Toni Neumann im „Villino“ und Julian Karr im „Karrisma“ freuen sich auch dieses Jahr über einen Michelin-Stern. Was die beiden Spitzenköche verbindet – und warum Karr seinen ersten Stern eigentlich gar nicht wollte.
Über Lindau strahlen nach wie vor zwei bedeutende Sterne – zumindest, was die Kulinarik betrifft. Toni Neumann hat im Bodolzer Villino seit fast zehn Jahren einen Michelin-Stern, Julian Karr in seinem Lindauer Restaurant „Karrisma“ seit 2024. Beide haben ihren Stern auch dieses Jahr erneut erhalten.
Toni Neumann ist mit seiner asiatisch geprägten mediterranen Küche in gewisser Weise der Erbe von Reiner Fischer. Dieser hatte von 1998 bis zur Übergabe an Neumann Jahr für Jahr seinen Stern gehalten, den Neumann seitdem weiter verteidigt.
Auf den ersten Blick hatten die beiden mit grundlegend unterschiedlichen Küchen begonnen. Neumann selbst sieht die Unterschiede allerdings nicht so groß. Beide arbeiteten mit gesunden Produkten und relativ schlicht, böten aber genügend Raum für Kreativität, sagt er.
Toni Neumann mag es privat ebenfalls einfach und richtig schlicht. Zusätzlich kommt aus seiner Küche zu Hause in Dornbirn rein Vegetarisches, seiner Partnerin zuliebe, sagt er.
Toni Neumann kocht im Villino etwa solche asiatischen Vorspeisen. Foto: Gigov
Julian Karr tanzt in seinem kleinen Lokal auf allen Hochzeiten. Er steht in der Küche, kümmert sich aber ebenso um seine Gäste. Das sei ihm wichtig, erzählt er – nur am Herd zu stehen, wäre ihm zu wenig.
Zufällig einen Stern bekommen
Den ersten Stern heimste er völlig unbeabsichtigt ein, wie er bereits 2024 erzählt hatte. Es sei nie seine Absicht oder gar sein Ziel gewesen, ein Sternelokal zu führen.
Sein Konzept war damals ein umfangreiches Menü voller spontaner Überraschungen. Der Gast wusste also nicht, was Karr ihm kredenzen würde.
„Das hat sich geändert, ich schreibe mittlerweile eine Menükarte, die sich aber häufig ändert“, so Julian Karr. Das liege unter anderem am saisonalen Angebot und daran, was seine Lieferanten gerade anzubieten hätten.
Die Menüs von Julian Karr enthalten zum Beispiel solche Gerichte. Foto: Flemming
Zur Festspielzeit gibt es schon traditionell ein festes Menü, das Festspielbesucher schon am Nachmittag und damit noch vor der Vorstellung genießen können.
Die Festspiele hielten auch Toni Neumann all die Jahre auf Trab. Sowohl vor den Aufführungen als auch danach, wenn die Gäste spätabends wieder ins Hotel zurückkommen, gibt es Leckeres für sie und deren Mägen.
So sehr ihn das Kreieren von Speisen auf höchstem Niveau auch reizt und liegt und es ihm eine riesige Freude bereitet, seine Gäste kulinarisch zu verwöhnen, bleibt der 43‑Jährige bescheiden.
Es ist nur Kochen, kein Retten von Menschenleben
, sagt Toni Neumann
Gleichwohl haben er und sein Team, das aus vier Azubis und fünf Köchen besteht, in der Küche des Hotels Villino hinter dem Hoyerberg hohe Ansprüche an ihre Arbeit, denn „es gibt kein schlechtes Essen, höchstens schlecht zubereitetes“.
So viele Mitarbeiter hätten in Julian Karrs Küche gar keinen Platz, da würde dann wohl eher der Spruch „Viele Köche verderben den Brei“ zutreffen – allein aus Platzmangel. Doch immerhin hat der 39‑Jährige zu seiner eigenen Freude mittlerweile einen weiteren Koch sowie einen Auszubildenden.
So bleibt ihm mehr Raum, seine Kreationen den Gästen in seinem kleinen Restaurant zu vermitteln. Der Kontakt zum Publikum beschränkt sich dabei nicht darauf, mit seiner legendären Ölkanne mit dem endlos langen Auslauf aus sicherer Distanz den Speisen den letzten kleinen Schliff zu verleihen.
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