20 Jahre nach Neonazi-Angriff in Lindau: „Vergessen ist er nicht“

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Lindau
Vor dem Haus links im Bild an der Ecke Maximilianstraße/Zeppelinstraße entdeckten die Skinheads damals den schlafenden 19-Jährigen und traten brutal auf ihn ein.
Foto: Ronja Straub

Ein damals 19-jähriger Lindauer wurde von zwei Skinheads fast zu Tode getreten. Er lebt seitdem in einem Pflegeheim. Eine Mahnwache am Donnerstag soll auf die Folgen rechtsextremer Gewalt aufmerksam machen.

Der Angriff 2006 hat viele Lindauerinnen und Lindauer erschüttert. Am 20. August veränderte sich das Leben eines Lindauers für immer. Der heute 39-Jährige überlebte einen brutalen Angriff von zwei Skinheads nur knapp. Robert B. ist seitdem schwerbehindert und lebt in einem Pflegeheim in der Nähe von Augsburg.

Regelmäßigen Besuch aus seiner alten Heimat bekommt er von einem Wasserburger. Er möchte anonym bleiben, kennt Robert B. aus jungen Jahren und besucht ihn etwa alle sechs Wochen in der Einrichtung.

Anfangs, als der Lindauer in der Fachklinik Wangen war und später in dem Lindauer Pflegeheim Maria-Martha-Stift lebte, hätten auch andere Freunde und Bekannte aus Lindau ihn häufig besucht, inzwischen sei das weniger geworden. „Vergessen ist er nicht.“

Der Wasserburger erzählt, dass dem heute 39-Jährigen auch das Sprechen schwerfalle. Er könne aber durchaus mitteilen, was er möchte und was ihn bewegt. Musik spiele zum Beispiel eine große Rolle im Leben des Lindauers.

„Wir haben ’ne Menge Spaß zusammen“, sagt der Wasserburger. Er versucht, das eintönige Leben seines Freundes etwas aufzulockern. Sie machen gemeinsam kleine Ausflüge – „soweit das eben möglich ist.“

Vor dem Angriff habe der heute 39-Jährige ein bewegtes Leben geführt. Er war Teil der damaligen Lindauer Punkszene und viel in der Stadt unterwegs. Außerdem machte er eine Ausbildung zum Anlagenelektriker.

Was ist damals passiert?

Der Fall erregte damals deutschlandweit Aufsehen: Die zwei Täter hatten ihr Opfer in den frühen Morgenstunden des 20. August 2006 schlafend auf einer Bank vor dem damaligen McDonald’s an der Ecke Maximilianstraße/Zeppelinstraße auf der Insel entdeckt. Sie traten ihm mindestens 20 Mal mit ihren schweren Stiefeln gegen den Kopf. Erst als eine junge Frau, die das sah, aus dem Fenster rief, ließen sie von ihm ab und rannten weg.

Robert B. hätte den Angriff fast nicht überlebt. Er lag zweieinhalb Monate im Koma und erlitt schwere, dauerhafte Hirnverletzungen. Er wachte wieder auf, durch die Tritte wurden aber so viele Nervenverbindungen in seinem Kopf getrennt, dass er schwerbehindert war.

Die beiden Täter, die der Neonazi-Szene zugeordnet wurden, wurden gefasst. Das Landgericht Feldkirch verurteilte sie zu acht und neun Jahren Haftstrafe. Die Höchststrafe wären zehn Jahre Haft gewesen.

Das Oberlandesgericht Innsbruck hatte das Urteil gegen die rechtsextremen Täter später weitgehend bestätigt. Verringert wurde die Strafe für den jüngeren der beiden Neonazis: Er wurde zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem mussten die Täter ihrem Opfer und seinen Angehörigen 130.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. 

Die beiden Täter hatten die Tat gestanden. Ihr Motiv und warum es zu der Gewalttat kam, konnte aber auch ein psychiatrischer Gutachter nicht klären. Es hätten sich Alkohol, Neonazi-Ideologie und Zufall verhängnislos vermischt, heißt es in einem Artikel von damals.

Während die Männer aus Vorarlberg heute mit Anfang und Mitte 40 längst wieder auf freiem Fuß sind, muss Robert B. sein Leben lang mit den Folgen leben.

Bündnis plant eine Mahnwache

Mit einer Mahnwache am Donnerstag, 20. August, will das Offene Antifaschistische Treffen Westallgäu (OAT) an das Schicksal des heute 39-Jährigen erinnern.

„Unter uns sind Menschen, die Rubel persönlich kannten. Uns ist es wichtig, an ihn zu erinnern und allen Menschen in Lindau die Möglichkeit zu geben, gemeinsam seiner zu gedenken“, schreibt das Bündnis in der Ankündigung.

„Opfer rechtsextremer Gewalt dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Folgen solcher Taten enden nicht mit einem Urteil und nicht mit dem Ende einer Haftstrafe.“

Die Mahnwache findet dort statt, wo die Tat passiert ist: im Bereich der Zeppelinstraße mit Übergang zur Maximilianstraße, am ehemaligen Standort von McDonald’s. „Geplant sind Redebeiträge, gemeinsames Gedenken und das Abspielen einzelner Lieder, die Robert B. besonders mochte.“
Die Veranstaltung geht von 19 bis 21 Uhr.

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