Das bewährte Team von Piccolina Town (von links): Niklas Rothe, Vitus Ehrle, Frederic Rupfle, Nike Käser, Jolanda Ehrle und Neele Rothe. Foto: Jaqueline Aydin
Piccolina-Town in Oberreitnau feiert Jubiläum. Viele ehemalige Teilnehmer engagieren sich heute selbst als Helfer. Was die Spielstadt so besonders macht.
Bürgermeister wählen, im Gemeinderat mitbestimmen, ein Restaurant führen, in der Bäckerei arbeiten oder Verantwortung auf dem Bauhof übernehmen: Vier Tage lang bestimmen Kinder in Oberreitnau jedes Jahr aufs Neue selbst, wie das Leben in ihrer kleinen Stadt aussehen soll.
Auch in diesem Jahr öffnet Piccolina-Town wieder seine Tore, und zwar zum 20. Mal. Am 25. August geht’s los.
Das Jubiläum ist für das Team ein besonderer Anlass. Denn in Piccolina-Town geht es seit zwei Jahrzehnten um weit mehr als Beschäftigung während der Ferien. „Die Kinder wollen am normalen Leben teilhaben“, sagt Nike Käser aus dem Organisationsteam. Sie ernst zu nehmen und ihnen Verantwortung zuzutrauen, sei ein wesentlicher Gedanke des Spieldorfs.
In Piccolina-Town gibt es deshalb nicht nur verschiedene Arbeitsplätze, sondern auch eine eigene Währung. Die Kinder verdienen Geld, können damit beispielsweise etwas kaufen und erleben ganz nebenbei, wie eine Gemeinschaft funktioniert.
In Piccolina-Town lernen die Kinder fürs Leben. Archivfoto: Susi Donner
Jeden Morgen beginnt der Tag mit einer Bürgerversammlung. Bürgermeister und Gemeinderat werden gewählt, Betriebe gegründet und Aufgaben verteilt. Auch ein Spielkaufhaus mit Flohmarkt gehört dazu.
Wie nachhaltig dieses Konzept wirkt, zeigt sich für Käser besonders im eigenen Team. Manche der heutigen Helfer waren früher selbst als Kinder bei Piccolina-Town dabei.
40 Ehrenamtliche machen Piccolina-Town möglich
Wer dem Spieldorfalter entwachsen ist, kann zunächst als Hilfsbetreuer einsteigen und mit zunehmender Erfahrung mehr Verantwortung übernehmen.
Aktuell sorgen rund 40 Ehrenamtliche dafür, dass die Spielstadt funktionieren kann – junge Menschen ebenso wie Erwachsene und Rentner.
Auch das sechsköpfige Organisationsteam mit Vitus Ehrle, Jolanda Ehrle, Niklas Rothe, Neele Rothe, Frederic Rupfle und Nike Käser ist eng miteinander verbunden. Freundschaften und sogar Geschwisterpaare gehören dazu.
„Ich glaube, deswegen läuft es auch noch so gut weiter“, sagt Käser. Viele würden Piccolina Town eben nicht einfach als irgendein Ehrenamt betrachten. Über die Jahre seien Freundschaften und eine Gemeinschaft entstanden.
Dass ehemalige Teilnehmer später selbst dazu beitragen, das Spieldorf für die nächste Generation möglich zu machen, ist für sie eine besonders schöne Entwicklung.
Manche Erinnerungen werden dabei buchstäblich von Jahr zu Jahr weitergetragen. So besitzt das Team noch immer ein altes Restaurantschild, das einst von einem Kind gestaltet und etwas eigenwillig beschriftet wurde. Das Schild wird jedes Jahr wieder aufgestellt.
Die Plätze sind längst belegt, doch die Anfragen hören nicht auf
Dass Piccolina Town beliebt ist, zeigt die Nachfrage. Die 120 Plätze für dieses Jahr sind bereits vergeben, es gibt eine Warteliste. Dennoch erreichen das Team weiterhin zahlreiche Anfragen von Eltern.
Im vergangenen Jahr seien zeitweise rund 170 Kinder oder mehr dabei gewesen, berichtet Käser. Nach dem Wegfall anderer Ferienangebote wie Kids-Town sei der Andrang deutlich gestiegen.
Gläser gravieren in Piccolina-Town. Archivfoto: Susi Donner
Für Piccolina Town ließ sich eine solche Teilnehmerzahl auf Dauer jedoch nicht stemmen. „Es muss einfach auch vom Betreuungsschlüssel her aufgehen“, sagt Käser. Hinzu kommen Kosten für Material und die Aufwandsentschädigungen der Ehrenamtlichen. Deshalb wurde die Teilnehmerzahl in diesem Jahr bewusst begrenzt.
Finanziert wird Piccolina Town maßgeblich durch einen Zuschuss der Stadt Lindau sowie durch die Teilnahmegebühren von fünf Euro pro Kind und Tag. Hinzu kommen vereinzelt Spenden. Getragen wird das Spieldorf vom Kreisjugendring Lindau.
Wiedersehen zum Jubiläum
Am Freitag, 28. August, soll das 20-jährige Bestehen besonders gefeiert werden. Vertreter der Stadt Lindau und des Kreisjugendrings kommen zusammen, außerdem ist ein Gespräch von Vitus Ehrle mit Francesca da Marca, der Gründerin von Piccolina Town, geplant.
Dabei soll es bewusst nicht allzu förmlich zugehen. Anschließend wird die Filmdokumentation gezeigt, die während der diesjährigen Spieldorfwoche entsteht.
Danach gehört der Abend den Menschen, die Piccolina Town über die vergangenen zwei Jahrzehnte mitgetragen haben. Aktuelle und ehemalige Ehrenamtliche sollen bei einem gemeinsamen Umtrunk Gelegenheit haben, sich wiederzusehen, Erinnerungen auszutauschen und das Jubiläum zu feiern.
Weil dem heutigen Team längst nicht mehr von allen früheren Helfern aktuelle Kontaktdaten vorliegen, startet es einen Aufruf: Ehemalige Ehrenamtliche, die beim Jubiläum dabei sein möchten, können sich unter piccolinatown@gmail.com melden.
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