Mit 93 Jahren gehört der Lindauer Fritz Ilgen zu den wenigen Schwimmern, die noch immer bei internationalen Masters-Wettkämpfen an den Start gehen. Gerade ist er gemeinsam mit seinem 86-jährigen Vereinskollegen Alfred Seeger bei der Europameisterschaft in der Slowakei. Was bringt einen 93-Jährigen und einen 86-Jährigen dazu, noch immer um Zeiten, Medaillen und Rekorde zu schwimmen?
Gerade einmal 13 Jahre alt war Fritz, genannt Itze, Ilgen, als er zum ersten Mal bei einem Wettkampf ins Wasser sprang. 80 Jahre später schwimmt der Lindauer noch immer.
Anfang dieser Woche sitzt Ilgen gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Alfred Seeger diese Woche im Zug Richtung Slowakei. Ihr Ziel: die Masters-Europameisterschaft in Šamorín, einer Kleinstadt in der Nähe von Bratislava.
„Schwimmen ist mein Leben“, sagt Fritz Ilgen. Und das ist wörtlich gemeint. Seit seiner Kindheit schwimmt der Lindauer – im Grunde schon immer beim TSV Lindau. Heute ist das Wasser sein tägliches Training. „Die Wettkämpfe mache ich, damit mir nicht langweilig wird“, sagt er.
Die beiden Schwimmer haben schon unzählige Erfolge gefeiert: Weltmeister- und Europameisterschaften, unzählige Wettkämpfe und unzählige Treppchen. Goldmedaillen zählen die Schwimmer schon gar nicht mehr. 2015 wurde Ilgen außerdem von der Stadt Lindau zum Sportler des Jahres gekürt.
Fritz Ilgen wurde 2015 zum Sportler des Jahres der Stadt Lindau gekürt. Archiv: Christian Flemming
Alfred Seeger ist 2010 von Heilbronn an den Bodensee gezogen. Geschwommen ist er auch schon vorher, seitdem für den TSV Lindau. Sport spielt für ihn schon immer eine große Rolle – er hat ihn studiert und als Sportlehrer gearbeitet. Auch Skifahren und Windsurfen machen ihm Spaß. Aber nur das Schwimmen ist bis heute geblieben.
Mittlerweile haben Ilgen und der 86-jährige Alfred Seeger – der im Vergleich zu seinem Schwimmkollegen ja noch ein „Jungspund“ sei, wie er lachend sagt – bei der Masters-EM schon die ersten Wettkämpfe hinter sich. Alfred Seeger wurde in seiner Altersklasse bei 200 Meter Freistil Zweiter, nachdem er lange geführt hat, und beim 200‑Meter-Lagen-Schwimmen (Kombination aus mehreren Schwimmarten) wurde er Erster. Noch acht weitere Wettkämpfe stehen ihm bevor, zum Beispiel im Kraulen, Brust- oder Freistilschwimmen.
Fritz Ilgen hat die 50 Meter Rückenschwimmen ebenfalls gewonnen. Er geht noch bei den 100 Metern Rückenschwimmen an den Start. Hier könnt ihr die Ergebnisse der Masters-EM nachschauen.
Mehr als 2000 Schwimmer bei der Masters-EM
Mehr als 2000 Schwimmerinnen und Schwimmer messen sich bei der Masters-EM in verschiedenen Disziplinen: im Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Synchronschwimmen, Wasserspringen und Wasserball. Damit ist das Teilnehmerfeld vergleichsweise klein. Bei anderen Europameisterschaften waren bereits 4000 und mehr Schwimmer dabei.
Dass Ilgen in seiner Altersklasse mittlerweile meistens ohne Konkurrenz antritt, findet er schade. „So ganz alleine macht das keinen Spaß.“ Trotzdem steht für ihn die Freude im Mittelpunkt. Beim Schwimmen habe er eine gute Zeit.
Der Stampfstil
Er schwimmt natürlich wieder in seinem eigenen Stil. Beim „Stampfstil“ das Wasser mit den Beinen weggestampft, sie bleiben im Wasser.
Damit hat der Lindauer ein echtes Alleinstellungsmerkmal. „Ich habe das bei einem Wettkampf vor vielen, vielen Jahren ausprobiert – und war plötzlich vier Sekunden schneller“, sagt Ilgen und lacht. 75 Jahre ist das inzwischen her.
Seine internationale Erfahrung kommt ihm bis heute zugute. Seit 1980 ist Ilgen bei den Masters-Wettkämpfen dabei, dem Gründungsjahr der Masters-Schwimmer. Was als Wettkampfkarriere begann, ist längst Teil seines Lebens geworden.
Jeden Tag ins Wasser
Ein klassisches Training absolvieren die beiden Schwimmlegenden nicht. Sie schwimmen, jeden Tag. Ilgen im Wasserburger Aquamarin, Seeger in der Therme und im Eichwaldbad. „Ohne würde es nicht gehen“, sagt Seeger. Schließlich gehe es bereits ab einem Alter von etwa 45 Jahren bergab.
Trotzdem: Gerade Schwimmen eigne sich im Alter besonders. „Weil es schonend ist, aber man sich trotzdem anstrengt.“
Einmal jährlich müssen sich die Masters-Schwimmer ärztlich untersuchen lassen, damit sie an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Seeger weiß, dass ältere Menschen bei einem Schwimmwettkampf bereits gestorben sind, etwa an einem Herzinfarkt.
Gemeinsam unterwegs
Was die beiden Lindauer verbindet, ist nicht nur das Schwimmen, sondern auch die Reisen zu den Wettkämpfen. Südkorea, Rom, Katar: Ilgen und Seeger sind gerne gemeinsam unterwegs und verbinden den Sport mit dem Besuch anderer Städte.
Vergangenes Jahr ging es für die beiden etwa zur Weltmeisterschaft nach Singapur – gemeinsam mit jüngeren Schwimmkollegen des TSV Lindau. In diesem Jahr sind sie alleine in der Slowakei unterwegs. Motiviert sind sie dennoch: „Wenn man gerne schwimmt, dann will man ein Ziel haben“
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