Japankäfer in Lindau: Bayerns erste Quarantänezone ausgewiesen

Der Japankäfer ist ein invasiver Quarantäneschädling mit über 400 Wirtspflanzen. Foto: Aline Knoblauch, EPSD Schweiz

Erst vor einem Jahr war der erste Japankäfer in Bayern aufgetaucht – in Lindau. Seitdem sind weitere Schädlinge in die Falle getappt. Nun legen Behörden Zonen fest, in denen nun bestimmte Regeln gelten. Betroffen sind nicht nur Obstplantagen.

Über die Autobahn, mit Urlaubern aus der Schweiz oder Italien: Der Japankäfer reist „per Anhalter“ und kann mit Autos oder Zügen verschleppt werden. So ist er vermutlich auch nach Lindau gekommen. Erneut sind Käfer in die mit Lockstoffen versehenen Fallen getappt.

„Es wäre höchstdramatisch, wenn der Käfer in großen Mengen auftritt“, sagt Karin Wudler. Die staatliche Obstbau- und Pflanzenschutzberaterin begleitet die Obstbaubetriebe in der Bodenseeregion seit vielen Jahren.

Bilder aus Italien zeigten das Ausmaß: Der Japankäfer hat sich dort verbreitet und frisst ganze Laubbäume ab.

Betroffen ist nicht nur der Obst- und Weinbau. Auch Sport- und Golfplätze, Laubwälder und Gartenbaubetriebe können befallen werden, sagt Karin Wudler. Noch hat sich der Schädling in Lindau nicht ausgebreitet.

Mehr als 400 Pflanzenarten attackiert der Japankäfer, darunter viele Obstkulturen, Wein, Mais, aber auch Zierpflanzen und Bäume wie Ahorn, Birke oder Linde. Wudler betont aber: für Menschen ist der Japankäfer keine Gefahr.

Karin Wudler bei Obstbauer Martin Nüberlin. Hier ging es nicht um den Japankäfer, sondern um den Feuerbrand, eine Pflanzenkrankheit. Foto: Susi Donner

 

Um eine Ausbreitung zu verhindern, wird viel Aufwand betrieben. Nachdem Tiere in die mit Lockstoffen versehenen Fallen getappt waren, wurden von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Sichtkontrollen und Erhebungen angeordnet.

Rund um die Stellen, an denen Japankäfer in Fallen gelockt wurden, wurde eine sogenannte Quarantänezone eingerichtet. Sie besteht aus zwei Befallszonen und einer Pufferzone.

Eine der Befallszonen reicht von den Lindauer Ortsteilen Gitzenweiler und Oberrengersweiler bis nach Weißensberg und umfasst Teile von Rothkreuz und Rehlings. Die zweite Zone liegt im Lindauer Stadtteil Zech und reicht von der Grenze bis Rickenbach oder Oberhochsteg.

Eine Karte mit den betroffenen Gebieten gibt es hier.

„Innerhalb dieser Zone müssen wir Maßnahmen ergreifen, um den Käfer einzudämmen“, sagt Sophia Zellmer, LfL-Sprecherin.

Eine der Vorgaben betrifft die Bewässerung. Sie ist innerhalb der Zone grundsätzlich nicht mehr erlaubt. Für landwirtschaftliche Betriebe gibt es Ausnahmen.

Wer Erde oder Ernte aus der Zone transportiert, muss darauf achten, dass die Larven des Käfers oder der Käfer sich nicht verbreiten. Schließlich könnten sich darin Larven befinden – oder Käfer könnten unbemerkt mittransportiert werden.

Die LfL will in den kommenden Tagen eine Allgemeinverfügung erlassen. Darin werden die genauen Grenzen der Quarantänezone sowie die dort geltenden Maßnahmen und Regelungen festgelegt.

Für Obstbauern machbar – Erdaushub schwieriger

Für die Obstbauern in der Region sind die neuen Regeln nach Einschätzung von Karin Wudler grundsätzlich umsetzbar. Das geerntete Obst werde ohnehin kontrolliert. Im Lager müsse die Ware abgedeckt werden.

Schwieriger wird es beim Thema Erdaushub. Denn während ein ausgewachsener Japankäfer vergleichsweise leicht zu erkennen ist, leben seine Larven im Boden. Sie können dort übersehen und mit Erde weitertransportiert werden.

Auch der Weißensberger Obstbauer Klaus Strodel hält die Maßnahmen grundsätzlich für machbar. Seine Plantagen liegen zwar nicht innerhalb der Befallszone, befinden sich aber in unmittelbarer Nähe.

„Ein neuer Schädling ist immer ärgerlich“, sagt Strodel. Für Obstbauern könne ein Befall im schlimmsten Fall einen erheblichen Ernteausfall bedeuten.

Klaus Strodel in einer seiner Kirschanlagen in Oberreitnau. Foto: Susi Donner

 

Schädlinge und Pflanzenkrankheiten sind für Obstbauern am Bodensee keine unbekannte Gefahr. Der Feuerbrand ist nur ein Beispiel. Nachdem das Thema einige Jahre in den Hintergrund gerückt war, mussten Obstbauern in diesem Jahr wieder ganze Plantagen wegen der Krankheit roden.

Strodel kritisiert, dass es inzwischen keine allgemeine Meldepflicht für Feuerbrand mehr gibt.

Seit dem Inkrafttreten der neuen Pflanzengesundheitsverordnung im Dezember 2019 gilt der Feuerbrand europaweit nicht mehr als Quarantäneschaderreger und ist damit auch nicht mehr meldepflichtig.

Die LfL wird dazu in den kommenden Tagen eine Allgemeinverfügung erlassen. Darin werden die Grenzen der Quarantänezone sowie die dort geltenden Maßnahmen und Regelungen festgelegt.

Beim Japankäfer befürchtet der Obstbauer eine ähnliche Entwicklung: Anfangs werde viel unternommen, um einen neuen Schädling einzudämmen. Irgendwann könnte das Problem jedoch zur Normalität werden – und damit an Aufmerksamkeit verlieren.

Aktuell steht der Japankäfer im Fokus der Behörden. Entscheidend sei nicht nur, was Landwirte und Obstbauern tun, sagt Sophia Zellmer vom LfL. Alle sollten aufmerksam sein und helfen, eine weitere Ausbreitung möglichst früh zu erkennen.

Infoabend in Weißensberg

Über das weitere Vorgehen informiert die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft am Mittwoch, 2. September, um 19 Uhr in der Festhalle Weißensberg.

Die Veranstaltung richtet sich an Bürgerinnen und Bürger aus dem Raum Lindau, landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe sowie alle weiteren Interessierten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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