Wieso die gelbe Tonne im Landkreis Lindau erstmal nicht kommt

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Der Gelbe Sack kommt auf den Wertstoffhof – so sind es die Menschen in und um Lindau gewohnt. Viele finden das auch gut, wie der Lindauer (links). Markus Honner hat den Inhalt der Säcke im Blick.
Fotos: Ronja Straub

Viele in und um Lindau wünschen sich eine gelbe Tonne, die regelmäßig geleert wird. Doch der ZAK hält am bisherigen Bringsystem fest. Warum der Entsorger das Modell verteidigt – und wann sich etwas ändern könnte.

Autos fahren vom Parkplatz, andere kommen an: Auf dem Lindauer Wertstoffhof ist an diesem Donnerstagnachmittag nicht besonders viel los. Ein Mann hat alte Pfannen dabei, jemand anderes eine Kiste voll Altglas und jede Menge Styropor. Was auffällt: Einen gelben Sack geben die allermeisten ab.

In und um Lindau gehört das zum Alltag: Der gelbe Sack wird nicht vor der Haustür abgeholt, sondern zum Wertstoffhof gebracht. Doch immer wieder gibt es Stimmen, die sich eine Änderung dieses Systems wünschen.

„Ich frage mich seit Jahren, warum man den Kunststoffmüll bei uns in einem gelben Sack sammeln und dann zum Wertstoffhof fahren muss“, schreibt uns ein Kolumna-Leser aus Nonnenhorn. Damit ist er nicht allein. Viele hätten gerne eine gelbe Tonne, wie es sie etwa in Nordbayern, aber auch in Augsburg, gibt.

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Es fällt immer mehr Plastikmüll an. Im vergangenen Jahr erfasste der ZAK (Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten) im Kreis Lindau, Oberallgäu und Kempten rund 6000 Tonnen Leichtverpackungen – das ist mehr als noch im Jahr davor. Mehr als drei Viertel wurde davon an den Wertstoffhöfen abgegeben, etwa 20 Prozent an den Wertstoffinseln.

Unbestritten ist: Verpackungen müssen als recycelbare Wertstoffe getrennt entsorgt werden. Also im Normalfall im gelben Sack gesammelt und bisher zum Wertstoffhof gefahren werden. An den Wertstoffinseln dürfen dagegen nur einzelne Verpackungen in die entsprechenden Container geworfen werden. Ganze gelbe Säcke dort abzustellen, ist nicht erlaubt. Trotzdem kommt das immer wieder vor.

Wie etwa in Nonnenhorn. „Es ist ein wöchentlicher Kampf des Bauhofs“, sagt Bürgermeister Tobias Pellot, der das Problem bereits kennt. Seine Mitarbeiter müssten regelmäßig aufräumen. Erlaubt sei es nur, einzelne Verpackungen in die Container zu werfen.

Neben Glasflaschen und Dosen werden auch immer wieder gelbe Säcke an den Wertstoffinseln abgestellt. Foto: Tobis Pellot

 

Bezüglich der Frage „gelbe Tonne oder Wertstoffhof“ kennt Pellot beide Seiten. Viele wünschten sich eine Tonne. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass diese bei starkem Wind umkippen könne. Ratten könnten durch die darin gesammelten Verpackungen angelockt werden.

Für den ZAK ist das nur eines von vielen Argumenten, warum er am sogenannten Bringsystem erst einmal festhalten will. Das bestehende Modell habe sich etabliert, schreibt ZAK-Sprecherin Nadine Krause.

Ein Vorteil sei die bessere Kontrolle am Wertstoffhof. Dort könnten Mitarbeiter die gelben Säcke überprüfen und darauf achten, dass möglichst sortenrein gesammelt werde. Eine höhere Sortenreinheit verbessere wiederum die Qualität des Recyclings.

Auch die angespannte Situation bei den Abfuhrunternehmen spreche gegen eine Umstellung. Schon heute fehlten Fahrer. Eine flächendeckende Abholung der Gelben Tonnen würde die Personalsituation zusätzlich belasten.

Hinzu komme das Problem mit Wind. Gelbe Tonnen könnten bei starkem Wind umkippen und dabei Abfälle in der Umgebung verteilen.

Eine vierte Tonne vor der Haustür?

Der ZAK sieht noch einen weiteren Nachteil: Mit einer gelben Tonne würde neben der schwarzen Restmüll-, der braunen Bio- und der blauen Papiertonne eine weitere Tonne hinzukommen. „Dafür fehlt oft der notwendige Platz“, schreibt Krause.

Auch beim Thema Verkehr gehen die Einschätzungen auseinander. Während Befürworter einer Gelben Tonne argumentieren, dass dadurch Fahrten zum Wertstoffhof wegfallen könnten, sieht der ZAK keinen Vorteil.

Die Fahrten würden häufig mit anderen Erledigungen verbunden, meint Krause. Eine flächendeckende Abholung würde dagegen zusätzlichen Verkehr verursachen.

Hier wird der Gelbe Sack auf dem Lindauer Wertstoffhof gesammelt. Foto: Ronja Straub

 

Als Alternative verweist der ZAK auf die „wohnortnahen Wertstoffinseln“. Dort könnten Leicht- und Verkaufsverpackungen „bequem abgegeben“ werden.

Für den Nonnenhorner, der sich an Kolumna gewandt hat, ist das keine überzeugende Lösung. An den Wertstoffinseln könne man schließlich keine vollen Gelben Säcke abgeben, sondern müsse die Verpackungen einzeln in die Container werfen.

Seiner Meinung nach fordert das aktuelle System nicht die Motivation, den Müll ordentlich zu trennen. „Noch kann ich mir vorstellen, wie ältere Leute zum Beispiel ohne Auto das hinbekommen sollen.“

Bis 2030 bleibt alles beim Alten

Vorerst wird sich am System nichts ändern. Die Verträge mit den Dualen Systemen Deutschland (DSD) wurden erst kürzlich verlängert. Die DSD sind für die Wiederverwertung der Verpackungsabfälle verantwortlich.

Die Verträge laufen drei Jahre. Eine Änderung wäre damit Ende 2026 möglich gewesen. Nun laufen die Vereinbarungen bis 2030, erklärt Krause. Bis dahin soll geprüft werden, ob der ZAK am bisherigen Bringsystem festhält.

Und wie sieht es mit den Gebühren aus?

Eine Umstellung des Entsorgungssystems hätte Auswirkungen auf die Kosten, heißt es vom ZAK. Die Abfallgebühren würden steigen.

Da es erst einmal keine Umstellung gibt, bleiben die Gebühren bis einschließlich 2027 konstant, schreibt Nadine Krause. „Auch hier wird geprüft, ob sie für die kommenden Jahre stabil gehalten werden können.“

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Margita Geiger
    27.08.2026 21:32

    War für mich ein Argument ein Haus in einem der Nachbarlandkreise – die die Abholung schon längst etabliert haben – und noch in LI zu kaufen. Und von wegen Kontrolle – auf dem Wertstoffhof in LI schaut doch KEINER, wenn man mit den gelben Säcken Hoch- und Weitwurf in die Ecke übt.

  • Heike Horst
    30.08.2026 10:55

    Ich bin für die gelbe Tonne. Seit Jahrzehnten wird in NRW die gelbe Tonne den Haushalten bereit gestellt. Davon profitieren alle. Dieser Komfort hat sich bewährt. Die Quote ist hervorragend was die Trennung angeht und durch den hohen Recyclinganteil werden wertvolle Rohstoffe dem Kreislauf wieder zu geführt und es ist für die Entsorger ein einträgliches Geschäft. Amüsant, dass hier einzelne Bürgermeister befürchten, die Tonnen würden umkippen. Bezüglich fehlender Fahrer/innen bzw. Personal gibt es sicherlich Möglichkeiten arbeitsfähige Personen mit Hilfe der Arbeitsagentur oder des Jobcenters zu gewinnen, wenn die Konditionen stimmen.

    Es gibt noch ein Problem: Viele trennen aus Gründen der Bequemlichkeit oder aus Unkenntnis hier in Lindau nicht. Meine Beobachtung : Insbesondere ein großer Teil der Mieter/innen eines gewerblichen Vermieters hier in der Stadt werfen bislang alles in die Restmülltonne. Das hat zur Folge, dass hier diese Tonnen schnell voll sind, Deckel offen stehen und da dann die Vögel den Müll und die Verpackungen rauspicken und wir ein Problem mit Ratten haben. Nach und nach wird dieser Vermieter auch die Papiertonnen abschaffen, da es hier zu Fehlbefüllungen kam und diese kostenpflichtig nachsortiert werden müssen. Zu Lasten aller, wird hier das Recycling damit weiter erschwert.

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