Ein Restaurant im Rädle-Stil: So ist’s im Wasserburger Fässle

Andreas Heitinger und Lukas Deusch sind durch das Fässle zu besten Freunden geworden. Foto: Isabel de Placido

Vor etwa einem Monat hat mitten im Wasserburger Ortskern eine neue Gastronomie eröffnet. Warum sich der junge Koch Lukas Deusch damit einen großen Traum erfüllt und sich Andreas Heitinger freut, dass er sein historisches Gebäude belebt.

Das Fässle ist weder Restaurant noch Rädle. Offiziell ist die neue Gastronomie in Wasserburgs historischem Torkel ein Restaurant im Rädlestil. Aber eigentlich ist das auch egal: Wasserburg hat mitten im Zentrum eine neue Wirtschaft, in der die Wasserburger und ihre Gäste das ganze Jahr hindurch zusammenkommen können. In ungezwungener Atmosphäre gibt es hiesigen Most, Saft, Wein oder Bier zu trinken und dazu ein bodenständiges Essen.

Lukas Deusch hat sich mit dem Fässle einen Traum erfüllt. Der 26-Jährige hat, seit er denken kann, ein Faible fürs Kochen. Von seinem allerersten Taschengeld habe er sich nicht wie seine Freunde Süßigkeiten gekauft, sondern ein Steak, das er sich dann selbst zubereitet hat.

Nach einem Ferienjob im Haus am See in Nonnenhorn war klar: „Koch, das wär’s.“ Aus dieser Erkenntnis folgten erst Lehre, dann Berufsleben im Haus am See. Während dieser neun Jahre wuchs in ihm langsam der Wunsch nach Selbstständigkeit heran.

Gleichzeitig entdeckte er die Rädlewirtschaften samt ihres Rädlegedankens. „Dieses Zusammenhocken und das Einfache, das deutsche Soulfood, die Seelennahrung, was jeder von daheim kennt“, schwärmt er. Das sei es, was ihm an den Rädlewirtschaften gefalle. Jeder sei doch begeistert, etwas zu essen, das „wie früher“, nach daheim, schmecke.

Lukas Deusch hat sich mit dem „Fässle“ einen Traum erfüllt. Foto: Isabel de Placido

 

Für ihn war immer klar: Wenn er sich selbstständig macht, dann in Wasserburg, wo er aufgewachsen ist und wo ihn jeder kennt. Allerdings hat er dort „ewig“ nichts gefunden.

Bis er eines Tages durch Zufall mit Andreas Heitinger ins Gespräch kam. Die beiden Wasserburger kannten sich und bauten gemeinsam für eine Aktion ihres Narrenvereins ein Zelt auf. Dabei erzählte Lukas Deusch von seinem Traum.

Als Andreas Heitinger von dem Konzept hörte, ratterte es in seinem Kopf. „Lass uns später drüber reden, ich weiß da was“, sagte er. Es kam, wie es kommen musste.

Der Wasserburger Obst- und Gemüsebauer hatte 2013 den historischen Torkel an der Wasserburger Halbinselstraße zum Hofladen umgebaut und betrieben. 2018 hatten Verena und Andreas Heitinger für die gelungene Renovierung sogar den Wasserburger Dorfpreis erhalten.

Pech mit den Mitarbeitern habe die Familie jedoch gezwungen, den Laden zu schließen. Seither wurde ihr Obst und Gemüse in Automaten verkauft – doch das war nur als Übergangslösung gedacht. Denn dem Wasserburger war klar: Das Gebäude hat Potenzial. „Und dann kam der Luki“, erzählt Andreas Heitinger.

Beinahe komplett in Eigenleistung umgebaut

Lukas Deusch war allerdings „echt baff“, als er erfuhr, dass Heitinger ihm den historischen Torkel anbietet. „Da ist mir die Schublade runtergefallen“, erinnert er sich. Natürlich kannte er den Laden. Oft genug hatte der leidenschaftliche Koch hier eingekauft. „Ab da war er Feuer und Flamme“, sagt Andreas Heitinger. „Das brennt bis heute noch“, versichert Lukas Deusch.

Es folgte eine intensive Zeit. Allein bis alle Genehmigungen für das denkmalgeschützte Gebäude eingeholt waren, dauerte es fast ein ganzes Jahr, und dann folgte noch der Umbau. „Das waren alles Kosten. Ich hatte schlaflose Nächte“, sagt Lukas Deutsch und erzählt, dass Andreas Heitinger ihm stets den Rücken gestärkt habe.

Letztlich sei die Umbauzeit dann „eine der schönsten Zeiten“ seines Lebens gewesen. Noch heute wirkt er berührt davon, dass Andreas Heitinger ihm derart viel Vertrauen geschenkt hatte und ihm geholfen hat, seinen Traum zu verwirklichen. „Ohne diese Chance wäre aus dem Traum nichts geworden“, sagt Lukas Deusch.

Die beiden haben das Gasthaus beinahe komplett in Eigenleistung umgebaut. „In das Gebäude hatten wir unser Herzblut reingesteckt, wenn der Luki nicht gekommen wäre, wäre es verstaubt“, antwortet Andreas Heitinger auf die Frage nach dem Warum. Außerdem wusste er: „Wenn das einer wuppt, dann der Lukas.“ Schon längst sind der 26-Jährige und der 48-Jährige, Freunde, „wie Brüder“.

Andreas Heitinger (links) und Lukas Deusch vor dem Fässle. Foto: Isabel de Placido

 

Am 15. Juli feierte das Fässle schließlich Eröffnung. Seinen Namen verdankt es der ursprünglichen Bedeutung des 1727 errichteten Gebäudes, das früher einmal „Forsters Torkel“ hieß. Fasslampen an der Decke und deckenhohe Fässer im Keller unterstreichen den Namen, den im Umkreis keine zweite Gastronomie trägt.

Rund 40 Gäste passen an die sieben Tische im zünftig-modernen Gastraum, die extra lang sind, damit sich die Menschen zueinandersetzen und miteinander sprechen „müssen“. Dass seine Gäste aufeinander zugehen, das wünscht sich der junge Gastronom. Außen sorgt ein schattiges Biergärtchen für ein hübsches Ambiente.

Zu essen gibt es Bodenständiges, wie etwa Handbrote mit Bergkäse, Leberwurst oder Rauchfleisch, hausgemachten Obatzda, sauren Käs, natürlich Wurstsalat und diverse Platten.

Regionale Produkte

Aber auch Warmes steht auf der Speisekarte, wie Maultaschen oder Quiches. Im Winter will Lukas Deutsch noch mehr warmes Essen auf die Karte bringen. Dabei steht für den jungen Koch die Regionalität an oberster Stelle.

Das sei schon in seiner Zeit im Haus am See so gewesen. Und nachdem er bei Andreas Heitinger quasi in die Lehre gegangen ist und bei den Obstbauarbeiten mitgeholfen und gesehen hat, wie die Produkte gedeihen und wachsen, habe sich dieses Bewusstsein noch verstärkt.

Most, Apfelsaft und Obst bezieht er vom Heitinger Hof, das Gemüse von Gemüse Schweiger, ebenfalls ein Wasserburger. Der Käse kommt aus Möggers, das Fleisch aus Oberschwaben, der Wein aus Nonnenhorn, das Bier aus Weiler.

Bisher sei der Zulauf „enorm“ gewesen. Dass auch viele Wasserburger zu ihm kommen, und zwar nicht nur einmal, freut den Gastronom besonders.

 

 

Geöffnet ist das Fässle von  Dienstag bis Samstag, 17 bis 23 Uhr, Sonntag 11 bis 14 Uhr. Montags ist Ruhetag.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Monika Schwendinger
    14.08.2026 19:17

    Das ist ja super, freut mich. Ich komme sicher mal, zumal ich gerne im Schuhhaus und Modehaus Strobel gerne einkaufe

  • Herbert Straßee
    15.08.2026 17:42

    Besser geht’s nicht, einfach super im Ausmahme Location umgesetzt…. toller Service und einfach sympathisch alle super „Gast freundlich“, wo man sich wirklich als Gast „willkommen“ und „wertgeschätzt“ fühlt. Weiterhin Megaerfolg wünsche ich allen Beteiligten 🔥🥰

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