Bei den Bunten war das so geplant. Als Max Strauß und Uli Kaiser bei der letzten Wahl wieder in den Rat gewählt wurden, hatten sie bereits vereinbart, dass sie noch während der Legislaturperiode Platz machen wollen für eine Frau. Vor drei Jahren ist dann Laura Brombeis für Uli Kaiser nachgerückt und 2024 Ronja Bandte-Gebhard für Max Strauß.
Viele kleben auf ihrem Stuhl
,sagt Max Strauß, der selbst mehrere Jahrzehnte Stadtrat war. Und schiebt selbstkritisch hinterher: „Ich ja auch. Vielleicht war das ein Fehler und ich hätte schon nach zwei Legislaturperioden sagen sollen, dass ich gehe.“
Schließlich habe er nicht die Perspektive einer Frau. „Der alte weiße Mann kann die Zukunft nicht gestalten“, sagt Max Strauß.
Frauenthemen sprechen eher Frauen an
Nur mit Frauen werden alle Themen angesprochen, sagt auch die Friedrichshafener Dozentin Defne Erzene-Bürgin. Frauen hätten zum Beispiel ganz andere Bedürfnisse an eine Stadtplanung. Für bezahlbaren Wohnraum, alleinerziehende Mütter, Altersarmut bei Frauen, ausreichende Ganztagsbetreuung, Beleuchtung der Straßen oder Plätze in Frauenhäusern setzten sich hauptsächlich Frauen ein.
Für die Frauenquote
Erzene-Bürgin ist für eine Frauenquote in den kommunalen Gremien. „Zumindest solange Frauen unterrepräsentiert sind.“ Sobald wieder für alle Parteien 50 Prozent der Räte weiblich sind, könne man die Regel auch wieder aufheben.
Nur so könnten Frauen genügend Netzwerke aufgebaut und sich strukturell und kulturell etwas verändern.
Claudia Alfons hat ihre Meinung zu einer Frauenquote geändert
Im Studium und den ersten Berufsjahren war Claudia Alfons noch gegen eine Quote. „Weil ich dachte, ich sehe doch, dass ich auch als Frau beruflich erreichen kann, was ich mir vornehme“, schreibt sie.
Mittlerweile hat die Lindauer Oberbürgermeisterin ihre Meinung geändert. Denn sie merke jetzt, dass sie zumindest auf kommunalpolitischer Ebene viel zu oft die einzige Frau allein unter Männern sei. Sie sei mittlerweile überzeugt, „dass wir aufgrund der bestehenden Kultur und Struktur sonst noch sehr, sehr lange brauchen werden, bis wir wirklich eine Gleichheit von Frauen und Männern erreicht haben.“ Wie es Artikel 3 des Grundgesetzes übrigens seit mehr als 75 Jahren zum Ziel setzt.