Proteste und Gewalt im Iran: Hasan Maleky blickt mit großer Sorge in seine Heimat

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Lindau
Hassan Maleky lebt seit 30 Jahren in Lindau. Aufgewachsen ist er im Iran. Was dort gerade passiert, kann er nicht fassen.
Foto: Ronja Straub

Einst gab es noch Hoffnung, mittlerweile verfolgt der Lindauer die Proteste mit viel Sorge. Seine Familie ist mitten im Konflikt und die Verbindung zu ihnen ist abgerissen.

In der Änderungsschneiderei von Hasan Maleky in der Fischergasse gibt es in diesen Tagen oft nur ein Thema: die Situation im Iran. Viele Kundinnen und Kunden sprechen ihn darauf an, sagt der Lindauer, der im Iran geboren und vor mehr als 30 Jahren nach Deutschland gekommen ist. Seit Wochen beobachtet er die verheerende Situation in seiner Heimat. „Das Schlimmste ist: Man weiß nicht, was man tun kann.“

Mehrere Geschwister von Maleky und deren Familien leben in Teheran, Cousinen und Cousins sind über das ganze Land verteilt. Mit ihnen habe er seit Tagen nicht mehr sprechen können – weder telefonisch noch über das Internet. „Ich weiß nicht, wie es ihnen geht“, sagt Maleky. Die Ungewissheit belaste ihn.

Die Situation im Iran hat sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt. Nachdem die iranische Währung im Dezember an Wert verloren hat, hat sich die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage deutlich verschärft. „Die Wirtschaft ist am Boden“, sagt Maleky. Seitdem gehen die Menschen auf die Straße. Die Proteste gegen die autoritäre Regierung begannen in Teheran, weiteten sich später landesweit aus.

Schon seit Jahrzehnten werden dem Regime Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Bei den aktuellen Protesten gehen Sicherheitskräfte laut Medienberichten so brutal wie wohl nie gegen Demonstrierende vor.  Nichtregierungsorganisationen gehen von Tausenden getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten aus.

Der Lindauer Hasan Maleky weiß, dass viele im Land extrem geschockt sind. „Sie dachten nicht, dass man so hart mit ihnen umgeht.“

Die Regierung hat außerdem vor etwa zwei Wochen das Internet und die Telefonverbindung eingeschränkt. Mittlerweile funktionieren einzelne Verbindungen wieder, aber dennoch: „Die Menschen sind abgeschnitten“, sagt der Lindauer.

Verlässliche Informationen seien inzwischen kaum noch zu bekommen. Die Bilder, die aus dem Iran an die Öffentlichkeit dringen, ließen ihn nicht los. Oft könne er nachts kaum schlafen, sagt Maleky.

Maleky engagiert sich seit einem Jahr im Lindauer Integrationsbeirat und verfolgt die politische Lage in seiner Heimat aufmerksam. Proteste gegen das Regime habe es immer wieder gegeben, sagt er.

Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.

Stimmen die Zahlen, die kursieren, sei das Ausmaß der Gewalt beispiellos.

Als es 2022 schon einmal zu großen Protesten im Iran kam, hat Maleky gemeinsam mit seinen Töchtern und anderen eine Kundgebung in Lindau organisiert. Eine erneute Demonstration plant er derzeit nicht. In vielen umliegenden Städten wie Bregenz und Ravensburg fänden bereits Kundgebungen statt, sagt er. Dennoch wünsche er sich insgesamt eine größere Solidarität.

Zuletzt hat er vor etwa zwei Wochen mit seiner Schwester und ihrem Sohn sprechen können. Damals seien sie noch hoffnungsvoll gewesen, dass die Proteste Veränderungen bewirken könnten. Heute ist der Kontakt abgebrochen – und die Sorge groß.

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