Am Neubau für Caritas und Elektro Herz in Reutin gibt es Kritik

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Lindau
Ein Maisacker.
Im Heuriedweg ist der eigentlich Neubau eines Büros- und Lagergebäudes geplant.
Foto: Christian Flemming

Der Bauausschuss hat trotzdem für das Projekt gestimmt. In dem Gebäude im Heuriedweg soll die Lindauer Tafel eine neue Heimat bekommen. Direkt nebenan will sich die Firma Elektro Herz ansiedeln. Aber der Neubau ragt zum Teil in den Landschaftsfinger.

Noch ist nur ein Maisacker zu sehen. Hier, im Heuriedweg in Reutin, nicht weit weg von Wertstoffhof, Kaufland und vielen anderen Lindauer Firmen, wird ein gewerblicher Neubau entstehen.

„Das ist der Auftakt zu etwas Neuem“, sagte Architekt Andreas Hammer am Dienstagabend im Bauausschuss. Die Fläche schließt an das Gewerbegebiet Heuriedweg an, die Stadt sieht in dem Standort Entwicklungspotential.

Zum einen wird die Lindauer Tafel in den Neubau einziehen. An deren jetzigem Standort, nur ein paar hundert Meter weiter, gibt es zu wenig Platz für eine große Nachfrage. Und auch die Filiale von Elektro Herz in der Köchlinstraße platze „aus allen Nähten“, wie Architekt Hammer sagte.

Was genau ist geplant?

Der Tafelladen soll ins Erdgeschoss kommen. In den drei Stockwerken darüber plant die Caritas geförderte Wohnungen. Dort sollen mehrere eher kleine Wohnungen entstehen. In der Sitzungsvorlage ist von einer inklusiven Wohngemeinschaft die Rede. Das Gebäude der Caritas wird etwas höher als das daneben.

Die Karte zeigt, wo der Neubau entsteht:

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Mehr Informationen
So soll der Neubau im Heuriedweg aussehen.
Grafik: Bpm

Rechts davon ist der Verkaufsraum von Elektro Herz geplant, mit Parkplätzen davor. Ins zweite Geschoss kommen Büros und dahinter, in einem flachen Gebäude, eine große Lagerhalle. Außerdem sind Werkstatt, Anlieferung und Warenannahme geplant. „Insgesamt bedeutet das viel Verkehr“, stellte der Architekt klar.

Zu viel Verkehr, finden Anwohner

Anwohnerinnen und Anwohner machen sich deshalb Sorgen. Sie finden, dass in der Straße – spätestens seit dort vor drei Jahren ein Kaufland eröffnet hat – ohnehin schon viele Autos und auch Lastwagen unterwegs sind.

„Ich schreibe gerade wieder an die Stadtverwaltung“, sagt Monika Schwendinger, die sich gemeinsam mit anderen schon vor einiger Zeit in einem Schreiben an die Verwaltung gewandt hat mit der Forderung: „Keine weitere Bebauung im Heuriedweg“. Sie hatten kein Erfolg.

Die Anwohnerin kann nicht verstehen, wieso ein Neubau nötig ist, schließlich gebe es in der Umgebung einige leerstehende gewerbliche Gebäude. „Der Verkehr ist zu viel.“

Lindau braucht mehr Gewerbeflächen

Verwaltung und Stadtrat sehen die Probleme offenbar nicht. Die Fläche im Heuriedweg sei eine der wenigen, wo man gewerblich entwickeln könne, sagte Stadtplanerin Iris Möller im Ausschuss. Und Lindau braucht mehr Gewerbeflächen – das wurde in einem Konzept vor zwei Jahren klar. Deshalb soll dort, wo sich ohnehin schon Gewerbe befindet, nachverdichtet und Gewerbeflächen entwickelt werden.

Das Projekt wirft noch einen anderen Kritikpunkt auf: Der Neubau ragt in den Landschaftsfinger „In den feuchten Senken“, der sich über Heuried und Rickenbach erstreckt. Die fünf Lindauer Landschaftsfinger wurden eigentlich definiert, um Wälder, Wiesen und Parks zu schützen und frische Luft in die Stadt zu bringen.

Ein Plan
Diese Grafik zeigt, wie weit der Bau in den Landschaftsfinger (in grün) hineinragt.
Grafik: Verwaltung

„Es vergeht kein Quartal, in dem wir nicht am Rand eines Landschaftsfingers sagen, dass dort oder hier noch etwas Kleines hinkommt“, ärgerte sich  Ausschussmitglied Pius Bandte (Bunte Liste).

Christiane Norff (ÖDP) wog ab. „Mir widerstrebt dieser Neubau, aber ich stimme zu, weil die Caritas das unbedingt braucht.“

Stadtplanerin Iris Möller verteidigte den Neubau. „Der Landschaftsfingerplan ist ein Papierplan“, sagte sie. Und dieser müsse ausgeplant und gestaltet werden. „Wir wollen im Vertrag sichern, dass Bäume gepflanzt werden und das ist besser als ein Maisfeld.“ Außerdem sei ein Fußweg geplant, der auch Teil des Landschaftsfinger-Konzeptes ist. Im Gewerbegebiet werden sonst eigentlich keine Landschaftsfinger ausgebaut, so Möller.

Pius Bandte und Laura Brombeis von der Bunten Liste sowie Angelika Rundel (SPD) stimmten gegen das Projekt. Alle andere Mitglieder, und damit eine deutliche Mehrheit, dafür.

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Uwe Peschka
    22.05.2025 20:34

    .. es haben also nur 3 Stadträte/innen dagegen gestimmt? Wo bleibt denn der Einsatz der ökologisch ausgerichteten Stadtratsmitglieder? Das ist tatsächlich sehr übel – zumal auf den Plan erkennbar ist, dass man das Problem mit einer leicht anderen Planung des Gebäudes hätte vermeiden können.

  • Dieter Fürhaupter
    23.05.2025 09:18

    Im Bau- und Umweltausschuss wurde mehrfach betont, dass es eine der letzten Gewerbeflächen ist, die man entwickeln kann. Gleichzeitig sprach man von einem „großartigen Entree“ in ein Gewerbegebiet, dass – wenn man näher hinschaut – ausschließlich von Zweckbauten gesäumt ist. Besonders dreist ist es jedoch, dass man den aus gutem Grund festgelegten Landschaftsfinger mehr oder minder aufgibt. Aus den Planungsunterlagen geht hervor, dass von den ursprünglich gut 40 Metern Breite jetzt nur noch 25 Meter (Reduzierung um 37,5 %) übrigbleiben. Hierbei ist zu erkennen, dass das Bauvorhaben Herz den Landschaftsfinger ankratzt, das Gebäude der Caritas sich aber zu 100 % auf dem Gebiet des Landschaftsfingers befindet. Und das für ein Gebäude, dass man der Bevölkerung als Gewerbe „verkaufen“ will. Für mich handelt es sich aber um eine Sozialeinrichtung (EG) und um Wohnungen (1. bis 3. OG).
    Insgesamt hat sich die Bauverwaltung bei diesem Vorgang nicht mit Ruhm bekleckert und bitte denkt in Zukunft daran, dass es nicht nur Bauausschuss, sondern auch Umweltausschuss heißt.

  • […] Am Neubau für Caritas und Elektro Herz in Reutin gibt es Kritik […]

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