Weniger Mehrwertsteuer auf Speisen – das klingt nach Entlastung für die Gastronomie. Doch in der Praxis sorgt die neue Regelung für Probleme: unterschiedliche Steuersätze, komplizierte Abrechnungen und steigende Kosten machen Wirtinnen und Wirten das Leben schwer.
Für die Betriebe hat sich die Lage kaum verbessert. Zwar ist die Steuer auf Speisen seit Anfang des Jahres auf sieben Prozent gesunken – doch Getränke werden weiterhin mit 19 Prozent besteuert. Richtig komplex wird es bei der Kombination aus Frühstück und Übernachtung, wie sich bei der Kreisversammlung des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Lindenberg gezeigt hat.
Das Frühstück umfasst einerseits Speisen, andererseits Getränke. Gehört das Frühstück zur Übernachtung, gilt eine vereinfachte Regelung: 15 Prozent des Übernachtungspreises sind dann mit 19, der Rest mit sieben Prozent Mehrwertsteuer belastet, informierte Bezirksgeschäftsführer Jochen Deiring.
Preise für Gäste gehen nicht runter
Aus seiner Sicht ist es beim Catering vergleichsweise einfach: Sieben Prozent auf die Speisen, 19 auf die Getränke. Doch hierzu gibt es noch keine Rechtsprechung. Klar ist aus Sicht der Gastronomen mit ihrem Kreisvorsitzenden Ludwig Gehring aus Lindenberg an der Spitze: Eine Senkung der Preise für die Gäste ist nicht möglich.
Zu viele Preissteigerungen setzen den Wirtinnen und Wirten zu. Aufgrund des gestiegenen Mindestlohnes sind auch die Kosten fürs Personal höher.
Aber auch Erdbeeren und Spargel seien teurer geworden – weil die Saisonkräfte bei der Ernte nun mehr Geld erhalten.
Gehring hofft, dass seine Berufskollegen dennoch dank der Mehrwertsteuer-Senkung „über die Runden kommen“. Denn die Zahl der Insolvenzen in der Branche nimmt zu.
Der Kreis Lindau sei aktuell „noch gut weggekommen“. Aber auch hier seien viele Betriebe inzwischen an weniger Wochentagen geöffnet. Und immer häufiger drohe die Schließung aus Altersgründen. So hat auch Gehring seinen „Bayerischen Hof“ nur noch für Übernachtungsgäste und größere Gruppen, jedoch nicht mehr als À-la-carte-Restaurant geöffnet.
Arbeitszeiten sollten lockerer gestaltet werden können
Einen Appell richtete Gehring an die Gewerkschaften. Sie sollten einer Lockerung der täglichen Arbeitszeit zustimmen. Aktuell darf ein Arbeitnehmer nur maximal zehn Stunden am Tag beschäftigt sein. Gerade bei größeren Feiern reiche das nicht aus. An der Wochenarbeitszeit wolle niemand rütteln.
Seine Berufskollegen forderte Gehring auf, auf Ausbildungsmessen Präsenz zu zeigen. Dort seien derzeit nur die größeren Betriebe vertreten. Aber: „Nicht jeder will in einem großen Hotel schaffen“. Peggy Sing und Asterios Dündar von der Bundesagentur für Arbeit in Lindau appellierten an die Gastronomen und Hoteliers ihre freien Stellen und Ausbildungsplätze zu melden. Das sei einerseits für eine erfolgreiche Vermittlung notwendig.
„Wo kein Bedarf gemeldet ist, existiert er auch nicht“
Andererseits erfahre so auch die Politik von der jeweils aktuellen Situation. Denn: „Wo kein Bedarf gemeldet ist, existiert er auch nicht“, sagte Dündar. Aktuell weiß die Arbeitsagentur von 23 offenen Ausbildungsstellen und insgesamt 117 offenen Stellen in der Branche im Landkreis.
Auf zahlreiche rechtliche Themen ging der Bezirksgeschäftsführer ein. So drohe ein Verfahren aufgrund möglicher „Schwarzarbeit“, wenn die eigenen Kinder am Abend oder am Wochenende in der Gastronomie oder im Hotel aushelfen.
Die Frage sei, ob sie dann Arbeitnehmer oder „häusliche Mithilfe“ seien. Gilt ersteres, dann biete sich eine Anstellung auf Minijob-Basis an. Die Empfehlung von Deiring: Ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung. So lasse sich abklären, ob eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vorliege.
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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Das Problem der Gastronomie ist kein einzelner Faktor, es ist ein System, das nicht mehr zur Realität passt.
Wir versuchen eine neue Realität mit alten Regeln zu betreiben, das funktioniert nicht.