Dieser Versorgungspool soll Hausärzte im Landkreis Lindau unterstützen

Kurz und knapp
Landrat Elmar Stegmann, Thea Völker (NäPa in der Praxis Dr. Raimund Bischof) und Dr. Raimund Bischof.
Foto: Landkreis Lindau / Nadja Krassik

Immer mehr Patienten, zunehmende chronischer Erkrankungen und mehr organisatorische Anforderungen – viele Hausarztpraxen im Landkreis Lindau brauchen Unterstützung. Ein wichtiger Baustein könnten laut Landratsamt Praxisassistenten sein.

Es handele sich dabei um erfahrene medizinische Fachangestellte, die eine Zusatzqualifikation absolviert haben. Kurz heißen sie „Verah“ und „NäPa“. Verah bedeutet „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“, NäPa steht für „Nichtärztliche Praxisassistentin“, wie das Landratsamt Lindau in einer Mitteilung schreibt. 

Das System ist laut Landratsamt bereits etabliert und die Leistungen könnten entsprechend abgerechnet werden. Auch im Landkreis Lindau gibt es bereits Arztpraxen, die diese Kräfte einsetzen.

Versorgungspool geplant

Um noch mehr Praxen diese Entlastung zu ermöglichen und die Versorgung von Patienten zu stärken, plant der Landkreis einen „Versorgungspool“. Mit Unterstützung des ärztlichen Kreisverbandes läuft derzeit eine Bedarfsabfrage in den Arztpraxen im Landkreis.

„Die wohnortnahe hausärztliche Versorgung ist für unseren Landkreis von zentraler Bedeutung“, wird Landrat Elmar Stegmann zitiert.

Hausarztpraxen im Landkreis hätten vermehrt zurückgemeldet, dass sie Unterstützung brauchen. Der Einsatz solcher Assistenzkräfte wurde auch in den Workshops, die der Landkreis im Rahmen der Erstellung des Konzepts zur ambulanten Versorgung gemeinsam mit dem Unternehmen 2perspectives durchgeführt hatte, diskutiert. Die aktuell laufende Abfrage bei den Arztpraxen sei ein weiterer Umsetzungsschritt dieses Konzepts.

Praxis in Lindenberg sammelt positive Erfahrungen

Für die Bevölkerung bedeute ein solcher Versorgungs-Pool langfristig mehr Kontinuität in der Betreuung, zusätzliche Hausbesuche, eine engere Begleitung bei chronischen Erkrankungen und eine stabile ambulante Versorgung im gesamten Landkreis, so das Landratsamt.

Gut funktioniere das Modell bereits bei der Hausarztpraxis von Dr. Raimund Bischof in Lindenberg, die bereits mit einer spezialisierten NäPa arbeitet. Hausbesuche könnten dort gezielter organisiert werden, chronisch erkrankte Patientinnen und Patienten erhalten eine engmaschigere Begleitung, und Ärztinnen und Ärzte gewinnen Zeit für komplexe medizinische Entscheidungen.

Warum ein Versorgungspool?

Nicht jede Hausarztpraxis verfügt über die personellen und organisatorischen Möglichkeiten, eine eigene Verah oder NäPa dauerhaft zu beschäftigen. Gerade kleinere Praxen stünden vor der Herausforderung, zusätzliche Qualifikationen, Arbeitszeitmodelle und finanzielle Planung eigenständig umzusetzen. Hier setzt die Idee eines regionalen Versorgungspools an.

Durch eine Bündelung der Ressourcen könnten mehrere Praxen profitieren. Qualifizierte Fachkräfte könnten flexibel eingesetzt werden, ohne dass jede Praxis die gesamte Struktur allein vorhalten muss.

Was genau sind Verah oder NäPa?

Medizinische Fachangestellte können eine entsprechende Weiterbildung machen. Diese umfasst sowohl theoretische als auch praktische Inhalte, unter anderem Hausbesuchskompetenz, Fallmanagement, strukturierte Betreuung chronisch erkrankter Menschen, Notfallmanagement sowie organisatorische und koordinierende Aufgaben im Versorgungsprozess.

Die NäPa-Qualifikation baut laut Landratsamt in der Regel auf der Verah-Fortbildung auf und erweitert diese um zusätzliche Kompetenzen. Beide Abschlüsse seien anerkannte Qualifikationen im Rahmen ärztlich delegierter Leistungen.

Qualifizierte Praxisassistentinnen übernehmen unter ärztlicher Verantwortung unter anderem Hausbesuche bei immobilen oder chronisch erkrankten Patientinnen und Patienten und unterstützen in vielen anderen Bereichen. Sie wirken damit als wichtige Schnittstelle zwischen Praxis, Patientinnen und Patienten sowie dem sozialen Umfeld.

Wesentlich ist dabei: VERAH und NäPa ersetzen keine Ärztinnen oder Ärzte. Sie arbeiten im Team und ergänzen die ärztliche Tätigkeit. Ziel ist es, ärztliche Zeit dort einzusetzen, wo sie medizinisch am dringendsten benötigt wird, und gleichzeitig die kontinuierliche Betreuung der Patientinnen und Patienten zu stärken.

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