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Wenige Tage nachdem Kolumna über die Unterversorgung mit Psychiatern im Landkreis Lindau berichtet hat, scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Aus einer Pressemitteilung von Landrat Elmar Stegmann geht hervor, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) nun doch aktiv werden will.
Für psychisch Erkrankte gibt es im Landkreis Lindau seit zwei Jahren praktisch keine ambulante Anlaufstelle mehr. Weil die ehemaligen Praxen niedergelassener Nervenärzte, die sowohl als Neurologen als auch als Psychiater tätig waren, allesamt geschlossen oder von Neurologen übernommen worden sind. Zwischenzeitlich sind zwar zwei zusätzliche Kassensitze für Psychiater ausgewiesen worden. Aktiv beworben hat die KVB diese bislang aber nicht.
Politischer Druck auf die KVB
Hart kritisiert hatten das zuletzt Kreisrätin Ulrike Lorenz-Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) in einem Antrag an den Kreistag und der Gemeindepsychiatrische Verbund (GPV) im Landkreis Lindau in einer öffentlichen Stellungnahme. Landrat Elmar Stegmann hatte die Problematik in einem Gespräch mit der stellvertretenden KVB-Vorsitzenden Claudia Ritter-Rupp thematisiert.
In seiner aktuellen Mitteilung schreibt Stegmann nun, dass die KVB die beiden unbesetzten Kassensitze für Psychiater im Landkreis Lindau künftig aktiver bewerben wolle. Die Darstellung der offenen Stellen im Landkreis Lindau auf ihrer Website habe die KVB zwischenzeitlich angepasst.
Werbung über Social Media geplant
Zudem sollen die Zulassungsmöglichkeiten für Psychiater im Landkreis Lindau verstärkt über Social-Media-Kanäle sowie über eine Anzeige im Bayerischen Ärzteblatt beworben werden. Auch Informationsunterlagen bei Facharztprüfungen seien entsprechend überarbeitet worden, heißt es in der Mitteilung.
Dass niederlassungswillige Psychiater bislang kaum auf die zwei freien Sitze im Landkreis Lindau aufmerksam geworden sind, hatten Ulrike Lorenz-Meyer und der GPV maßgeblich auf die Darstellung der Situation seitens der KVB zurückgeführt. Zum Beispiel auf einer Grafik, die Niederlassungsmöglichkeiten für Nervenärzte in Bayern veranschaulichen soll. Die besagt, dass der Landkreis Lindau überversorgt sei.
Überversorgt oder unterversorgt?
Nominell überversorgt ist der Kreis allerdings nur mit Neurologen. Die sind in der Gruppe der Nervenärzte aber mit Psychiatern zusammengefasst – obwohl die Aufgabengebiete völlig verschieden und die entsprechenden Ausbildungen längst voneinander getrennt sind.
Um sicherzustellen, dass Kassensitze für Nervenärzte nicht ausschließlich von Neurologen besetzt werden, sind für den Landkreis Lindau zwar trotz dieser nomineller Überversorgung die besagten zwei zusätzliche Sitze für Psychiater ausgewiesen worden. Aus der beschriebenen Grafik geht das allerdings nicht hervor, nur aus einer dazugehörigen Liste, quasi dem Kleingedruckten.
In anderen Regionen zahlt die KVB Zuschüsse
Im bayerischen Ärzteblatt warb die KVB zuletzt damit, dass sie Niederlassungen von Fachärzten in unterversorgten Regionen mit bis zu 112 500 Euro bezuschusst. Der Landkreis Lindau fehlte in der Auflistung allerdings. Wiederum mit der Begründung, dass er nicht unterversorgt sei. Weil für die Feststellung einer Unterversorgung nicht die Anzahl der Psychiater herangezogen wird, sondern die Anzahl der Nervenärzte insgesamt. Das bedeutet: Eine Unterversorgung nur für Psychiater lässt sich formal gar nicht feststellen.
In ihrer Stellungnahme gegenüber Kolumna hatte die KVB mit Verweisen auf übergeordnete bürokratische Vorschriften zum Ausdruck gebracht, dass ihr bei der Besetzung der freien Psychiater-Sitze quasi die Hände gebunden sind. Nun scheint man das Problem zumindest etwas pragmatischer angehen zu wollen.
„Die Versorgungssituation ist nach wie vor äußerst kritisch“, schreibt Landrat Elmar Stegmann in seiner Pressemitteilung. Umso wichtiger sei es, dass jetzt gezielte Schritte unternommen würden. Ziel müsse es sein, die freien Sitze im Fachbereich Psychiatrie zügig zu besetzen.
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