Es hagelt Kritik am Baustellen-Chaos der Bahn

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Lindau
Ein Zug.
Symbolbild: Canva

„Zahlreiche“ Streckensperrungen stehen in den kommenden Wochen zwischen Lindau und München an. Die Verantwortlichen des Eisenbahnunternehmens „Arverio“ befürchten Schlimmes. Auch wegen anderer Planung gab es kürzlich Kritik. Was sagt die Bahn dazu?

Für die Fahrgäste auf der Bahnstrecke Lindau–Memmingen–Buchloe–München sind die Zeiten gerade schwierig: Das Eisenbahnunternehmen Arverio, das dort im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und des Landes Baden-Württemberg verschiedene Regionalverkehrslinien betreibt, befürchtet aufgrund einer Vielzahl von Baustellen der DB InfraGO Schlimmes.

Denn vom 13. August bis mindestens 16. November „fallen täglich an irgendeinem Abschnitt der Strecke Züge aus, teilweise auf mehreren Abschnitten zur gleichen Zeit“, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. „Das alles ist überhaupt nicht fahrgastfreundlich geplant“, wird Arverio-Geschäftsführer Arno Beugel dort zitiert.

„Wir sehen immer mehr kurzfristig angekündigte Baustellen. Und wenn die Bauarbeiten fertig sind, erleben wir häufig, dass die Langsamfahrstellen mit dem reduzierten Tempo nicht beseitigt sind und wir weiter mit verlängerter Fahrzeit oder einem Ersatzverkehr mit Bussen fahren müssen.“

Auch während des Oktoberfests fallen Züge aus

Arverio könne kein Konzept erkennen, wie die Strecke wieder in den Tritt kommen soll.

Aus unserer Sicht ist das Flickschusterei.

Herausragendes Negativbeispiel sei, dass auf dem zweigleisigen Streckenabschnitt zwischen München und Buchloe während des Oktoberfests mit bekanntermaßen sehr großem Fahrgastandrang nur ein Gleis befahrbar sein soll und dementsprechend viele Züge ausfallen müssen.

Ein Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen vom und zum Münchner Hauptbahnhof kann in dieser Zeit nicht besonders gut gelingen, so Arverio, dessen Verantwortliche sicher sind: Auch die Fahrgastinformationen werden aufgrund der verwirrend vielen, sich zeitweise zeitlich überlagernden und teilweise täglich wechselnden gesperrten Streckenabschnitte nicht sehr übersichtlich und gut verständlich aufbereitet sein können.

Arverio begrüßt es zwar sehr, wenn die DB InfraGO an der Strecke notwendige Bauarbeiten vornimmt, kritisiert allerdings die Vielzahl „offenkundig schlecht koordinierter Arbeiten“. Diese würden aufgrund ihrer großen Zahl und der teilweise zusätzlichen kurzfristigen Ankündigung weiterer Streckensperrungen enorme Auswirkungen für die Fahrgäste haben.

Ein ganz aktuelles Beispiel nennt Arverio für den 13. und 14. August, wo die Fahrgäste – je nach Tageszeit – unterschiedlich lange den Schienenersatzverkehr nutzen müssen. In den Stoßzeiten tagsüber zwischen Wangen und Memmingen, in den Randzeiten fährt dann durchgehend nur Schienenersatzverkehr.

Skeptik wegen des angekündigten Zeitplans

Im Oktober müssen Fahrgäste zwischen München und Memmingen mehrfach zwischen Ersatzverkehr und Zug wechseln. Schon ab dem 26.8. gibt es rund um Buchloe Sperrungen. Alle bisher bekannten Sperrungen findet ihr hier.

„Ob der verbleibende Zugverkehr dann jeweils pünktlich abgewickelt werden kann, wird sich zeigen“, schließt die Pressemitteilung. „Aufgrund der Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit ist Arverio sehr skeptisch, ob die Baustellen jeweils so wie angekündigt beginnen und dann auch fertiggestellt werden.“

Und die Bahn? Eine Sprecherin räumt auf unsere Nachfrage zwar ein, dass die Zahl der Baustellen im Schienennetz in nächster Zeit weiter hoch bleiben werde: „Nur mit konsequenten Investitionen ins Schienennetz können wir die Bahn nachhaltig verbessern.“

Die Bahn wisse um die hohe Belastung durch die vielen Baustellen und arbeite nachdrücklich an Verbesserungen – „auch im Hinblick auf die Faktoren Verlässlichkeit und Planbarkeit“, so die Sprecherin.

Bahn kündigt neue Arbeitsweise an

Geplant sei etwa, in Zukunft festgelegte Zeitfenster für Bauarbeiten zu definieren, die dann auch im Fahrplan hinterlegt werden. So stehe langfristig fest, auf welcher Strecke wie lange Instandhaltungsarbeiten stattfinden. „Nur noch in diesen Zeitfenstern werden Instandsetzungen durchgeführt“, verspricht die Bahnsprecherin.

Auch wenn die Bahn investiert, sollen die Bauarbeiten künftig in große, aber dafür wenige gebündelte Sperrungen zusammengefasst werden. „Statt wie bisher immer wieder kleinteilig und mehrmals zu sperren, geht die DB InfraGO einmal je nach Erneuerungsbedarf für fest definierte Zeitintervalle in die Strecke und erledigt alle Arbeiten auf einmal“, so die Bahnsprecherin.

Das ermögliche eine Abwicklung der Arbeiten „mit hoher Baueffizienz“. Die flächendeckende Umsetzung der neuen Arbeitsweise ist laut Bahnsprecherin ab 2027 geplant.

Den streckenweisen Ersatzverkehr zwischen München und Memmingen erklärt die Bahn damit, dass dort Langsamfahrstellen beseitigt werden, wodurch die Schieneninfrastruktur zwischen München und Buchloe verbessert werde.

„Dennoch werden wir aufgrund des weiterhin hohen Sanierungsbedarfs nicht alle Langsamfahrstellen bis Ende Oktober beseitigen können, da auch neue Langsamfahrstellen dazukommen“, so die Bahnsprecherin. „Daher bleibt das aktuelle Verkehrskonzept mit zwar längeren Fahrzeiten, aber stabilen Verbindungen bis Mitte Dezember bestehen. Wir bedauern die Verzögerung.“

Zu den von Arverio prognostizierten Problemen rund ums Münchner Oktoberfest äußert sie sich nicht.

Seit Montag fahren Züge wieder bis Enzisweiler

Erst kürzlich war die Bahn von anderer Seite aus der Region in die Kritik geraten.

Wegen der Bauarbeiten am Bahnhalt Lindau-Aeschach kommt es auf der Strecke Friedrichshafen–Lindau seit einiger Zeit zu Streckensperrungen.

Zumindest ab und bis Enzisweiler fahren die Züge bald wieder. Foto: Bodo

 

Weil Altlasten gefunden wurden, verzögern sich die Arbeiten bis Oktober. „Wenn eine international bedeutsame Strecke allein wegen eines Bahnsteigneubaus mehr als drei Monate lang geschlossen wird, läuft etwas schief“, meldete sich Bernd Hasenfratz, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Bodo kürzlich zu Wort. 

Auch er kritisierte kurzfristige Änderungen und deren Kommunikation.

Der Freistaat Bayern, das Land Baden-Württemberg und der Bodo-Verkehrsverbund hatten sich zudem an die Bahn gewandt, weil die einen Ersatzverkehr bereits ab Kressbronn bis Lindau eingerichtet hatte. Dabei können die Bahnhöfe in Nonnenhorn, Wasserburg und Enzisweiler bei einer Sperrung in Lindau-Aeschach ohne Probleme weiter angefahren werden. 

Die Bahn hat das inzwischen korrigiert, seit Montag fahren Züge von Friedrichshafen bis Enzisweiler – und umgekehrt.

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