Bauherr des neuen beruflichen Schulzentrums ist das Landratsamt. Landrat Elmar Stegmann ist froh, dass es losgehen konnte. Der heutigen Berufsschule sieht man nicht nur von außen an, dass sie erneuert werden muss.
Beim heutigen Berufsschulzentrum sorgt der Untergrund für Probleme. Beim 87-Millionen-Euro-Neubau soll alles besser werden. Trotzdem macht ein Förderverein sich Sorgen.
Die acht Meter langen, dicken Schraubpfähle sind schon von weitem zu sehen. Einige von ihnen hat ein spezieller Bagger bereits in den Untergrund geschraubt – teilweise mehrere übereinander. Innerhalb von rund zehn Minuten verschwindet ein massiver Pfahl in der Tiefe.
„Noch machen wir Tests“, sagt Landrat Elmar Stegmann, während er über die große Baustelle direkt neben der heutigen Berufsschule geht.
Die 2000 Schülerinnen und Schüler werden in dem alten Gebäude noch so lange Unterricht haben, bis der Neubau steht. Erst dann erfolgt der Abriss. An der Stelle der aktuellen Berufsschule wird anschließend eine neue Turnhalle geplant.
Der Boden unter den Schuhen des Landrats ist der Grund dafür, dass derzeit verschiedene Pfahlvarianten getestet werden. Er besteht aus Seeton, einer weichen und unbeständigen Schicht. Für einen Neubau ist das ungünstig.
Die Bohrpfähle stehen teilweise auf der Baustelle, teils sind sie schon im Boden verschwunden.
Wie schwierig der Baugrund ist, zeigt auch die Geschichte des heutigen Schulgebäudes. Beim Bau vor rund 45 Jahren wurden Fehler bei der Pfahlgründung gemacht.
Fast 30 Jahre hat der Streit mit der damaligen Baufirma gedauert. Zwar hat der Kreis diesen Prozess letztlich gewonnen. Aber der Untergrund des Schulzentrums konnte nachträglich nicht stabilisiert werden.
Jahrelang hat sich der Gebäudekomplex immer wieder bewegt. Daher kommen auch die Risse im Haus. Und nicht nur das: Viele Bereiche der Schule sind marode, es tropft von der Decke, Fenster und Rollläden sind kaputt.
Uni testet verschiedene Verfahren
„Umso gründlicher muss jetzt untersucht werden“, sagt Elmar Stegmann.
Experten der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität wurden beauftragt, sich den Untergrund genau anzuschauen. Sie haben verschiedene Verfahren für die Pfahlgründung erarbeitet.
Neben den Schraubpfählen wären auch sogenannte Bohrpfähle möglich. Dafür wird ein Loch gebohrt und zum Beispiel mit einem Metallrohr und Beton gefüllt. „Diese Variante wäre möglich, das weiß man schon“, sagt der Landrat. Das Verfahren sei auch schonend genug.
Wenn sich die Schraubpfähle ebenfalls als geeignet erweisen, sollen allerdings sie zum Einsatz kommen. Der Grund: Das Verfahren ist günstiger und schneller.
Parallel zu den Untersuchungen zur Gründung prüfen die Experten der Münchner Universität auch, welche Auswirkungen die Arbeiten auf die umliegenden Gebäude haben könnten.
Die Uni untersucht, ob Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden
sagt der Landrat.
In der Nachbarschaft steht auch das Rainhaus, ein inklusives Wohnprojekt der Lebenshilfe. Dessen Förderverein hat schon mehrmals seine Sorgen wegen des Schulneubaus geäußert.
Klaus Burger, ehemaliger Lindauer Stadtbaumeister, Eugen Baumann, ehemals Leiter Stadtplanung Untere Denkmalschutzbehörde, und Werner Berschneider, Vereinsvorstand, äußern in einem Brief an Landrat und Oberbürgermeisterin ihre Bedenken aufgrund des schlechten Baugrundes.
Sie befürchten eine „erhebliche statische Gefährdung des Rainhauses“. Das Gebäude stehe auf instabilem Grund. Komme es zu Erschütterungen und Vibrationen, „wird der Untergrund weich wie Pudding“, schreibt der Verein.
Das Rainhaus (hier im Hintergrund) befindet sich in der Nachbarschaft des Neubaus.
Elmar Stegmann nimmt die Bedenken ernst, wie er sagt. „Es ist in unserem eigenen Interesse, hier etwas Solides zu bauen.“
Er verweist auf den Bau des Schülerwohnheims, der Realschule im Dreiländereck und der Turnhalle des Bodenseegymnasiums direkt nebenan, die ohne Schäden an den benachbarten Gebäuden gebaut wurden. „Weil man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hatte.“
Außerdem habe der Landkreis speziell ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Der Gutachter kam zu dem klaren Ergebnis, dass es zu keinen Problemen kommen wird“, schreibt Landratsamtssprecherin Sibylle Ehreiser auf Nachfrage.
(K)ein Problem mit den Landschaftsfingern?
Die Kritiker des Projekts sorgen sich zudem um die sogenannten Landschaftsfinger. Sie dienen als Frischluftschneisen und sollen freigehalten werden.
Durch den Neubau werde die rund 150 Meter breite Schneise zwischen (bisheriger) Turnhalle und Rainhaus auf weniger als 40 Meter reduziert und damit ihre wichtige Funktion für das Stadtklima unterbrochen, schreiben die Verfasser des Briefes.
Der Landkreis widerspricht dieser Einschätzung. Die Grünfläche und die Kaltluftschneise würden nach dem Bau nicht nur wiederhergestellt, sondern sogar erweitert, schreibt Ehreiser.
Die für den Bau entfernten Bäume und Grünflächen würden ersetzt. Geplant sei zudem eine weitläufige Grünanlage, die sowohl „Menschen als auch Tieren Raum bieten“ solle.
Zurück auf der Baustelle: Nicht nur die ersten Pfähle stecken jetzt im Boden. Die ehemaligen Kfz-Werkstätten wurden entkernt und ein kleiner Teil der Schule ist bereits abgerissen. Die Werkstatt ist nach Rothkreuz gezogen.
Auch eine Interimstrafostation wurde eingebaut, Kanäle für Wasser und Abwasser wurden verlegt. Im November sind schon die Bodenplatten fürs neue Gebäude dran.
Die FOS-Turnhalle wurde für den Neubau des Berufsschulzentrums bereits abgerissen. Foto: Christian Flemming
Die Turnhalle und das Hausmeisterhäuschen sind längst verschwunden. Unbegleitete geflüchtete Jugendliche, die im Hausmeisterhäuschen vom Landratsamt untergebracht worden waren, wohnten jetzt in Wohnungen im Landkreis.
Über eine neue Turnhalle hat der Kreistag länger diskutiert. Mittlerweile steht fest: Sie soll erst gebaut werden, wenn das Schulgebäude fertig und die bestehende Berufsschule abgerissen ist.
Rund zehn Millionen Euro soll die Turnhalle kosten. Diese Summe kommt auf die rund 87 Millionen Euro für den Schulneubau obendrauf. Beide Projekte werden gefördert.
Bauzeit von fünf Jahren
In etwa fünf Jahren wird der neue Schulkomplex stehen. Ob die Bauzeit eingehalten werden kann, ist ungewiss.
Etwas Zeit ist schon auf der Strecke geblieben. Zehn Monate hat es gedauert, bis die Stadt Lindau die Baugenehmigung für den Neubau erteilte. Die Stadt verwies dabei auf den „Sonderbau“. Wegen seiner Größe und Komplexität sei das Genehmigungsverfahren besonders umfangreich gewesen.
Das neue Schulhaus soll nicht nur moderner sein als das heutige – sondern hoffentlich auch deutlich länger Bestand haben.
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Großen Respekt und Hochachtung vor Herrn Landrat Stegmann und allen Verantwortlichen beim Neubau des Berufsschulzentrums. Da hat man sich zu einer besonders schonenden und für die Bürger und deren Häuser und Gebäuden sehr durchdachten Bohrpfähle-Lösung entschlossen. GROßARTIG!!! Beim Lindauer Bauamt kennt man solche Gedanken an die Bürger nicht. Beim Bau von Kaufland wurden Betonpfähle bis in 30 Meter Tiefe gerammt. In ganz Reutin waren diese Erschütterungen zu spüren. Viele in der Umgebung liegende Häuser und Gebäude wurden zum Teil erheblich beschädigt. Das Bauamt der Stadt Lindau hat sich für die billigste Lösung für den Bauherren und die teuerste Lösung für die Bürger entschieden. Das ist doch mal richtige Bürgernähe.
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Hallo zusammen,
gibt es Informationen zum Hitze – Verhalten des neuen BSZ? 🧐 Aus aktuellem Anlass… LG Hermann
Großen Respekt und Hochachtung vor Herrn Landrat Stegmann und allen Verantwortlichen beim Neubau des Berufsschulzentrums. Da hat man sich zu einer besonders schonenden und für die Bürger und deren Häuser und Gebäuden sehr durchdachten Bohrpfähle-Lösung entschlossen. GROßARTIG!!! Beim Lindauer Bauamt kennt man solche Gedanken an die Bürger nicht. Beim Bau von Kaufland wurden Betonpfähle bis in 30 Meter Tiefe gerammt. In ganz Reutin waren diese Erschütterungen zu spüren. Viele in der Umgebung liegende Häuser und Gebäude wurden zum Teil erheblich beschädigt. Das Bauamt der Stadt Lindau hat sich für die billigste Lösung für den Bauherren und die teuerste Lösung für die Bürger entschieden. Das ist doch mal richtige Bürgernähe.