gleichzeitig betonen die Experten, dass für eine belastbare Bewertung eine vertiefende Machbarkeitsstudie dringend erforderlich sei.
Photovoltaik auf der Insel?
Auch beim Ausbau der Solarenergie macht das Quartierskonzept Vorschläge. Vorgesehen ist die Erstellung eines denkmalfachlichen Solarkatasters. Es soll für Eigentümer, Planer und Behörden eine transparente Genehmigungs- und Planungsgrundlage schaffen.
So könnten geeignete Dachflächen für Photovoltaik und Solarthermie unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes ausgemacht werden, heißt es in der Sitzungsvorlage.
Die Regeln für Photovoltaik im Denkmal sind streng. Viele Inselbewohner, die eigentlich gerne Paneele auf ihren Dächern anbringen würden, bekommen dies bislang nicht genehmigt.
Laut Sitzungsvorlage steht die Bauamtsleitung bereits im Austausch mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Geprüft werde die Erarbeitung eines sogenannten kommunalen Denkmalkonzepts, das die Themen Wärmeversorgung, Klimaanpassung und Solarenergie zusammenführen soll. Nach Einschätzung der Verwaltung könnten dadurch spätere Abstimmungsprobleme und Genehmigungshürden wegen des Denkmalschutzes vermieden werden.
Eine Karte mit „kühlen Orten“
Neben der Wärmeversorgung geht es in dem Konzept auch um Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und um die Lebensqualität auf der Insel. Vorgeschlagen werden unter anderem Wetterstationen, um die lokale Datengrundlage zu verbessern. Außerdem sollen Trinkwasserbrunnen ausgebaut und punktuelle Kühlungsmaßnahmen sowie mobile Verschattungen gegen die zunehmende Sommerhitze geprüft werden.
Die Experten schlagen auch vor, eine digitale Karte mit „kühlen Orten“ zu erstellen. Sie soll zeigen, wo sie bei hohen Temperaturen besonders geschützte Aufenthaltsmöglichkeiten finden.
Zwei Maßnahmen zur Klimaanpassung sind bereits geplant: Für Herbst beziehungsweise Winter 2026 sollen am Therese-von-Bayern-Platz Bäume gepflanzt werden. Im Frühjahr 2027 sollen Trinkbrunnen auf der Hinteren Insel und am Seehafen aufgestellt werden. Eine teilweise Begrünung des Mittelstreifens an der Zwanziger Straße hatte der Werkausschuss dagegen abgelehnt.
Die Kosten für alle Maßnahmen schätzt das Konzept auf etwa 45 Millionen Euro.
Über die Seethermie, mögliche Standorte und weitere Punkte des Konzepts wird im Stadtrat am Mittwoch, 30. September, um 18 Uhr im Alten Rathaus gesprochen.
Auch andere Themen auf der Tagesordnung
Schon seit einigen Jahren gibt es Pläne für das Gelände zwischen den Gleisen und der Ladestraße. Dort sollte eigentlich ein Wohngebiet entstehen.
In der Zwischenzeit hat sich aber einiges getan, Lagerhallen und eine Villa wurden etwa unter Denkmalschutz gestellt.
Aus Sicht der Verwaltung müssen die alten Pläne hinterfragt werden. Sie empfiehlt deshalb dem Stadtrat, die Bindung an das bisherige Konzept aufzuheben.
Außerdem geht es um eine geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage in Waltersberg und auch um das Thema Freiflächenphotovoltaik im Allgemeinen sowie um den Nahverkehrsplan.
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