Bürgermobil Paule geht an den Start – Mobilität für alle

Gruppenbild mit Paule: Am 1. Oktober sind die ersten Fahrten mit dem Bürgermobil. Das Fahrzeug, steht bereit, ebenso die Fahrer, Fahrerinnen und Koordinatorinnen. Im Bild die Vereinsvorsitzende Bärbel Schmid (hellblaue Jacke neben dem Schriftzug) Kassier Andreas Hauber (im Rollstuhl), sowie rechts hinter ihm die stellvertretende Vorsitzende Kathrin Garloff, dazu einige der künftigen Fahrerinnen, Fahrer und Koordinatorinnen.
Foto: Susi Donner

Am 1. Oktober startet in den Gemeinden Sigmarszell, Hergensweiler und Weißensberg ein Projekt, das die Mobilität im Alltag nachhaltig verbessern soll: das Bürgermobil „Paule“. Getragen von einem Verein, richtet sich der Fahrdienst insbesondere an ältere Menschen und Personen mit Mobilitätseinschränkungen.

Der Gedanke hinter „Paule“ ist ebenso schlicht, wie wertvoll: Wer kein eigenes Auto mehr nutzen kann oder möchte, soll dennoch zu Arztterminen, Therapien, Einkäufen oder Treffen gelangen. Der Service ist kostenlos, lediglich freiwillige Spenden werden erbeten, um die laufenden Kosten wie Versicherung, Kraftstoff und Wartung zu decken.

Der Verein Bürgermobil Paule organisiert das Projekt komplett ehrenamtlich. Rund 100 Mitglieder haben sich in der Gründungsphase angeschlossen. Aktuell engagieren sich rund 20 Fahrerinnen und Fahrer, vier Koordinatorinnen und die Vorstandsmitglieder.

Ausstattung und Finanzierung

Das Herzstück des Projekts ist ein Peugeot Partner, der bereits rollstuhlgerecht umgebaut war, als er dem Verein im Frühsommer 2025 aus Reutin angeboten wurde, wie Bärbel Schmid, die Vorsitzende des Vereins erzählt. Mit seiner Rampe und der seitlichen Schiebetür ermöglicht er auch Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen einen komfortablen Einstieg.

„Die Bürgerschaft freut sich sehr, dass es endlich losgeht“, sagt Bärbel Schmid. „Wir sind im Sommer schon immer wieder gefragt worden, wann der Paule denn losfährt.“

TÜV, Werkstatt und Gutachten haben bestätigt: Das Fahrzeug ist in bestem Zustand. Die Gemeinden Sigmarszell, Hergensweiler und Weißensberg leisten jeweils 7.000 Euro Anschubfinanzierung. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge.

Für das Jahr 2026 hat das Landratsamt zudem eine einmalige Unterstützung von 20.000 Euro zugesagt, um die Finanzierung zu stabilisieren. Künftig muss sich das Bürgermobil aber aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden selbst tragen.

Vorbereitung und Organisation

Bärbel Schmid, Seniorenbeauftragte in Sigmarszell und im lokalpolitischen Umfeld bekannt, hat das Projekt initiiert. Bei der Gründungsversammlung im Mai wurden Kathrin Garloff als stellvertretende Vorsitzende und Andreas Hauber als Kassier benannt. Beide unterstützen das Bürgermobil von Anfang an. „Der Bedarf für das Bürgermobil ist enorm“, sagt Hauber.

Die Sommerpause haben die Initiatoren intensiv genutzt: Das Fahrzeug wurde im Juni gekauft und zwischenzeitlich wurde eine Garage im Haus Sonne in Sigmarszell als Standort gefunden. Anschließend absolvierten die rund 20 Fahrerinnen und Fahrer aus allen drei Gemeinden eine Erste-Hilfe-Auffrischung mit besonderem Fokus auf ältere und gehandicapte Menschen.

Foto von einem Auto mit Rollstuhl.

Dazu kamen eine detaillierte Fahrzeugeinweisung sowie praktische Übungen, wie Rollstühle sicher eingeladen und fixiert werden. „In vier Wochen setzen wir uns zur ersten Reflexion zusammen und prüfen, ob wir Abläufe anpassen müssen“, erklärt Vereinsvorsitzende Bärbel Schmid, die auch Seniorenbeauftragte in Sigmarszell ist.

Vier ehrenamtliche Koordinatorinnen wechseln sich künftig am Paule-Telefon ab, über das die Buchungen laufen. „Wir sind alle schon freudig aufgeregt“, sagt Kathrin Garloff.

Lothar Schütze aus Hergensweiler erzählt: „Ich habe mich spontan als Fahrer gemeldet, weil ich der Meinung bin, dass ich als Rentner meine Zeit so sinnvoll nutzen kann. Das ist für die Leute, die ich fahren werde, schön – und für mich auch.“

Als eine der Koordinatorinnen am Telefon engagiert sich Renate Stegmüller aus Weißensberg. Sie springt auch als Fahrerin ein, wenn Not am Mann ist. „Ich finde es wichtig, etwas fürs Bürgermobil zu tun, solange man selbst noch rüstig ist“, sagt sie. „Irgendwann lasse ich mich dann fahren.“

So geht’s: Fahrten mit dem Bürgermobil „Paule“

Ab Montag, 29. September, ist das Paule-Telefon freigeschaltet. Fahrtwünsche können von Montag bis Freitag, 9 bis 11 Uhr, unter 0176/60951741 angemeldet werden. Die ersten Fahrten starten am Mittwoch, 1. Oktober. Die Nutzung ist kostenlos, Spenden sind willkommen.

Mitfahren dürfen Seniorinnen und Senioren, die kein eigenes Auto mehr haben oder nutzen wollen/können, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die Unterstützung beim Erreichen von Terminen, Einkäufen oder sozialen Kontakten brauchen und Begleitpersonen, wenn sie für die Fahrt notwendig sind

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