Wo kann am Neubau der Berufsschule gespart werden? Wie es weiter geht, wird in einer Sondersitzung am 15. Mai entschieden.
Ganz so hoch wie bei der Stadt Lindau sind die Schulden des Landkreises zwar noch nicht – aber auch dort steigen sie immer weiter an. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Kreistags zum Haushalt klar. Trotzdem wird der Kreis in den nächsten Jahren viel Geld für den Bau eines neuen Berufschulzentrums ausgeben.
Hatte der Landkreis Lindau Ende 2023 noch zehn Millionen Euro Schulden, waren es 2024 schon mehr als 16 Millionen Euro. In diesem Jahr steigen sie nochmal um zwei Millionen Euro und auch in den nächsten Jahren gehen Schulden weiter nach oben. Um genug Geld zu haben, muss der Kreis einen Kredit in Höhe von rund vier Millionen Euro aufnehmen.
In diesem Jahr gibt der Kreis besonders viel Geld aus für Personalkosten und Soziales. Auch die Abgabe an den Bezirk Schwaben fällt ins Gewicht.
Das Volumen des Haushalts 2025 liegt bei rund 123 Millionen Euro. Der Kreistag beschloss diesen mit zwei Gegenstimmen. Diese kamen von den beiden AfD-Kreisräten.
Ein großer Kostenpunkt kommt erst noch in den nächsten Jahren auf den Kreis zu: der geplanten Neubau des Berufsschulzentrums in Lindau. Im aktuellen Haushalt sind, wie schon im Haushalt von 2024, zwar erst einmal nur 30.000 Euro veranschlagt.
Insgesamt sind aber laut einer aktuellen Kostenschätzung rund 98,4 Millionen Euro für den Neubau des Schulzentrums und Sporthalle vorgesehen, so die Sprecherin des Landratsamts, Sibylle Ehreiser, auf Nachfrage von Kolumna. Etwa die Hälfte wird gefördert.
Einigen Räten waren die Kosten zu hoch
Im vergangenen Sommer sind einige Kreisräte über die hohen Kosten für den Neubau erschrocken.
In einer Sondersitzung im Herbst beratschlagte der Haushaltsausschuss deshalb, wie und wo man noch Geld sparen könnte.
„Wir haben die Kosten kritisch hinterfragt und wurden dafür auch kritisiert“, sagt Ulrich Pfanner (CSU) in seiner Rede zum Haushalt und richtete sich damit an seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreistag. Allerdings ließen sich 20 Prozent der Gesamtkosten einsparen.
Alexander Kiss (Grüne) geht in seiner Rede näher darauf ein. Demnach seien das 24 Millionen Euro Einsparpotential. Laut eines Beraters sei aber auch klar: „Das Ding ist ausgequetscht.“
Sondersitzung zur Berufsschule am 15. Mai
„Planer sowie der Projektsteuerer erhielten den Auftrag, konkrete Einsparvorschläge zu erarbeiten“, sagte Landrat Elmar Stegmann (CSU) in seiner Rede zum Haushalt.
In einer Sondersitzung am 15. Mai soll es nochmal intensiv um den Neubau gehen. Dann soll der Kreistag entscheiden, wie es weitergeht. Einen Baubeschluss gibt es noch nicht – falls der kommt, könnte es im nächsten Frühjahr mit dem Bau losgehen.
Während der Kreistag noch über Einsparungen diskutiert, werden vor Ort bereits Tatsachen geschaffen. Bauarbeiter haben hinter der Berufsschule schon 32 Bäume gefällt. Der Grund: „Die Vorabmaßnahmen wie beispielsweise der Kanalumbau sollen nach der Entscheidung im Kreistag zeitnah durchgeführt werden können“, schreibt Landratsamtssprecherin Sibylle Ehreiser auf Nachfrage.
Da die Bäume ansonsten erst wieder im Oktober gefällt werden dürften, habe man die Arbeiten vorgezogen. Alles andere hätte das Projekt verzögert und für höhere Kosten gesorgt, so Ehreiser.
Berufsschule ist in schlechtem Zustand
Der bauliche Zustand des Schulgebäudes ist so miserabel, dass ein Neubau dringend notwendig ist. Ein Rundgang durch die Schule mit Kreisrätinnen, -räten und der Presse im vergangenen Sommer zeigte den Zustand der Schule: Fenster sind defekt, es tropft von der Decke, nasse Wände schimmeln. Außerdem ist das Haus in einem energetisch schlechten Zustand.
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