30 Meter ist der Riesen-Lebensbaum hoch, der im Toskanapark direkt vor der Stadtverwaltung steht. Die sogenannte „Thuja plicata“ ist zum 46. Nationalerbe-Baum Deutschlands ausgerufen worden, wie die Stadt mitteilt. Unter den lediglich 100 ausgezeichneten Nationalerbe-Bäumen werde sie einzigartig bleiben.
Verliehen wurde der Titel durch Andreas Roloff, Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 100 Nationalerbe-Bäume zu benennen. Es gebe eine Voraussetzung: Der Stamm der Bäume müsse einen Umfang von mehr als 400 Zentimetern haben, heißt es. Die Bäume selbst sollten möglichst mehr als 400 Jahre alt werden können.
Eine glückliche Fügung
Dass die Thuja im Toskanapark nun in das Kataster der Nationalerbe-Bäume aufgenommen wurde, sei einem glücklichen Zufall zu verdanken, heißt es. Denn selbst der Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume hatte diese Baumart unter den möglichen Kandidaten „gar nicht auf dem Schirm gehabt“, wird er zitiert.
In einem Privaturlaub im März des vergangenen Jahres sei er auf der Lindauer Insel morgens durch die Parks gelaufen. „Bei Sonnenaufgang stand ich plötzlich vor diesem Riesen-Lebensbaum und dachte mir: ‚Was ist denn hier los?‘“, wird Roloff zitiert.
Normalerweise fahre er gezielt zu den Bäumen, die als Kandidaten auf der Liste stehen. Dieser zufälligen „Urlaubsbekanntschaft“ sei es zu verdanken, dass sich Roloff mit Markus Steinbeißer, Leiter des Baumpflegeteams und Baumkontrolleur bei den Garten- und Tiefbaubetrieben Lindau (GTL), in Verbindung setzte und anbot, die Thuja im Toskanapark als Nationalerbe-Baum auszuzeichnen – falls Interesse bestehe.
Unter den bisher ausgerufenen Nationalerbe-Bäumen in Deutschland sei der Lindauer etwas Besonderes. „Unter den 100 Bäumen, die den Titel verliehen bekommen, wird dieser hier der einzige Lebensbaum bleiben“, sagt Roloff. Der Grund: Die Deutsche Dendrologischen Gesellschaft wolle zeigen, dass diese Baumart ebenfalls zu jenen zählt, die besonders alt werden könne. Heimisch ist die „Thuja pilicata“ aber nicht. Im Gegensatz zu heimischen Linden, Eichen oder Eiben stammt der Riesen-Lebensbaum aus den USA. Der älteste Baum dieser Art steht dort an der Westküste.
Mit einem Stammumfang von 5,8 Metern sei dieser der fünftdickste Lebensbaum von Deutschland, heißt es.
Bereits seit etwa 150 Jahren wächst die Thuja im Toskanapark. Ihr Weg an den Bodensee aber bleibt geheimnisvoll. „Wie, warum und von wem sie hierhergebracht wurde, das konnten wir bisher nicht herausfinden“, wird Oberbürgermeisterin Claudia Alfons zitiert.



