Da die Tiere streng geschützt sind, ist das selten. Weil es um die Sicherheit auf dem Bodensee-Königsweg-Radweg geht, hat das Landratsamt die Erlaubnis erteilt. Muss der Radweg trotzdem gesperrt werden?
Der Abschnitt des Bodenseeradwegs zwischen Degermoos und Unternützenbrugg ist seit Jahren sanierungsbedürftig. „Der Radweg macht mir große Sorgen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Strohmaier im Gespräch mit Kolumna.
Der Weg beschäftigt die Gemeinde seit Langem. Trotz zahlreicher Flickarbeiten ist der Weg immer wieder aufgerissen, es gingen Beschwerden ein.
Erst kürzlich hat ein Lastwagen den Weg bei einer Bahnbaustelle unerlaubt genutzt und dabei große Risse im Belag hinterlassen. Eine teure Angelegenheit für die Gemeinde.
Auch eine Biberfamilie sorgt für Probleme. Die Tiere bauen im Bereich des Radwegs immer wieder Dämme und stauen dadurch Wasser auf. Das kann den Wegkörper unterspülen, sagt Bürgermeister Strohmaier. Gleichzeitig werden angrenzende landwirtschaftliche Flächen vernässt.
Bei dem Radweg handelt es sich um ein Teilstück eines überregionalen Radwegenetzes: Jakobus-Radpilgerweg und Bodensee-Königssee-Radweg. Foto: Susi Donner
Für den Bauhof bedeutet auch das regelmäßige Arbeit. Mitarbeiter müssten immer wieder Dammmaterial entfernen. „Natürlich nur im erlaubten Ausmaß.“
Auf Antrag der Gemeinde hat das Landratsamt nach Abwägung dann vor einigen Monaten eine Genehmigung erteilt: Der Biber darf gefangen und getötet werden.
Das sind die Gründe für die Abschusserlaubnis
Begründet wird sie unter anderem damit, dass Unfälle mit Verletzten nicht ausgeschlossen werden können. Es drohe eine Unterspülung des „überregionalen Bodensee-Königsee-Radweges“, wie Landratsamtssprecherin Sibylle Ehreiser auf Nachfrage schreibt.
Außerdem seien Untergrabungen eines anderen Radwegs festgestellt worden. Diese führten „punktuell zu massiven Absenkungen der Asphaltdecke“ und gefährdeten den Verkehr.
Auch Trinkwasserleitungen seien in Gefahr.
Die Flächen könnten mit Präventionsmaßnahmen nicht ausreichend geschützt werden, so Ehreiser. „Auch die Absenkung der Biberdämme führte zu keiner Besserung.“
Genehmigung ist selten
Eine solche Erlaubnis zum Fangen und Töten eines Bibers wird nur selten erteilt. Grundsätzlich ist beim Umgang mit Bibern das mildeste Mittel anzuwenden, sagt Peter Koch, einer von zwei Biberberatern im Landkreis.
Der Hintergrund: Biber sind streng geschützt und erfüllen eine wichtige Funktion im Naturhaushalt. Durch ihre Dämme halten sie Wasser in der Landschaft zurück und schaffen Lebensräume für zahlreiche andere Arten.
Ein Biber. Symbolbild: Canva
Gleichzeitig können ihre Aktivitäten zum Problem werden – wie in Hergensweiler. „Ich bin für den Schutz des Bibers – aber manchmal ist eine Entnahme erforderlich“, sagt Peter Koch. Er gebe aber zu bedenken: Der Biber kommt meistens wieder zurück.
Bisher wurde im Landkreis erst einmal, nämlich in Heimenkirch, eine Erlaubnis zur Tötung erteilt. Am Ende war das nicht nötig, der Biber konnte umgesiedelt werden.
Eine Umsiedlung ist allerdings nicht einfach. Der Biber wird mit einer speziellen Falle gefangen und muss dann artgerecht gehalten werden, bis er zu seinem neuen Zuhause transportiert wird.
Für die Zwischenhaltung sind laut Ehreiser geeignete, ausbruchsichere Räumlichkeiten mit Wasserbecken, ausreichend Futter sowie Personal erforderlich, das sich um die Tiere kümmert und die Becken reinigt. All das muss die Gemeinde Hergensweiler als Antragsteller organisieren.
Nach Angaben des Bürgermeisters gibt es eine Möglichkeit, die Tiere an eine Auffangstelle bei Fürstenfeldbruck weiterzugeben. Von dort könnten sie anschließend nach Frankreich gebracht werden.
Die Ansiedlungsmöglichkeiten werden durch die Untere Naturschutzbehörde zusammen mit dem südbayerischen Bibermanager geprüft.
Nicht nur der Biber macht Probleme
Nicht der Biber, sondern ein großer Lastwagen hat kürzlich für neue Risse auf dem Weg gesorgt. Während einer Baustelle, bei der das Bahnwärterhaus in Unternützenbrugg abgerissen wurde, war auch der dortige Bahnübergang gesperrt.
Die Baufirma sei von der Verwaltungsgemeinschaft ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass der Radweg zwischen Degermoos und Unternützenbrugg nicht für Transportfahrten mit schwerem Gerät genutzt werden dürfe, berichtet Bürgermeister Wolfgang Strohmaier.
Risse durchziehen den Radweg. Foto: Susi Donner
Trotzdem seien Lastwagen und schweres Gerät über den Weg gefahren. Mit Folgen: Der ohnehin stark geschädigte Belag ist an mehreren Stellen weiter aufgerissen. Teilweise seien inzwischen Risse von bis zu 40 Zentimetern Tiefe entstanden.
„Wir werden jetzt eine Entschädigung anfordern“, sagt Strohmaier. Einen Rechtsstreit schließt er nicht aus. Eine mögliche Schadenssumme im sechsstelligen Bereich könne die Gemeinde jedenfalls nicht einfach übernehmen.
Bürgermeister Wolfgang Strohmaier. Foto: Olaf Winkler
Hergensweilers finanzielle Lage ist ohnehin angespannt. Deswegen hat der Gemeinderat erst kürzlich entschieden, die Sanierung des Weges grundsätzlich zurückzustellen. Um gefördert zu werden, muss ohnehin eine Grundstücksfrage mit der Bahn geklärt werden.
Sperrung des Radwegs wird konkreter
Wie es jetzt mit dem Radweg weitergeht, ist offen. Die Gemeinde prüft inzwischen eine Sperrung. Bürgermeister Strohmaier hat das Landratsamt bereits über die Situation informiert.
Sollte der Weg tatsächlich gesperrt werden, müsste über die verkehrsrechtliche Umsetzung entschieden werden. Für den Radverkehr wäre eine Umleitung über die Bundesstraße (B 12) notwendig – eine Lösung, die alles andere als ideal wäre, findet Strohmaier.
Auch beim Biber ist noch offen, wie es weitergeht. „Wir müssen jetzt schauen, vielleicht hat der Biber uns ja auch verlassen“, sagt Strohmaier. Danach sieht es allerdings nicht aus: Bauhofmitarbeiter hätten schon festgestellt, dass weiterhin gebaut wird.
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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Schade, dass der Biber ein Spezialist ist und nicht geeignet für den Radwegebau.