Seit Jahren fehlen dem größten Verein Lindaus Trainingsflächen. Nun möchte der TSV das Problem selbst lösen – mit einer Dreifachturnhalle in Zech. Davon könnten auch andere Lindauer Institutionen profitieren.
Nach Jahren des Platzmangels möchte der TSV Lindau seine Probleme nun selbst in die Hand nehmen und eine neue Dreifachturnhalle im Lindauer Stadtteil Zech bauen. Zu der dortigen Fläche gehört auch ein Verwaltungsgebäude, das seit Längerem leersteht.
Bei der Stadt Lindau ist das Vorhaben bereits Thema. „Nach aktuellem Stand gab es einen ersten Abstimmungstermin zur Vorstellung eines möglichen Projekts des TSV, an dem auch Oberbürgermeisterin Claudia Alfons teilgenommen hat“, schreibt Stadtsprecherin Stefanie Czuday auf unsere Nachfrage.
Als Ergebnis des Termins hätten sich verschiedene Prüfaufträge an die Stadtverwaltung ergeben, deren Ergebnisse vorliegen müssen, bevor über weitere Schritte – insbesondere die mögliche Herbeiführung politischer Beschlüsse – entschieden werde, so Czuday. Das Gelände liegt im Gewerbegebiet.
Dass der TSV konkrete Überlegungen für eine Dreifachturnhalle anstellt, bestätigt der erste Vorsitzende Dominik Moll. Der Grund dafür sei die angespannte Hallensituation in Lindau, unter der der Verein seit Jahren leidet. Mit dem Projekt wolle der Verein aber auch anderen sozialen Institutionen in Lindau eine Möglichkeit bieten.
Besonders betroffen vom Platzmangel beim TSV sind die Handballer, Kampfsportler und Basketballer. „Für uns ist die Situation seit Jahren unbefriedigend“, sagt Moll. Sportler seien abgewandert. Die betroffenen Abteilungen könnten derzeit zudem keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen.
Seit Jahren fehlt die FOS-Turnhalle
Ein wichtiger Trainingsort ist dem TSV bereits vor rund zehn Jahren weggebrochen: die ehemalige FOS-Turnhalle. Der Landkreis nutzte die Halle für die Unterbringung von Geflüchteten, während der Coronapandemie diente sie als Impfzentrum. Inzwischen ist das Gebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht das neue berufliche Schulzentrum.
Zwar hat der Kreistag den Bau einer neuen Halle beschlossen. Bis diese fertiggestellt ist, könnten jedoch noch bis zu zehn Jahre vergehen.
Eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht. Der Verein habe bereits geprüft, ob weitere kommunale Räume genutzt werden könnten – ohne Erfolg. „In Lindau gibt es keine anderen Hallenoptionen“, sagt Moll.
Dominik Moll ist seit zehn Jahren der erste Vorsitzende des TSV Lindau. Foto: Ronja Straub
TSV will das Problem selbst lösen
Deshalb verfolgt man nun die Idee einer eigenen Dreifachturnhalle. So sollen drei neue Hallenteile geschaffen werden und die Gesamtbelegung werde entzerrt, sagt Moll,
Für den Kauf des Grundstücks und des leerstehenden Verwaltungsgebäudes der Firma Cooper Standard an der Robert-Bosch-Straße laufen nach Angaben von Moll bald die Verhandlungen. Das Gelände stehe seit Längerem zum Verkauf.
Mit dem Kauf von Grundstück und Verwaltungsgebäude sowie dem anschließenden Bau der Halle bewegt sich das Vorhaben im oberen einstelligen Millionenbereich. Einen ersten Finanzierungsplan habe der TSV bereits aufgestellt. Ein Teil soll aus Eigenmitteln des Vereins und Bankkredite kommen, zudem setzt der Verein auf Fördermittel.
Ein weiterer Baustein sind mögliche Kooperationspartner. Sie könnten Räume im Verwaltungsgebäude, das der TSV kaufen möchte und in dem er auch eigene Büroräume unterbringen würde, anmieten und so zur Finanzierung des Projekts beitragen. „Wir möchten, dass mehrere Lindauer Institutionen etwas davon haben“, sagt Moll.
In das leerstehende Gebäude auf dem Gelände von Cooper Standard könnten, wenn es nach dem TSV geht, verschiedene Institutionen einziehen. Foto: Christian Flemming
Einer dieser Partner könnte höchstwahrscheinlich die Lindauer Caritas sein, so Moll. Diese sucht seit Längerem nach Räumlichkeiten für den Tafelladen. Dort ist es zu eng, außerdem ist der Laden nicht barrierefrei.
Von einem zunächst geplanten Projekt mit der Firma Elektro-Herz im Heuriedweg war die Caritas im vergangenen Jahr abgesprungen. Dazu gebe es keine neuen Entwicklungen, teilt Geschäftsführerin Katharina Pschibul in einer Pressemitteilung am Montagabend mit.
Allerdings würde parallel die Möglichkeit geprüft, in ein bestehendes Objekt mit einzuziehen, heißt es dort weiter. „Konkrete Entscheidungen sind noch nicht getroffen.“
Für eine Nachfrage von Kolumna dazu, ob es sich dabei um das Projekt des TSV Lindau handelt, ist Katharina Pschibul am Montagabend nicht mehr zu erreichen. Dominik Moll bestätigt auf Nachfrage, dass man in Gesprächen mit der Caritas Lindau sei.
Stadt prüft das Vorhaben
Und wie geht es nun mit den Plänen des TSV weiter? „Noch stehen wir am Anfang und sind in der Planung“, sagt Dominik Moll. Man sei in Gesprächen mit anderen Lindauer Institutionen.
Währenddessen prüft das Lindauer Bauamt, ob das Projekt auf der Gewerbefläche möglich wäre. „Die mit einem möglichen Projekt verbundenen Fragestellungen werden derzeit innerhalb der Verwaltung geprüft“, schreibt Sprecherin Czuday. Erst dann könne man sagen, wie es weitergehe. Ob die Stadt das Projekt finanziell unterstützen wird, sei ebenfalls unklar.
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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Das wäre doch eine gute Lösung. Anbindung an Bus auch vorhanden. Ich halte die Daumen, dass es klappt