Herzenswünsche von Menschen, die sonst oft vergessen werden

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Lindau
Das Team von „Herzenswünsche Lindau“ sorgt auch in diesem Jahr dafür, dass ältere Menschen, die wenig haben oder allein leben, zu Weihnachten eine Freude erleben. Foto: Privat

Jetzt schon an Weihnachten denken? Für viele ist das Ende August zu früh – nicht für die Organisatorinnen von „Herzenswünsche“. Denn damit zu Weihnachten viele Menschen ein kleines Geschenk bekommen können, muss einiges vorbereitet werden.

Eine Jogginghose in Größe 54, eine gute Duschlotion und ein paar Plätzchen, ein Schlafanzug, eine Nachttischlampe oder ein T-Shirt in leuchtendem Rot: Es sind meist ganz einfache Dinge, die auf den Wunschzetteln stehen. Und vielleicht berühren sie gerade deshalb.

Zum achten Mal organisiert das Team von „Herzenswünsche Lindau“ seine Weihnachtsaktion. Neun Frauen gehören inzwischen dazu – manche sind von Anfang an dabei, andere sind irgendwann dazugestoßen.

Neu ist, dass Anja Fink die Leitung von Monika Bermetz übernommen hat, die die Aktion mit ins Leben gerufen und sieben Jahre lang federführend organisiert hat. „Die Fußstapfen von Monika Bermetz sind groß und ich versuche, mich darin zurechtzufinden“, sagt Fink. Gleichzeitig weiß sie ein eingespieltes Team hinter sich: „Gemeinsam werden wir auch in diesem Jahr wieder für eine gelungene Aktion sorgen.“

Das Prinzip ist einfach: Menschen, die über wenig Einkommen verfügen, pflege- und hilfsbedürftig sind oder allein leben, dürfen einen Weihnachtswunsch im Wert von höchstens 50 Euro äußern. Bargeld, Alkohol, Zigaretten und Pflanzen sind ausgeschlossen. Viele Wünsche kommen über Einrichtungen wie die Sozialstation, die Lebenshilfe, das Allgäu-Stift, das Seniorenheim Reutin oder das Hospital auf der Insel.

Aber auch Menschen, die zu Hause leben, können mitmachen. Manchmal sind es Nachbarn, Freunde oder Bekannte, die aufmerksam werden und sagen: „Da gibt es jemanden, dem eine kleine Freude guttun würde.“

Gerade ältere Menschen haben nicht immer die Möglichkeit, sich selbst per E-Mail zu melden. Fink würde sich deshalb wünschen, dass auch das Umfeld ein wenig hinschaut und gegebenenfalls hilft, einen Wunsch weiterzugeben.

Jeder Wunsch wird anschließend mit einer Nummer versehen und anonym auf ein rotes Herz übertragen. Darauf stehen lediglich Wunsch, Alter und Geschlecht. Namen oder Adressen erfahren die Schenkenden nicht. Umgekehrt bleibt auch für den Beschenkten anonym, von wem das Paket kommt – es sei denn, jemand legt freiwillig eine persönliche Weihnachtskarte bei.

„Dann weiß man, dass es richtig angekommen ist“

Dass hinter einer neuen Jogginghose, einer Packung Plätzchen oder einer Nachttischlampe weit mehr stecken kann als ihr materieller Wert, erleben die Frauen spätestens beim Verteilen der Geschenke. Manche werden bei Adventsnachmittagen in den beteiligten Einrichtungen übergeben, andere bringen die Ehrenamtlichen persönlich nach Hause.

Diese Besuche gehen auch Anja Fink nahe. Wenn sich nach dem Klingeln die Tür öffne und die Menschen merkten, dass jemand mit einem Weihnachtsgeschenk vor ihnen stehe, hätten manche Tränen in den Augen.

Mitunter bekomme man dabei einen Eindruck davon, wie bescheiden jemand lebe. „Dann weiß man: Dieser Wunsch ist wirklich an der richtigen Stelle angekommen.“ Auch in den Einrichtungen leben Menschen, die keine Angehörigen mehr haben. Für sie bedeutet das Weihnachtspäckchen deshalb nicht nur, etwas geschenkt zu bekommen. Es bedeutet auch: Jemand hat an mich gedacht.

Vom Wunschbaum ins Organisationsteam

Fink selbst kam auf ungewöhnliche Weise zu „Herzenswünsche Lindau“.

Monika Bermetz und ihre Mitstreiterinnen hatten die Idee zu der Aktion nach einem ähnlichen Vorbild aus einer anderen deutschen Stadt aufgegriffen. Die erste Aktion haben sie kurzfristig vor Weihnachten auf die Beine gestellt und sie war entsprechend arbeitsintensiv.

Fink gehörte damals noch zu den Schenkenden. Beim Wünscheverteilen im Lindaupark fragte sie die Frauen, ob sie die Aktion im kommenden Jahr wiederholen würden. Die waren sich zunächst gar nicht sicher – zu anstrengend sei die Premiere gewesen. Fink sollte im Sommer noch einmal nachfragen. Das tat sie.

Als feststand, dass es weitergeht, bot sie ihre Hilfe an und gehörte fortan zum Team. Inzwischen sind die Aufgaben auf viele Schultern verteilt. Auch Unterstützung von außen gibt es. So stellt die Firma Enderlin unter anderem Material für die Aktion zur Verfügung. Kinder einer Ganztagsbetreuung gestalten zudem Weihnachtskarten, die später Geschenken beigelegt werden können.

Herzen ab 13. November

Wünsche können ab sofort eingereicht werden – bis spätestens zum 7. November ist noch Zeit.

Wer einen Wunsch erfüllen möchte, kann sich am Freitag, 13. November, von 15.30 bis 19 Uhr im Lindaupark ein Herz aussuchen – solange welche vorhanden sind. Erfahrungsgemäß warten manche Unterstützer schon vor Beginn am Stand. Nicht wenige nehmen gleich zwei oder drei Herzen mit.

Viele Wünsche lassen sich direkt im Lindaupark erfüllen und das Geschenk kann anschließend gleich wieder am Stand abgegeben werden. Nach dem 13. November sind übrige Wunschherzen außerdem an mehreren Ausgabestellen in Lindau erhältlich. Dort können auch die fertig verpackten Geschenke wieder abgegeben werden.

Für Anja Fink ist genau das das Schöne an der Aktion: „Es braucht oft gar nicht viel, um jemandem eine Freude zu machen. Und am Ende profitieren beide Seiten davon – diejenigen, die beschenkt werden, ebenso wie diejenigen, die sich ein rotes Herz aussuchen und einen Wunsch erfüllen.“[/vc_column_text]

So kann man mitmachen:

Wünsche einreichen bis spätestens 7. November, per E-Mail: herzenswunsch.lindau@gmail.com

Oder per Post:
Herzenswünsche
Im Wiesengrund 1
88131 Lindau

Wunschherzen gibt es am Freitag, 13. November, von 15.30 bis 19 Uhr im Lindaupark – beziehungsweise solange der Vorrat reicht.

Nach dem 13. November gibt es übrige Herzen außerdem bei:

Klangvolles Reikihaus Maha, Gstäudweg 18 A
Gabriella Moden, Maximilianstraße 28
Hammerhof, Kemptner Straße 105

Dort können auch die Geschenke wieder abgegeben werden.

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