Die Pfosten sollten den Schulweg sicherer machen. Sie waren aber nicht jedem recht: Immer wieder wurden sie demoliert, herausgerissen und gestohlen. Eltern beschweren sich nach wie vor über die Situation – jetzt rüstet die Verwaltung nach.
Seit Jahren wird über die Kreuzung am ehemaligen Coca-Cola-Gelände diskutiert. Fünf Straßen aus unterschiedlichen Richtungen kommen hier zusammen. Für Kinder ist die Situation oft unübersichtlich, Autos und Lastwagen halten sich nicht immer ans Tempolimit.
Vorgestern ist unser Kind knapp einem Autounfall auf dem Weg zum Spielplatz entkommen
, erzählt Lukasz Gregorczyk. Er ist Vater von zwei Kindern, die regelmäßig die tückische Kreuzung überqueren müssen. Das Kind wäre auf seinem Fahrrad fast mit einem Auto kollidiert. „Zum Glück hat der Autofahrer noch ausweichen können.“
Seit eineinhalb Jahren beschäftigt Lukasz Gregorczyk die Situation, er hat etliche E-Mails an die Verwaltung geschickt, ähnlich wie auch andere Eltern ‐ vor allem die Reutiner Grundschule mit dem dortigen Elternbeirat setzte sich ein.
Daraufhin stellte die Stadt im Sommer 2023 mehrere sogenannte flexible Pfosten dort auf. Flexibel deshalb, weil sie einen Neigungswinkel haben und beweglich sind, auch überfahren werden können.
Auf der Karte seht ihr, wo die Kreuzung sich befindet: unterhalb des Neubaugebietes „Oberes Rothenmoos“ und neben dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände. Auch hier ist ein Baugebiet geplant.
Die Pfosten machten aus der fünfarmigen Kreuzung eine dreiarmige. Autofahrerinnen und Autofahrer, die von der einen Richtung kommen, müssen dadurch einen Umweg nehmen.
Für Eltern und Kinder war es zunächst eine Verbesserung. Die Kinder fühlten sich sicherer, der Autoverkehr hatte abgenommen. Anwohner hingegen fanden: Die Poller bringen nichts. Denn trotz allem rasten Autofahrer noch auf der Vorfahrtsstraße entlang.
Aber mit den Pfosten gab es immer wieder Ärger: Sie wurden demoliert und herausgerissen. Bei der Polizei liegen mehrere Anzeigen wegen Diebstahls und Sachbeschädigung vor, wie diese auf Nachfrage mitteilt. Einen Täter konnten die Beamten nie ermitteln. Bei der Stadt sind Beschwerden eingegangen. Teilweise seien die flexiblen Pfosten gezielt überfahren worden.
In den vergangenen zwei Jahren wurden 22 Pfosten ausgerissen, schreibt Stadtsprecherin Bettina Wind. Insgesamt musste die Stadt etwa 1500 Euro für neue Pfosten ausgeben.
„Wurden sie ersetzt, waren sie am nächsten Tag eigentlich schon wieder weg“, sagt Vater Lukasz Gregorczyk, der mit seiner Familie in der Nähe wohnt. Bis heute werden Pfosten herausgerissen. Teilweise stehen dort gar keine mehr. Gregorczyk ärgert sich darüber und kann nicht verstehen, wieso Menschen so handeln.
Immer wieder forderten Eltern auch einen Zebrastreifen oder einen Kreisverkehr. Beides ist laut Verwaltung nicht machbar. Für einen Kreisverkehr sei es zu eng und die Straßen zu steil, schreibt Wind. Und für einen Zebrastreifen sei die Querung in Nord-Süd-Richtung zu lang.
Trotzdem muss eine andere Lösung her – das sieht mittlerweile auch die Verwaltung so. Noch in den Sommerferien sollen feste Absperrbügel eingebaut werden, schreibt Wind. Damit die Feuerwehr noch durchkommt, werden sogenannte „Feuerwehrpfosten“ aufgestellt, die diese aufschließen kann. Das hätten Garten- und Tiefbaubetriebe, Straßenverkehrsbehörde und Polizei gemeinsam entschieden.
Zwischenlösung, bis das Baugebiet fertig ist
Vater Lukasz Gregorczyk freut sich über diese Entscheidung. „Wenn dann Autos nicht mehr kreuzen können und die Straßen dauerhaft gesperrt sind, ist das eine Verbesserung“, sagt er.
Den Kindern gebe das mehr Orientierung – und ihm ein besseres Gefühl, wenn sie sich auf den Weg zur Schule oder auf den Spielplatz machen.
Wie auch schon die Pfosten sollen sie nur eine Zwischenlösung sein. Denn die Kreuzung soll im Zuge der Entwicklung des Baugebiets „Oberes Rothenmoos“ umgebaut werden, schreibt Wind.
Wann das dran ist, ist laut der Sprecherin der Stadt aber noch unklar. „Aktuell liegt der Stadt noch keine finale Planungslösung für den umfangreichen Umbau der Kreuzungssituation vor.“
3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Es gibt eine positive Entwicklung seit diesem Jahr, die man auf den Plan leider gar nicht sieht: Die Stadt hat, nachdem die Eltern viele Kontakte gepflegt haben und auch schon berichtet wurde, einen Weg angelegt, der unterhalb der Kreuzung mit einer Fahrbahnverengung versehen ist und für die Kinder vom Hasenbank gut nutzbar ist. Das hat zumindest erheblich zur Verbesserung beigetragen. Für die Kinder, die aber mit den Fahrrad fahren oder aus anderen Gründen direkt an der Kreuzung die Straße queren wollen oder müssen, bleibt es sehr gefährlich … übrigens auch die alle anderen Radfahrer und Erwachsene auch! Es hiess, dass erst der kommende Umbau der gesamten Kreuzung hier Abhilfe schaffen kann, weil die Lage dort eben so schwierig ist.
Es wurde doch auch ein neuer Fussweg mit Querungshilfe weiter vorne gemacht. Reicht das nicht aus, dass die Kinder jetzt dort sicherer über die Straße können? Man sollte meinen, dass man seinem Kind doch diesen Weg zeigen könnte, statt vorne über die Kreuzung zu laufen. Kommt dieser Weg dann auch wieder weg im Zuge der Umgestaltung?
Richtig, die Querungshilfe hilft zumindest an einem Teil der Kreuzung. Allerdings betrifft sie ja nicht den Teil, an dem die Pfosten stehen (oder nur indirekt). Sie sorgt auch nicht für weniger Verkehr an der Kreuzung. Das ist der Grund, weshalb ich es nicht ausgeführt habe. Dennoch vielen Dank für den Hinweis, ich werde es in der Grafik noch ergänzen.