Boote müssen schon ins Winterlager: In den Häfen wird es eng

Wegen des niedrigen Wasserstands müssen seit Juli in Nonnenhorn immer mehr Boote auswassern.
Alle Fotos: Isabel de Placido

Der Regen hat daran nichts geändert: Der niedrige Pegel macht den Bootsbesitzern zu schaffen. Boote mussten bereits in ihre Winterlager gebracht werden – und das zur besten Wassersportzeit. Auf den städtischen Haushalt hat das ebenfalls Auswirkungen.

„So extrem war’s noch nie“, sagt Wolfgang Semmlinger und meint damit den Wasserstand des Sees. Der Nonnenhorner Hafenmeister erzählt, dass es schon immer Jahre gegeben habe, in denen Bootsbesitzer später als üblich einwassern konnten. Teils waren sie wegen wenig Regens auch schon gezwungen, ihre Boote im Herbst früher aus dem Wasser zu holen als üblich. „Aber dass sie schon im Juli auswassern müssen, das gab’s noch nie.“

Fast ein Drittel der insgesamt 45 Liegeplätze des Nonnenhorner Seglervereins ist verwaist. Und täglich werden es mehr. Jene Boote mit dem größten Tiefgang waren die ersten, die herausmussten. Andere seien von ihren Liegeplätzen nah am Land im Hafen aufgerückt in Richtung See, wo das Wasser noch tiefer ist.

Weil in anderen Häfen die Situation auch nicht besser ist, gibt es für die Schiffseigner keine Möglichkeit, ihre Boote etwa nach Kressbronn oder Lindau zu verlegen. Ihnen bleibt nur das Auswassern – und damit der Abtransport ins Winterlager.

Erst die Blaualgen, dann das Niedrigwasser

Durch den Regen der vergangenen Tage ist der Pegel ein paar Zentimeter angestiegen. Das lässt hoffen. Entwarnung gibt es allerdings noch nicht.

Am Kleinen See haben zunächst die Blaualgen am Teilabschnitt des Sees zwischen Bahndamm und Seebrücke zu schaffen gemacht, jetzt kommt noch das extreme Niedrigwasser hinzu.

Dort gibt es insgesamt etwas mehr als 300 Liegeplätze. 280 gehören der Stadt Lindau, der Rest, entlang des Bahndamms, zwei Vereinen. Laut Stadt Lindau sind aktuell rund 25 Prozent der Tagesliegeplätze im Kleinen See wegen des Niedrigwassers nicht belegt.

Die Bootsbesitzerinnen und Bootsbesitzer haben ihre Boote schon herausgenommen, auf andere Liegeplätze verlegt oder sogar in andere Häfen. Etwa nach Österreich oder in den Seehafen. Wer sein Boot in den Seehafen verlegt, muss für beide Plätze zahlen, wie Stadtsprecherin Stefanie Czuday schreibt.

Hubert Pröller.

 

Hubert Pröller, ehemaliger Hafenmeister und Geschäftsführer des Wassersportvereins Kleiner See, überlegt derzeit, ob es nicht besser wäre, wenn er sein eigenes Boot auswassert. Doch auch für diese Entscheidung ist Eile angesagt.

Denn selbst wenn das Wasser an seinem Liegeplatz noch tief genug ist, könnte die Ausfahrt schwierig werden. Im Bereich der Spielbank gebe es eine „extreme Stelle“, die für Schwierigkeiten sorgen könnte. Ein Boot brauche mindestens 70 bis 90 Zentimeter Wasser unterm Kiel.

Ist diese Hürde geschafft, bedeutet es noch lange nicht, dass alle Probleme gelöst sind. Zum Auswassern gilt es dann erst noch, einen Kran zu finden mit freien Zeiten.

Krantermine sind rar,

sagt Hubert Pröller.

Ist keiner frei, dann bleibt nur noch das Ausslippen, also das Auswassern über eine Slipanlage. Aber das funktioniert, wenn überhaupt, nur bei kleineren Booten.

Weil viele Liegeplätze im Kleinen See nicht mehr nutzbar sind, weichen Schiffseigner auf Liegeplätze im tieferen Seehafen aus.

 

Manfred Oberhauser hat alle Hände voll zu tun. Er ist der Hafenmeister des Seehafens, wo die Stadt 90 Liegeplätze hat. Für ihn bedeutet das Niedrigwasser „Vollgas am Kran. Von überall kommen sie her“, sagt er und erklärt, dass viele Boote vom Kleinen See hier Obdach gefunden hätten, weil der Wasserstand bei ihm kein Thema sei.

Das Problem sei vielmehr, dass er deshalb keine Liegeplätze mehr für Gäste habe. Das sei rund um den Bodensee der Fall.

Trotzdem hat auch das Folgen. Etwa für das Stadtsäckel. Die Stadt macht Einbußen. „Insbesondere bei den Tagesliegeplätzen kann das Niedrigwasser zu geringeren Einnahmen führen, da diese aufgrund der eingeschränkten Wassertiefe teilweise nicht genutzt werden können“, schreibt Stadtsprecherin Stefanie Czuday. Eine belastbare Aussage zur Höhe der Einnahmeausfälle sei derzeit noch nicht möglich.

Bootskran in Zech ist kaputt

Eigentlich gibt es auch in Zech einen Bootskran. Aber ausgerechnet in diesem Jahr ist er kaputt. Der Neue kommt erst in ein paar Wochen. „Aber das ist alles halb so schlimm“, sagt Hafenmeister Michael Tuppen. Bis der Neue da ist, bleiben die Boote im Zecher Segelhafen ohnehin im Wasser.

Denn dort ist die Lage entspannter. Tuppen und sein Kollege Christof Tröndle haben vorgesorgt und bereits vor Wochen mit den Liegeplätzen „jongliert“.

Sie ließen jene Boote, die mehr Tiefgang haben, an solche Liegeplätze verlegen, an denen das Wasser eben tiefer ist. Weil die meisten Boote außerdem wenig Tiefgang haben, mussten noch nicht viele ausgewassert werden. „Alles ist tiefenentspannt, keiner ist nervös“, fasst er die Gemütslage der Schiffseigner zusammen.

Das Wasserburger Hafenbecken sieht relativ leer aus. Das hat aber nicht zwangsläufig etwas mit dem Wasserstand zu tun.

 

Im Wasserburger Hafen herrscht fast Leere, dort liegen nur wenige Boote. Das hat mehrere Gründe. Etwa ein Viertel der Plätze des Segel-Clubs sei wegen des Niedrigwassers nicht nutzbar, sagt Sylvie Schneider, erste Vorsitzende. Bei den anderen Plätzen müsse man nach Tiefgang der Boote sortieren.

Liegeplätze am Hafen haben zudem die Feuerwehr, die Fischereigenossenschaft und die Segelschule, die derzeit brachliegt. Jörg Fischer, der die Schule zuvor rund 20 Jahre lang betrieben hatte, hat bisher niemanden gefunden, der sie übernimmt.

Weil die Schule bisher auch den Hafenmeister gestellt hat, ist der Hafen aktuell ohne Meister. Eigentümer des Wasserburger Hafenbeckens ist der Freistaat Bayern, die Schlösser- und Seenverwaltung verwaltet es.

Auch Bürgermeister Pius Hummler spricht von entnommenen Booten wegen des Niedrigwassers.

Ein Teil der Boote ist aber auch auf Seereise, erzählt Schneider. Wegen des niedrigen Pegels gestaltet sich aber auch das schwierig: In vielen Häfen ist kein Platz, entweder weil es zu wenig Wasser gibt oder weil sie Boote aus anderen Häfen aufnehmen müssen.

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