180 Besucherinnen und Besucher lauschen den Märchen

Um Wahrheit, Treue und allerlei List und Lust ging es in der Märchenstunde von Susanne Steger im Pulverturm. Mal wurde es ein bisschen derb, mal hintergründig, immer wieder herzlich komisch, wenn Steger mit viel Mimik erzählte. Fotos: Susi Donner

„Wer von Ihnen ist denn verheiratet?“ Susanne Steger schaute in die Runde im Pulverturm. Einige Hände gingen nach oben. „Ehe ist ja wunderschön. Aber halt nicht immer.“ Das Publikum lachte – und war schon mittendrin in einer Märchenstunde, die mit dem klassischen „Es war einmal“ nur bedingt zu tun hatte.

„Ehefrust & Ehelust – Märchen von List, Liebe und Lebensmut“ waren unter anderem Thema beim Lindauer Märchentag. Steger, Märchenerzählerin aus dem Oberallgäu, erzählte temperamentvoll, mit Gestik, Mimik und wechselnden Stimmen. Da ging es um betagte Schwestern in Venedig, um die Suche nach dem richtigen Mann, um Wahrheit, Treue und allerlei List. Mal ein wenig derb, mal hintergründig, immer wieder herzlich komisch. Doch nur um die Pointe ging es ihr nicht. „Ich erzähle unglaublich gerne Märchen mit einer Moral“, sagte Steger.

Über den Tag verteilt wurden Mangturm und Pulverturm sowie die Lindauer Altstadt bei einer Märchenführung zu Bühnen für Sagen und Geschichten. Rund 180 Besucher zählte Milena Strodel von Lindau Tourismus bei den sieben Angeboten. Das Programm reichte von Bodenseesagen über Zwerge, Feen und Tiermärchen bis zu Grimm-Klassikern und Geschichten aus aller Welt. Meist richteten sich die Stunden an Familien, doch es kamen auch Erwachsene ohne Kinder.

Beim Lindauer Märchentag erzählten (von links) Ruth Jurklies, Heidi Lange, Susanne Steger, Susanna Walter, Birgit Meier, Marianne Beiler und Barbara Schwärzler. Mit Birgit Meier und Barbara Schwärzler waren auch zwei Lindauer Erzählerinnen dabei.

 

Steger erzählt seit elf Jahren Märchen. Angefangen hatte alles mit den eigenen Kindern. Später absolvierte sie in Bad Wörishofen eine Ausbildung zur Märchenerzählerin. Für Erwachsene habe sie zunächst gar nicht erzählen wollen. Dann entdeckte sie, wie viele großartige Geschichten es gibt, die für Kinder eben nicht geeignet sind.

Was Märchen für sie ausmacht? „Fantasie.“ Anders als vor dem Bildschirm müssten die Zuhörer die Bilder selbst entstehen lassen. „Das ist wie Kino. Nur dass man selber denken muss.“ Gerade für Kinder sei dieses Zuhören und Vorstellen wichtig. Und bei aller List und allen Prüfungen dürfe eines nicht fehlen: „Ein Happy End muss immer sein.“

Dass Märchen in Lindau längst ihr Publikum haben, zeigt die regelmäßige Erzählstunde im Mangturm von Mai bis September, freitags um 19 Uhr.

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