Überlaufende Container, andere mit schwarzer Folie abgeklebt. Wer in Lindau seine aussortierte Kleidung loswerden möchte, steht aktuell bei vielen Containern vor einem Problem.
54 Altkleidersammelcontainer betreibt das Bayerische Rote Kreuz (BRK) im Landkreis Lindau. Bis Anfang Oktober kamen wöchentlich Fahrzeuge und holten die großen Mengen an Altkleidern ab. Doch die kommen nicht mehr.
Die Firma Soex habe bereits letztes Jahr Insolvenz angemeldet, erklärt der Kreisgeschäftsführer des BRK Lindau, Roman Gaißer. Soex sei der Besitzer der Container und auch für die regelmäßige Entleerung sowie Sortierung und Entsorgung der unbrauchbaren Kleidung zuständig gewesen. Doch der wirtschaftliche Druck auf Firmen wie Soex steige durch höhere Entsorgungskosten und niedrige Gewinne immer mehr an, erklärt Gaißer.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten
Das Problem der Altkleidersammlung ist kein neues und auch nicht auf den Landkreis Lindau begrenzt. Das Bayerische Rote Kreuz schreibt in einer Pressemitteilung von April von „großen Herausforderungen der Altkleidersammlung“. Nicht nur die Firma Soex hat finanzielle Schwierigkeiten, auch mehrere andere ihrer beauftragten Entsorgungsfirmen hätten ernsthafte finanzielle Sorgen signalisiert. Sollten die Entsorgungsfirmen ihre Leistungen nicht mehr erbringen können, bliebe als letzte Maßnahme nur, Container vorübergehend abzubauen, so das BRK.
Der Kleidermarkt ist in einer ernstzunehmenden Krise
sagt auch der Kreisgeschäftsführer Roman Gaißer. Das sei vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen, erklärt er. Zum einen sei da die sinkende Qualität der Kleidung, zum anderen liege es auch an der großen Menge kaputter und unbrauchbarer Kleiderspenden, die in den Containern lande.
Geringere Qualität der Kleider
Kleidung würde inzwischen sehr viel kurzlebiger produziert werden, sagt Gaißer. In der Folge sinke der Anteil an verwertbarer Altkleidung.
Das meiste der nicht verwertbaren Kleidung würde dazu genutzt, Dämmmaterial, Putzlappen oder Teppiche zu fertigen. Das werfe schon etwas Gewinn ab, sei jedoch für Firmen wie Soex nicht genug, um auch die Kosten für die Entsorgung der gänzlich unbrauchbaren Kleidung zu decken, erklärt der Geschäftsführer.
Vermüllung der Kleidercontainer
Vielen Menschen sei auch nicht klar, dass in die Altkleidercontainer nur gut erhaltene und tragbare Kleidung gehöre, sagt Gaißer. Einiges, was in den Container lande, gehöre einfach in den Hausmüll. Das sei ebenfalls ein Faktor, der zu der wirtschaftlichen Belastung der Entsorgungsunternehmen beitrage.
Auch in Lindau landeten beispielsweise immer wieder durchgelaufene Schuhe, verschmutzte, zerrissene oder abgetragene Kleidung in den Containern. Damit könne jedoch niemand etwas anfangen. „Das Rote Kreuz ist nicht die Müllablage“, betont er.
Renate Jeni vom Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK), der hiesigen zentralen Abfallentsorgung, kennt dieses Problem. Es sei nicht sinnvoll, kaputte und verschmutzte Altkleidung zusammen mit der noch tragbaren im Container zu entsorgen, sagt sie. Das hätte nur zur Folge, dass sie aussortiert und teuer entsorgt werden müssten.
Grund für viele Missverständnisse bei diesem Thema sei die neue EU-Verordnung, meint sie. Seit Anfang des Jahres gilt in der EU die „Verpflichtung zur getrennten Sammlung von Textilabfällen“.
Sie besagt, dass in Zukunft sowohl tragbare als auch zerschlissene Kleidung getrennt entsorgt werden sollen und so nicht mehr im Restmüll landen. Davon seien wir jedoch noch weit entfernt, erklärt Jeni. Aktuell können die Abfallentsorgungsunternehmen der neuen Verordnung noch nicht nachkommen.
Folgen für die anderen Containerbetreiber
Im Landkreis Lindau betreibt jedoch nicht nur das Bayerische Rote Kreuz Altkleidercontainer. Zur Aktion Hoffnung, einer Hilfsorganisation der Diözese Augsburg, gehören ebenfalls 53 Sammelbehälter. Durch die fehlenden BRK-Container steige die Menge an Altkleidern in den Containern der Aktion Hoffnung deutlich an, teilt Sprecherin Karin Stippler mit. Das sorge für Zusatzkosten, beispielsweise durch höheren Personalaufwand beim Einsammeln.
Auch die Lindauer Kolpingfamilie betreibt in Lindau vier Altkleidersammelcontainer. Da ehrenamtliche Mitarbeiter die Container selbst leeren, haben sie keine Schwierigkeiten mit Entsorgungsunternehmen, erklärt der Vorsitzende Thomas Dirmeier. Auch die fehlenden BRK-Container wirkten sich überraschenderweise weniger auf die Kolping-Container aus als befürchtet.
Wie geht es jetzt weiter mit den BRK-Containern?
Teile der insolventen Soex-Gruppe und somit auch die Altkleidercontainer des BRK in Lindau hat der Recycling-Dienstleister IZ Circular Textiles GmbH übernommen, erklärt BRK-Kreisgeschäftsführer Roman Gaißer. Doch das Unternehmen habe künftig keine Logistik für die Leerung mehr. Deshalb könne das BRK Lindau seine Altkleidercontainer nicht mehr weiterführen.
Bereits seit dem ersten Oktober sollte die Recyclingfirma die Container aus Lindau endgültig entfernen, sagt Gaißer. Bisher stehen sie jedoch immer noch. Nun häuften sich die Andeutungen, dass eventuell doch eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem BRK Lindau und dem IZ Circular Textiles bestehen könnte, sagt Gaißer. Bisher sei jedoch noch nicht geklärt, ob diese tatsächlich stattfinden wird.
Roman Gaißer hofft, dass sich noch eine Möglichkeit für die Weiterführung der Kleidercontainer bietet und BRK Lindau und IZ Circular Textiles eine gemeinsame Lösung finden. Die schwierige Situation des Altkleidermarkts macht ihm jedoch wenig Hoffnung. Erstmal bleiben die Container also zugeklebt.