Wie Obstbauern gegen Hitze und Trockenheit ankämpfen

Daniel Wilhalm in einer seiner Apfelanlagen. Der Betrieb, den er von seinen Eltern übernommen hat, ist für ihn mehr als nur ein Arbeitsplatz. Foto: Susi Donner

Hitze und Trockenheit setzen dem Bodenseeobst zu. Früchte bleiben kleiner, Sonnenbrand und Apfelwickler verursachen Ausfälle, Wasser wird mit dem Fass zu den Bäumen gefahren. Daniel Wilhalm und Klaus Strodel bleiben trotzdem zuversichtlich – und hoffen auf die Verbraucher.

Daniel Willhalm fährt Wasser zu seinen Birnbäumen. Mit dem Fass. Etwas, das auf seinem Betrieb normalerweise kaum nötig ist. Die schweren Böden rund um seine Anlagen in Streitelsfingen speichern Wasser gut, in manchen Jahren war eher zu viel Nässe das Problem. Doch dieser Sommer ist anders.

„Das Jahr ist herausfordernd“, sagt Willhalm. Schon im Frühjahr hatte die durch ein Bakterium ausgelöste Pflanzenkrankheit Feuerbrand auch seinem Betrieb viel zusätzliche Arbeit beschert.

Befallene Stellen mussten entfernt werden, immer mit der Hoffnung, die Anlagen retten zu können. Ob später noch weitere Bäume gerodet werden müssen, wird sich erst zeigen.

Jetzt sind es Hitze und Trockenheit, die den Obstbauer beschäftigen. Es hat zwar ein paar Mal geregnet. Doch kurze Schauer reichen nicht. „Das Wasser bleibt vor allem an der Oberfläche“, erklärt Willhalm. Gras und Unkraut reagieren sofort, in die tieferen Bodenschichten gelangt davon deutlich weniger. Die Hitze und ein leichter Wind föhnen alles wieder trocken.

Jeder weitere heiße Tag kostet Feuchtigkeit.

Noch fürchtet Willhalm nicht, dass seine Bäume eingehen. Aber die Folgen sind sichtbar. Äpfel bekommen Sonnenbrand. Der Apfelwickler, ein kleiner Nachtfalter, liebt die warmen Abende und vermehrt sich munter. Seine Würmer, die Äpfel lieben, verursachen einen zusätzlichen Ernteausfall.

Birnen bleiben kleiner als gewünscht. Besonders bei den Williams-Birnen, deren Ernte bevorsteht, zeigt sich das. Bei der Sorte Conference kommen deutliche Blattschäden hinzu.

Dabei haben die Obstbauern die Früchte bereits ausgedünnt, also überschüssige Äpfel und Birnen entfernt, damit die verbleibenden besser wachsen können. Trotzdem reicht das Wasser für die gewohnte Größe nicht überall aus. Zusätzlich stehen die Pflanzen durch die anhaltende Hitze unter Stress.

Ähnliches beobachtet Klaus Strodel in Weißensberg. Die Kirschenernte sei bei ihm noch gut gelaufen. Bei den Zwetschgen werde die Belastung inzwischen deutlich.

Klaus Strodel in einer seiner Kirschanlagen in Oberreitnau. Seine Kirschen konnte er noch gut ernten – bei Äpfeln, Birnen und Zwetschgen hat er dieselben Trockenheits- und Hitzeprobleme wie seine Kollegen. Foto: Susi Donner

 

Strodel beobachtet bereits erste Anzeichen von Notreife: Unter starkem Stress versucht der Baum, seine Früchte noch möglichst zur Reife zu bringen. „Der Baum geht praktisch in einen Überlebensmodus.“

Bei den Zwetschgen habe er deshalb bereits mit der Bewässerung begonnen. Bei Äpfeln und Birnen sieht er dasselbe wie Daniel Willhalm. „Die Äpfel sind einfach kleiner, definitiv“, sagt Strodel.

Wasser lässt sich nicht einfach ersetzen

Mit dem Fass gegen die Trockenheit anzufahren, ist ein Versuch, der bei größeren Flächen schnell an seine Grenzen stößt. Willhalm macht das mit einer Zahl deutlich: Zehn Liter Regen pro Quadratmeter entsprechen auf einem Hektar 100.000 Litern Wasser. „So viel Wasser können wir gar nicht ausbringen.“

Eine Tröpfchenbewässerung wäre effizienter. Doch die lässt sich nicht innerhalb weniger Tage installieren. Es braucht Leitungen, Anschlüsse, Pumpen und vor allem eine zuverlässige Wasserquelle.

Viele Anlagen verfügen über all das nicht – weil es bisher schlicht nicht notwendig war. „Auf was willst du dich vorbereiten?“, fragt Willhalm. 2024 sei das Frühjahr extrem nass gewesen, jetzt fehle das Wasser.

Der Apfelwickler liebt die warmen Abende, vermehrt sich munter und verursacht einen zusätzlichen Ernteausfall.

 

Noch profitieren Klaus Strodel und Daniel Willhalm von ihren vergleichsweise schweren Böden, die Feuchtigkeit länger speichern können. Doch wie unterschiedlich die Situation selbst innerhalb der Region ist, hat Strodel erst vor Kurzem wieder erlebt.

Als er durch die Obstbaugebiete Richtung Wasserburg und Nonnenhorn fuhr, sei er über den Zustand mancher Anlagen regelrecht erschrocken gewesen. Auf den dort teilweise sehr kiesigen und wasserdurchlässigen Böden sei den Bäumen der Trockenstress deutlich stärker anzusehen.

In Nonnenhorn ist Bewässerung deshalb schon lange ein Thema. Dort gibt es einen Bewässerungsverein, der die Bewässerung für Obstbauern und Winzer organisiert. Wo diese Infrastruktur fehlt, kommen wieder Fässer zum Einsatz.

Strodel sieht, dass sich die Betriebe stärker auf Wetterextreme einstellen müssen. Bei jungen Erdbeerpflanzen gehört Bewässerung inzwischen zum Alltag. Die schwarzen Folien, in denen sie stehen, heizen sich in der Sonne so stark auf, dass junge Blätter regelrecht verbrennen können.

Früher habe er Erdbeeren kaum bewässern müssen, sagt Strodel. Heute gehe es ohne kaum noch. Ähnlich sei es mit Hagelnetzen. Vor rund 15 Jahren habe er noch keine gebraucht. Inzwischen schützen sie nicht nur vor Hagel, sondern auch vor zu starker Sonneneinstrahlung.

Die Blätter von Apfel- und Birnbäumen rollen sich nach innen, um ihre Fläche zu verkleinern – vor allem bei den Birnen sieht man den Bäumen den Hitzestress regelrecht an.

 

Trotzdem klingt Strodel nicht pessimistisch. Ein paar kühlere Nächte könnten bei den Äpfeln schnell viel verändern. Für die typische rote Ausfärbung vieler Sorten braucht es deutliche Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen. „Wir sind da guter Hoffnung, dass es schon noch wird.“

Was die Früchte allerdings an Wachstum verloren haben, holen sie kaum vollständig nach. Strodel nimmt das pragmatisch. „Wir müssen halt das Jahr nehmen, wie es ist. Und nächstes Jahr wird die Rechnung neu aufgemacht.“

Gerade für Direktvermarkter sind kleinere Äpfel nicht automatisch ein Problem. Strodel und Willhalm können ihren Kunden erklären, warum eine Frucht in diesem Jahr vielleicht etwas kleiner ausfällt. Schwieriger sei es dort, wo feste Größen und äußere Merkmale den Preis bestimmen.

Trockenheit und Hitze treffen die Obstbauern nicht in ruhigen Zeiten. Strodel beschreibt die Lage der Branche schon unabhängig vom Wetter als äußerst angespannt.

Deutsche Betriebe müssten hohe Anforderungen bei Umwelt- und Arbeitsschutz, Sozialstandards und Produktion erfüllen. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten und die Ausgaben für Schutzmaßnahmen wie Hagelnetze oder künftig möglicherweise Bewässerung.

Regionale Lebensmittelproduktion

Dem stünden Erlöse gegenüber, die aus Sicht der Erzeuger vielfach nicht mehr ausreichen. Strodel verweist auf das vergangene Vermarktungsjahr, in dem deutsche Apfelerzeuger im europäischen Vergleich besonders niedrige Preise erzielt hätten.

Gleichzeitig konkurriere heimisches Obst im Lebensmitteleinzelhandel mit Ware aus Ländern, in denen unter deutlich anderen Kosten- und Produktionsbedingungen gearbeitet werde.

Genau deshalb sieht Strodel im Kauf heimischer Lebensmittel mehr als eine Frage persönlicher Vorlieben. Wenn immer weniger Lebensmittel in Deutschland produziert würden, wachse auch die Abhängigkeit von Importen. Für ihn gehört die Unterstützung regionaler Erzeuger deshalb auch zur Frage, wie viel eigene Lebensmittelproduktion eine Region und ein Land künftig erhalten wollen.

Auch Willhalm sieht die wirtschaftliche Lage vieler Obstbaubetriebe mit Sorge. Besonders deutlich sei das in diesem Jahr bei den Kirschen geworden. In Teilen Deutschlands seien die Erzeugerpreise so niedrig gewesen, dass manche Betriebe ihre Früchte gar nicht mehr geerntet hätten. Der Aufwand für Pflücken und Vermarktung habe sich schlicht nicht gerechnet.

Für Willhalm ist genau das besonders bitter: Während heimische Kirschen teilweise an den Bäumen verrotteten, lag gleichzeitig Importware in den Supermarktregalen. „Warum? Wir haben doch alles da“, sagt er. Für ihn ist klar, dass diese Entwicklung langfristig Folgen hat.

Auch in diesem Jahr wird es Obst geben

Immer wieder geben landwirtschaftliche Betriebe auf. Und gerade im Obstbau lässt sich eine solche Entscheidung kaum rückgängig machen: Sind Anlagen gerodet und ein Hof aufgegeben, entsteht dort nicht ohne Weiteres wieder ein neuer Obstbaubetrieb. Auch deshalb hält er den bewussten Einkauf regionaler Produkte für wichtig.

Verbraucher bemerkten die Schwierigkeiten der heimischen Erzeuger häufig kaum, weil die Regale unabhängig von der regionalen Erntesituation gefüllt blieben.

Willhalm und Strodel vermarkten den größten Teil ihrer Produkte direkt. Das helfe, sagen beide. Trotzdem beobachten sie, dass nach den sehr starken Corona-Jahren die Nachfrage auf Wochenmärkten und in Hofläden wieder zurückgegangen sei. Viele Menschen müssten stärker aufs Geld schauen.

Für beide geht es bei der Frage nach der Zukunft des Obstbaus aber um mehr als Zahlen. Ihre Betriebe sind ihr Zuhause. Sie sind dort aufgewachsen, dort haben Eltern und Großeltern gearbeitet. Einen Hof gibt man nicht einfach auf und macht am nächsten Tag etwas anderes. „Das ist ja unser Leben“, sagt Willhalm.

Trockenheit, Hitze, Feuerbrand, steigende Kosten und Vorschriften – all das kommt in diesem Jahr zusammen. Trotzdem wollen weder Willhalm noch Strodel ein Katastrophenbild zeichnen.

Die Bäume stehen. Es wird geerntet. Und es wird auch in diesem Jahr viel gutes heimisches Obst geben.

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Eine wichtige Bitte haben die Obstbauern angesichts der anhaltenden Trockenheit an Spaziergänger, Radfahrer und Autofahrer: Zigaretten, Glasflaschen und anderer Müll dürfen derzeit keinesfalls achtlos in der Landschaft zurückbleiben. Trockene Wiesen und Böschungen können sich bei ungünstigen Bedingungen schnell entzünden. Auch Glas kann im Zusammenspiel mit starker Sonneneinstrahlung zum Risiko werden. Besondere Vorsicht gilt zudem beim Parken auf trockenen Grasflächen. Heiße Teile der Auspuffanlage können unter Umständen ausreichen, um trockenes Gras zu entzünden. Unabhängig von der aktuellen Trockenheit gilt ohnehin: Müll gehört wieder mitgenommen, und gebrauchte Zigaretten haben in der Natur nichts verloren.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Isolde Miller
    17.08.2026 22:22

    Dieser Sommer zeigt uns überdeutlich, dass Massnahmen zur Eindämmung des Klimawandels dringend notwendig sind. Jede und jeder kann einen Beitrag leisten. Symptombekämpfung alleine bringt uns nicht wirklich weiter. Es gibt viele Möglichkeiten und wir Bürger, aber auch die Verantwortlichen in der Politik müssen endlich handeln!

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