Zum Ausbildungsstart am 1. September sind viele Stellen noch frei. Vor allem in der Industrie werden Auszubildende gesucht. Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz den Berufswunsch junger Menschen – aber anders, als ihr vielleicht denkt.
Im Allgäu und in Lindau starten mehr als 2900 junge Menschen eine Berufsausbildung bei Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Das sind weniger neue Ausbildungsverträge als im Vorjahr, teilt die IHK mit.
„Angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage können wir mit diesem Ergebnis zufrieden sein“, wird Christian Fischer zitiert, stellvertretender Leiter des Bereichs Berufliche Bildung bei der Industrie- und Handelskammer in Schwaben.
Mit dem Ausbildungsstart am 1. September sei die Vermittlung noch nicht abgeschlossen. Erfahrungsgemäß kommen in den folgenden Wochen weitere Ausbildungsverhältnisse zustande. Im IHK-Ausbildungsatlas sind derzeit rund 1700 freie Ausbildungsplätze in Bayerisch-Schwaben gemeldet, darunter zahlreiche Stellen, die kurzfristig besetzt werden können.
Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten daher weiter auf die Suche gehen. „Wer bei der Wahl des Berufs und auch beim Ausbildungsort flexibel ist, hat weiterhin gute Chancen“, sagt Fischer.
Gastronomie legt deutlich zu
Besonders die Industrie spürt die schwache Konjunktur und den anhaltenden Strukturwandel. Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge in gewerblich-technischen Berufen ist um 6,5 Prozent zurückgegangen. Bei kaufmännischen Ausbildungsberufen in der Industrie beträgt der Rückgang rund 16 Prozent.
Deutlich positiver entwickele sich dagegen das Hotel- und Gaststättengewerbe: Hier wurden bislang fast 17 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Fischer sieht darin vor allem einen Ausdruck des hohen Fachkräftebedarfs. „Diese Branche hat enormen Nachholbedarf.“
Auch im Verkehrs- und Transportgewerbe steigt die Zahl der neuen Ausbildungsverträge weiter. Stabil entwickeln sich die Ausbildungszahlen in der Banken- und Versicherungsbranche sowie im Handel.
KI verändert die Berufswahl
Die Entwicklung zeige, wie sich die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und die Interessen junger Menschen veränderten. Der technologische Wandel und der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz spielten dabei eine wichtige Rolle.
„Anwendungsbezogene Fähigkeiten gewinnen durch KI immer mehr an Bedeutung“, erklärt Fischer. Eine Ausbildung vermittle neben theoretischem Wissen insbesondere praktische Kompetenzen, die in der Wirtschaft gefragt seien. Das werde auch bei der Berufswahl für Jugendliche und ihre Eltern zunehmend wichtiger.
„Gerade Berufe, in denen persönliche Dienstleistung und Service eine wichtige Rolle spielen, wie etwa in der Gastronomie, erscheinen vielen jungen Menschen als zukunftssichere Option“, sagt Fischer.
Zu den Berufen mit den meisten neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zählen wie in den vergangenen Jahren Verkäuferinnen und Verkäufer, Industriemechanikerinnen und Industriemechaniker sowie Kaufleute im Einzelhandel.
IHK setzt auf Berufsorientierung
Eine Herausforderung bleibe das sogenannte Matching von Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben. Die IHK Schwaben habe deshalb ihre Angebote zur Berufsorientierung weiter ausgebaut.
Mit dem IHK-Ausbildungsmobil waren Beraterinnen und Berater an Schulen in Bayerisch-Schwaben unterwegs. Gemeinsam mit Ausbildungsscouts informieren sie Jugendliche über Ausbildungsberufe und berufliche Perspektiven. Auch ehrenamtlich engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen die Berufsorientierung – etwa durch Firmenbesuche, Praktika und Schulpartnerschaften.
Digitale Angebote wie der IHK-Ausbildungsatlas sollen Jugendlichen zusätzlich dabei helfen, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden.
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